Operation Windigo: 25.000 Unix-Server als Virenschleuder missbraucht Operation Windigo: 25.000 Unix-Server als Virenschleuder missbraucht - Computerwelt

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18.03.2014 Rudolf Felser

Operation Windigo: 25.000 Unix-Server als Virenschleuder missbraucht

In Zusammenarbeit mit dem CERT-Bund, der Swedish National Infrastructure for Computing und anderen Instituten, haben ESETs Malware-Forscher einen Angriff von Cyberkriminellen aufgedeckt, die derzeit mehr als 25.000 Unix-Server weltweit kontrollieren.

25.000 Unix-Server weltweit werden kontrolliert.

25.000 Unix-Server weltweit werden kontrolliert.

© jamdesign - Fotolia.com

Durch den Angriff, den die Sicherheitsexperten "Operation Windigo" nennen, werden Server infiziert, die daraufhin Millionen von Spam-E-Mails versenden. Dafür haben die Kriminellen ein komplexes System an ausgeklügelten Malware-Komponenten entwickeln. Damit kapern sie Server, infizieren besuchende Computer und stehlen Informationen. Zu den Opfern von "Operation Windigo" gehören unter anderem cPanel und kernel.org.

ESET veröffentlicht heute unter welivesecurity.com/windigo ein ausführliches Dokument, das die Ergebnisse der Untersuchungen und eine Analyse der Malware darstellt. Ein Leitfaden gibt darüber Auskunft, wie Anwender das eigene System auf eine Infektion hin überprüfen können. Zudem zeigt ESET, wie sich der schädliche Code entfernen lässt.

WINDIGO: UNTER DEM RADAR
Während Experten schon früh auf Teile von Windigo gestoßen sind, ist das gesamte Ausmaß und die Komplexität dieser cyberkriminellen Organisation in den Fachkreisen bisher unentdeckt geblieben.

"Windigo hat weitestgehend unbemerkt von der Sicherheitsgemeinde in mehr als zweieinhalb Jahren an Stärke gewonnen und die Kontrolle über 10.000 Server übernommen", erklärt ESET-Sicherheitsforscher Marc-Étienne Léveillé. "Mehr als 35 Millionen Spam-Nachrichten wurden jeden Tag an die E-Mail-Konten unschuldiger Nutzer geschickt. Diese verstopfen die Posteingänge und gefährden Computersysteme. Noch schlimmer ist aber, dass jeden Tag eine halbe Million Computer Gefahr laufen, neu infiziert zu werden. Der Besuch einer Webseite, deren Server durch die 'Operation Windigo' infiziert wurde, endet auf gefährlichen Exploit-Kits oder mit ungewollter Werbung."

Obwohl Webseiten, die von Windigo infiziert wurden, nur Windows-Computer über ein Exploit-Kit mit Malware verseuchen, erhalten auch Mac-Nutzer Werbung für Dating-Seiten. iPhone-Besitzer werden auf Seiten mit pornografischen Inhalten umgeleitet.

Über 60 Prozent der weltweiten Webseiten laufen auf einem Linux-Server. ESET-Forscher fordern Webmaster und Systemadministratoren auf, ihre Systeme auf eine Infektion zu überprüfen.

"Webmaster und IT-Fachkräfte haben generell viel um die Ohren. Deshalb tut es uns Leid, dass wir ihnen noch mehr Arbeit machen - aber es ist wichtig. Es ist ihre Chance und vielleicht sogar Pflicht, andere Internetnutzer zu schützen", sagt Léveillé. "Jeder sollte bestrebt sein, die Verbreitung von Malware und Spam zu unterbinden. Ein paar wenige Minuten können einen großen Unterschied machen und zur Lösung beitragen."

Die ESET-Experten raten Unix-Serveradministratoren und Webmastern, den folgenden Befehl durchzuführen. Er gibt schnellen Aufschluss, ob der eigene Server gefährdet ist: $ ssh -G 2>&1 | grep -e illegal -e unknown > /dev/null && echo "System clean" || echo "System infected"

Im Falle einer festgestellten Infektion empfiehlt ESET, die betroffenen Computer komplett zu säubern und das Betriebssystem sowie die Software neu zu installieren. Es ist zwingend notwendig, neue Passwörter und private Schlüssel einzusetzen. Die bestehenden Zugangsdaten könnten kompromittiert sein.

"Die Ebury Backdoor, die von 'Operation Windigo' eingesetzt wurde, nutzt nicht die Schwächen von Linux oder OpenSSH aus", sagt Léveillé weiter. "Stattdessen wird sie vom Angreifer manuell installiert. Es ist beängstigend, dass die cyberkriminelle Gruppe dies auf Tausenden von unterschiedlichen Servern erfolgreich vorgenommen hat. Während Antiviren-Programme und Zwei-Faktor-Authentifizierung auf Clients üblich sind, werden sie nur selten zum Schutz von Servern eingesetzt. Das macht sie in Bezug auf den Diebstahl von Zugangsdaten und Malware-Platzierungen durchaus angreifbar." Für ein größeres Maß an Schutz sollte daher in Zukunft darüber nachdacht werden, auch hier Technologien wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung anzuwenden, schreibt ESET.

"Wir wissen, dass das Säubern des Servers und der Neuaufbau der Systeme eine sehr bittere Pille ist. Wenn Angreifer aber die Administratorenzugangsdaten gestohlen oder geknackt haben und einen remote-Zugang zum Server herstellen konnten, ist das der einzige, sichere Weg", erklärt Léveillé. "Leider haben einige der Opfer, zu denen wir Kontakt haben, bislang nichts unternommen, um ihre Systeme zu bereinigen - und bringen damit andere Internetnutzer in Gefahr." Alle Computernutzer sollten stets daran denken niemals Passwörter zu verwenden, die leicht zu knacken sind oder bereits genutzt wurden. (pi)

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