Wettstreit der Bezahltechnologien Wettstreit der Bezahltechnologien - Computerwelt

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20.07.2016 :: Printausgabe 14/2016 :: Michael Suitner

Wettstreit der Bezahltechnologien

Nur Cash ist fesch? Bargeld wird es zwar noch länger geben, aber alternative Bezahltechnologien werden immer beliebter. Derzeit gibt es unterschiedliche Ansätze und Technologien. Welche sich letztendlich durchsetzt, steht noch nicht fest.

© Secure Payment Technologies

Am 4. Mai 2016 entschied die Europäische Zentralbank (EZB), dass der 500-Euro-Schein 2018 eingestellt wird. Das generelle Ende des Bargelds ist zwar noch lange nicht in Sicht – seit Monaten wird hierzulande aber auch die Beschränkung von Bargeldzahlungen "durch gewisse Obergrenzen" diskutiert. Denn Cash kostet: Es muss gedruckt, gelagert, transportiert, verteilt und versichert werden. Jeder Bearbeitungsschritt birgt Potenzial für Fehler oder Missbrauch. Im Windschatten dieser Entwicklungen nehmen nun alternative Bezahltechnologien, die um die Gunst der Konsumenten buhlen, wieder Fahrt auf. Wie sieht es im klassischen Bargeldland Österreich, wo laut Zahlungsverhaltensumfrage 2011 der Österreichischen Nationalbank (OeNB) immer noch 83,1 Prozent der Transaktionen und rund zwei Drittel des Gesamtvolumens aller Zahlungen bar beglichen werden, bei den Alternativen für den bargeldlosen Zahlungsverkehr aus?

NAHFUNK ERWEITERT BANKOMATKARTE

Die am Markt bereits eingeführten Lösungen für mobiles Bezahlen unterscheiden sich durch die unterschiedlichen, zumeist kontaktlosen Übertragungstechnologien, die beim Bezahlvorgang zur Anwendung kommen. Eine dieser Technologien ist Near Field Communication (NFC). Hierzulande werden neue Bankomatkarten von den Finanzinstituten mit NFC-Chip ausgestellt. Dieser ermöglicht bei Beträgen bis 25 Euro das kontaktlose Bezahlen an NFC-Kassen ohne PIN-Code-Eingabe, bei höheren Beträgen muss die Geheimzahl eingetippt werden. Um die dafür nötige Infrastruktur zu schaffen, wurden in den letzten Jahren österreichweit NFC-Kassenterminals im Handel installiert. Die Bekanntheit ist bisher jedoch noch relativ gering. Nur drei von zehn befragten Personen geben in der OeNB-Zahlungsmittelumfrage 2015 an, über eine NFC-fähige Bankomatkarte zu verfügen, obwohl Ende 2015 bereits 84 Prozent aller österreichischen Bankomatkarten mit dieser Funktion ausgestattet waren.

WIRD DIE BANKOMATKARTE MOBIL?

Trotz aller Bemühungen stellen NFC-fähige Kredit- oder Bankomatkarten für die meisten Lösungsanbieter aber nur einen "Nebenschauplatz" dar. Da die große Mehrheit der Österreicher bereits ein Smartphone besitzt, liegt der Fokus vor allem darauf, das Mobiltelefon zum Geldbörsel zu machen. Diese kleinen Alleskönner trägt man ja fast immer bei sich – die letzte wichtige Funktion, die bislang noch gefehlt hat, war das Bezahlen.

Eine der neuen Initiativen ist die "Bankomatkarte mobil": Sie bildet die Bankomatkarte am Handy ab und ermöglicht so das kontaktlose Bezahlen an NFC-Kassen. Damit das Handy die Karte ersetzen kann, müssen aber ein paar Hürden genommen werden: Erstens benötigt man ein Android-Handy mit NFC (Apples iPhone lässt das System nicht zu); zweitens muss die eigene Bank diese Lösung unterstützen; und drittens muss die SIM-Karte beim jeweiligen Mobilfunkanbieter gegen eine neue Karte getauscht werden.

DAS HANDY ALS GELDBÖRSEL

Um dem "Mobile Payment" zum Durchbruch zu verhelfen, entwickeln derzeit auch fast alle großen IT- und Elektronikkonzerne ihre eigenen Smartphone-Zahlungslösungen, darunter etwa "Apple Pay", Googles "Android Pay" oder "Samsung Pay". Auch der chinesische Internetriese Alibaba arbeitet mit "Alipay" an einem eigenen Angebot. In Zukunft werden diese Bezahllösungen auch am europäischen Festland Fuß fassen (Apple Pay gibt es bereits in Großbritannien), denn die Konzerne wittern im Mobile Payment ein gutes Geschäft. Zudem arbeiten die großen Player an eigenen Banklizenzen, um künftig auch als Zahlungsdienstleister auftreten zu können, ohne auf die etablierten Anbieter angewiesen zu sein.

BIOMETRISCH BEZAHLEN

Wie bei der NFC-Bankomatkarte muss der Bezahlvorgang bei Beträgen über 25 Euro auch mit dem Smartphone autorisiert werden. In der Regel autorisiert der Kunde eine Zahlung durch die Eingabe eines PIN-Codes. Alternativ liegt auch die Autorisierung durch biometrische Daten im Trend: Laut Deloitte-Studie "TMT Predictions 2016" steht Bezahlen per Fingerabdruck-Scanner am Smartphone kurz vor dem Durchbruch. Zudem möchte MasterCard Medienberichten zufolge ab dem Sommer das Bezahlen per Gesichtserkennung, das sogenannte "Selfie Pay", in 14 Ländern einführen. Und Google hat vor Kurzem das Pilotprojekt "Hands-Free Payment" gestartet, bei dem der Händler nur anhand der Initialen des Käufers und mit einem im Hands-Free-Payment-Konto des Käufers hinterlegten Porträtfoto dessen Identität überprüfen soll.

BARCODE FÜR BLUE CODE

Eine bewährte, fehlerfreie Übertragungstechnologie setzt auch die Bezahllösung "Blue Code" von Secure Payment Technologies für Android-Smartphones, iPhones und Apple Watches ein: den Strichcode (Barcode), wie man ihn seit Jahrzehnten auf Produkten im Supermarkt findet. Blue Code funktioniert unabhängig vom Mobilfunkanbieter und mit allen österreichischen Bankinstituten, indem man die App einfach mit dem Girokonto via Online-Banking verknüpft. Vor dem Bezahlen öffnet man die App mit seinem persönlichen PIN-Code. Die Blue-Code-App stellt daraufhin am Display einen Barcode bzw. "Blue Code" dar. Dieser wird an der Kassa eingescannt und der fällige Betrag wird vom Kundenkonto eingezogen. Der Kunde bleibt dabei vollkommen anonym, die App speichert keinerlei sensible Kundendaten am Handy. Im Zuge des Bezahlvorgangs wird lediglich eine anonyme Identifikationsnummer an die Bank übertragen, was größtmöglichen Schutz der Privatsphäre bietet. Blue Code wird österreichweit bereits an über 9.000 Kassen akzeptiert.

NICHT NUR BARES IST WAHRES

95 Prozent der Zahlungen bis zehn Euro werden laut Österreichischen Nationalbank (OeNB) mit Barem getätigt, denn Bargeldzahlungen werden immer noch als schneller, einfacher und sicherer wahrgenommen. Um Mobile Payment vor allem für kleine Einkäufe des täglichen Bedarfs noch attraktiver zu machen, sind Innovationen gefragt. Jetzt liegt es an den Technologie-Entwicklern, möglichst praktikable und einfach zu bedienende Zahlungslösungen voranzutreiben, die die Bedürfnisse der Menschen nach raschem und anonymem Bezahlen an der Kasse erfüllen. Wer diesen Spagat am besten schafft, wird den Wettstreit der alternativen Bezahltechnologien gewinnen.

Michael Suitner | CEO Secure Payment Technologies

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