Iranischer Cyberspionage-Methusalem lahmgelegt Iranischer Cyberspionage-Methusalem lahmgelegt - Computerwelt

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01.07.2016 Rudolf Felser/pi

Iranischer Cyberspionage-Methusalem lahmgelegt

Eine iranische Cyberspionage-Gruppe verwendete rund zehn Jahre lang die Malware Infy und die erforderliche C2-Infrastruktur, um weltweit infizierte Computer zu kontrollieren.

© CC0 Public Domain - pixabay.com

Das Malware-Analyseteam von Palo Alto Networks, Unit 42, hatte Anfang Mai über die Entdeckung einer Cyberspionage-Kampagne mit Infy, einer zuvor unbekannten Malware-Familie, berichtet. Den Forschern von Unit 42 ist es nun gelungen, die C2-Infrastruktur für diese Aktivitäten weitgehend lahmzulegen. Regierungsbehörden und Industrieunternehmen weltweit, aber vor allem gezielt ins Visier genommene Bürger im Iran waren jahrelang davon betroffen. Das spezifisch für die Operation entwickelte Malware-Programm Infy – als wichtigstes Tool in dieser Kampagne – kam mindestens seit 2007 zum Einsatz und wurde im Laufe der Jahre immer wieder verbessert.

In den Wochen nach dem Bericht von Palo Alto Networks über diese Kampagne haben die Forscher eine Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen für die C2-Domains (Command & Control) initiiert. Diese Domains wurden von den Angreifern verwendet, um die Infy-infizierten Computer zu steuern. Durch die Zusammenarbeit mit den Domainbetreibern gelang es den Forschern schließlich, die Kontrolle über mehrere der für die Operationen genutzten C2-Domains zu gewinnen.

Die Forscher von Palo Alto Networks leiteten den Datenverkehr von den Opfern zu einem Sinkhole-Server, den sie kontrollierten. Dadurch konnten die Forscher den Zugriff der Angreifer auf ihre Opfer unterbinden und erhielten nähere Hinweise auf die Opfer, die benachrichtigt werden konnten. Die Überwachung des Sinkhole-Servers hat Unit42 dann an die Shadowserver Foundation übertragen. Die Industriegruppe beobachtet Botnets und arbeitet mit ISPs und anderen Parteien zusammen, um die Opfer zu benachrichtigen. Durch das Sinkholing der C2-Infrastruktur konnte Unit 42 unterbinden, dass die Hacker weiterhin Daten von den Opfern stehlen. Die Hacker haben bereits bemerkt, dass etwas nicht stimmt, und versucht, etwas dagegen zu tun, jedoch erfolglos.  

Die Forscher beobachteten 326 Infy-infizierte Computer in 35 Ländern, wobei fast die Hälfte davon in Iran lokalisiert wurde. Dies deutet darauf hin, dass es die Hacker-Gruppe vor allem auf iranische Bürger abgesehen hatte, vermutlich für Überwachungszwecke. Die Gesamtzahl der Opfer ist relativ gering im Vergleich zu anderen cyberkriminellen Kampagnen, aber nicht ungewöhnlich für Cyberspionage-Operationen, die ausgewählte Ziele ins Visier nehmen. Etwa 50 Prozent der Opfer waren sowohl mit Infy als auch Infy M, eine Variante der Malware, infiziert. Dies deutet darauf hin, dass diese Opfer als hochwertige Ziele eingestuft wurden, denen man mehr Aufmerksamkeit zuteil kommen ließ.

Es ist laut den Security-Forschern wahrscheinlich, dass die Infy-Gruppe zukünftig mit neuen Angriffsaktionen zurückkehren wird, aber es wird für die Akteure nicht einfach sein, ihre Infrastruktur wieder aufzubauen. Die gleichen Ziele noch einmal zu kompromittieren, wird ebenso schwierig sein, zumal Shadowserver die Opfer jederzeit benachrichtigen kann. Palo Alto Networks hat bereits Indikatoren der Kompromittierung und Hashes von Infy-Samples geteilt. Klar ist: Die Angreifer müssten ihre komplette Operation neu gestalten, wenn sie in Zukunft unentdeckt bleiben wollen. (pi/rnf)

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