40 Jahre alter Rechner mit Floppy-Disk steuert Atomwaffen 40 Jahre alter Rechner mit Floppy-Disk steuert Atomwaffen - Computerwelt

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27.05.2016 Hans-Christian Dirscherl*

40 Jahre alter Rechner mit Floppy-Disk steuert Atomwaffen

Ein uralter IBM Series/1 steuert die Atom-Bomber und Interkontinentalraketen der USA. Mit 8-Zoll-Disketten als Speicher.

Atomwaffen werden mit Uralt-PCs gesteuert.

Atomwaffen werden mit Uralt-PCs gesteuert.

© CCO Public Domain

Die Meldungen über den Einsatz uralter IT an lebenswichtigen Stellen von Infrastruktur und Militär reißen nicht ab. So berichtet nun die englische IT-Nachrichten-Webseite The Register, dass ein Computer-Veteran vom Typ IBM Series/1 die Nuklearstreitmacht der Vereinigten Staaten steuert. Diesen Computer-Typ hat IBM 1976 eingeführt. Der Typ IBM Series/1 verwendet 8-Zoll-Floppy-Disks als Speichermedien, wie man auch auf dem Foto zu dieser Meldung sieht. Jede dieser riesigen Disketten kann sage und schreibe 80 KB Daten speichern.

Dieses "US Department of Defense's Strategic Automated Command and Control System (SACCS)" koordiniert laut dem Bericht die operative Funktionen der Nuklearstreitmacht der USA. Also die Interkontinentalraketen und die Atom-Bomber sowie diese unterstützende Kräfte wie Tankflugzeuge.

The Register beruft sich auf einen Bericht des US Government Accounting Office. Das US-Verteidigungsministerium will aber zumindest die Datenspeichertechniken sowie tragbare Eingabeterminals und Desktop-Terminals sowie Erweiterungen bis zum Ende des Finanzjahres 2017 aktualisieren. Und bis 2020 will das US-Militär seine Kontrolltechnik für Atomwaffen und Zielerfassung auf moderne Server umziehen. Doch viele andere US-Behörden sehen dafür keinen Grund.

IBM-MAINFRAME MIT ASSEMBLER

Das Finanzministerium der USA verwendet zum Beispiel für die Berechnung der Steuererklärungen einen 56 Jahre alten IBM-Mainframe. Auf diesem Großrechner-Dinosaurier läuft Software, die in Assembler programmiert ist. Das maschinennahe Assembler kommt heute nur in besonderen Fällen als Programmiersprache zur Anwendung, in der Regel wird eine höhere Programmiersprache wie C, C++ oder Java verwendet. Doch als der IBM Mainframe gebaut und in Betrieb genommen wurde, war C noch nicht erfunden – von dessen Derivaten C++ und Java ganz zu schweigen. Das Finanzministerium plant derzeit nicht den Umstieg auf ein moderneres System.

FORTRAN

Beim Wirtschaftsministerium sind laut dem Bericht Wetterwarnsysteme im Einsatz, die mit Fortran programmiert wurden. Fortran ist ebenfalls eine sehr alte Programmiersprache, die seinerzeit besonders für aufwändige mathematische Fragestellungen oft verwendet wurde. Das Netzwerk des Wirtschaftsministeriums würde noch immer auf Windows-Server-2003 laufen, für den Microsoft keinen Support mehr gibt.

COBOL

Das nach 9/11 gegründete Department of Homeland Security wiederum nutzt einen acht Jahre alten IBM System z10 Mainframe – das wäre ja noch nicht so ungewöhnlich. Auf diesem Mainframe läuft aber mit Cobol programmierte Software. Sie ist ähnlich alt wie Fortran und gehört somit ebenfalls zu den Urgesteinen der IT-Programmiersprachen. Auch das Justizministerium vertraut auf mit Cobol: Es verwendet Cobol für die Datenbanken, mit der die Gefängnisinsassen verwaltet werden.

Der Bericht des Government Accounting Office stellt fest, dass in der IT der US-Behörden vielfach völlig veraltete Technik verwendet werde, mit veralteten Programmiersprachen und uralter Hardware, die nicht mehr von den Herstellern unterstützt werde.

Die Wartung der veralteten Technik würde hohen Kosten verursachen. Milliarden US-Dollar wären für fehlerhafte oder nicht wie erwartet funktionierende IT verschwendet worden, kritisiert der Bericht sinngemäß. Von den 80 Milliarden Dollar pro Jahr, die die US-Regierung für IT ausgibt, seien 75 Prozent dafür gedacht bereits vorhandene Systeme am Laufen zu halten. Dieser Anteil stiege immer weiter. Für 2017 sollen bereits 77 Prozent für den Unterhalt vorhandener Systeme verwendet werden. Somit blieben dem Bericht zufolge immer weniger Finanzmittel für die Entwicklung neuer, effektiverer Software übrig.

PROGRAMMIERER BEHERRSCHEN SPRACHEN NICHT MEHR

Das Hauptproblem besteht aber darin, dass es immer schwieriger werde, für diese alten Systeme und Sprachen wie Fortran, Cobol oder das Assembler für solch alte Systeme noch Programmierer zu finden. Diese Programmierergeneration geht in Rente beziehungsweise stirbt aus. Nachwuchs gibt es keinen, heute lernt niemand mehr Cobol oder Fortran.

Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass viele Rechner des US-Militärs zu alt für Windows 10 sind und auf diesen Maschinen oft noch Windows XP läuft. Vier Atom-U-Boote der britischen Marine wiederum sind mit Windows XP unterwegs. Und ein  Flughafen in Paris arbeitet sogar noch mit Windows 3.1.   Kurioserweise konnte   Windows 3.1 kürzlich sogar an Verbreitung gewinnen.

* Hans-Christian Dirscherl ist Redakteur der PC-Welt.

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