Gut getarnt: Cryptoware "Locky" überlistet Sandbox Gut getarnt: Cryptoware "Locky" überlistet Sandbox - Computerwelt

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01.05.2016 Rudolf Felser

Gut getarnt: Cryptoware "Locky" überlistet Sandbox

Dank dem Ausnutzen weiterer Exploits lässt sich die neueste Variante der Crypto-Ransomware "Locky" noch schwerer von Security-Software aufspüren. Es ist also Vorsicht geboten!

"Locky" überlistet Sandbox-Technologien

"Locky" überlistet Sandbox-Technologien

© CC0 Public Domain - pixabay.com

Wie der Security-Anbieter Trend Micro in seinem Blog warnt, haben die Hintermänner der Erpressersoftware "Locky" die Tarnmechanismen ihres Computerschädlings erweitert. Es wurde eine neue Variante entdeckt, die zusätzlich zu bekannten und bereits vom Hersteller geschlossenen Sicherheitslücken in "Adobe Flash" auch solche im Windows-Kernel missbraucht. Die Routinen, die letztlich zum Herunterladen und Installieren der Schadsoftware führen, sehen dadurch wie Windows-System-Prozesse aus, erzeugen keine Dateien und werden nur zur Laufzeit ausgeführt. Das macht es insbesondere modernen Abwehrmechanismen wie Sandbox-Technologien, aber auch der traditionellen Verhaltensanalyse schwer, den Infektionsversuch zu erkennen und zu verhindern. Das Einspielen von Sicherheitsaktualisierungen – real oder virtuell – und regelmäßige Backups heißen daher die richtigen Antworten auf diese Bedrohung.

Konkret nutzt die von Trend Micro untersuchte Locky-Variante die Sicherheitslücke CVE-2016-1019 im Adobe Flash Player und die Lücke CVE-2015-1701 im Windows-Kernel. Letztere erlaubt es der Komponente in der Infektionskette, die für das Herunterladen der eigentlichen Erpresser- und Verschlüsselungssoftware verantwortlich ist, sich höhere Nutzerrechte im befallenen System einzuräumen. Diese Komponente kompromittiert den Windows-System-Prozess "svhost.exe", der für das Hosten von Services zuständig ist. Zudem prüft der Downloader die auf dem befallenen System eingesetzte Windows-Version. Erweist sie sich als nicht angreifbar, wird der eigentliche Schädling zwar nicht heruntergeladen, eine Verbindung zum Befehls- und Kontrollserver aber auf jeden Fall aufgebaut. Dies könnte Infektionen zu einem späteren Zeitpunkt nach sich ziehen, indem andere Sicherheitslücken im Windows-Kernel ausgenutzt werden. Trend Micro hat entsprechende Hinweise darauf im Schadcode gefunden.

"Die Tarnung dieser neuen Locky-Variante ist tatsächlich ausgeklügelt. Denn die Aktivitäten sehen lange Zeit wie unverdächtige Windows-Prozesse aus, deren Verhalten sich generell nur schwer überwachen lässt. Selbst die Aufnahme einer Verbindung mit dem Internet ist für diese Prozesse nichts Ungewöhnliches, so dass auch der von dieser Bedrohung erzeugte Netzwerkverkehr zunächst einmal normal erscheint", erklärt Sicherheitsexperte Udo Schneider, Pressesprecher bei Trend Micro Deutschland. "Das zeigt, dass selbst bei eigentlich altbekannten Bedrohungen wie Crypto-Ransomware heute mehrschichtige Sicherheitsansätze gefordert sind: Von Cloud-Reputationsdiensten über Verhaltensanalyse und Sandboxing bis hin zu virtuellem Patchen. Nur die Kombination all dieser Mechanismen sorgt heute für ein hohes Sicherheitsniveau."

Die vielleicht beste Antwort auf diese Art von Bedrohung ist das Einspielen von Sicherheitsaktualisierungen. Sowohl Adobe als auch Microsoft haben die erwähnten Sicherheitslücken schon seit geraumer Zeit geschlossen. Die Anwender sollten daher unbedingt darauf achten, dass stets die aktuellsten Softwareversionen auf ihren Systemen installiert sind.

Für Unternehmen ist freilich das sofortige Einspielen von Sicherheitsaktualisierungen aus organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen oft nicht möglich. Diese sollten daher über alternative Ansätze wie das virtuelle Patchen von Sicherheitslücken nachdenken, rät Trend Micro.

Eine grundlegende – wenn auch reaktive – Möglichkeit, sich vor Erpressersoftware zu schützen, sind selbstverständlich auch regelmäßige Datensicherungen (Backups). Dabei sollten die Anwender Trend Micro zufolge der 3-2-1-Regel folgen – drei Kopien in zwei Formaten auf einem isolierten Medium. So lassen sich zum Beispiel die Familienfotos erstens auf einem externen Speichermedium (externe Festplatte oder Stick) speichern, zweitens in der Cloud ablegen und drittens auf eine CD brennen. Der Cloud-Speicher und der nicht eingesteckte USB-Stick verhindern dabei, dass Locky auch die Sicherungskopien verschlüsseln und löschen kann. Sollte kein Cloud-Speicher vorhanden sein und der USB-Stick mit dem Rechner verbunden, so wären wenigstens die auf CD gebrannten Bilder sicher, selbst wenn diese im CD-Laufwerk eingelegt wäre. (pi/rnf)

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