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18.01.2012 pte/Rudolf Felser

Facebook: Geschäftsmodell stößt an Grenzen

Im Rahmen einer Vortragsreihe der Österreichischen Computergesellschaft haben am Dienstagabend Experten in Wien die Beziehungen zwischen Facebook, seinen Usern und Staaten analysiert.

Die Redner waren sich einig, dass Facebook einiges ändern muss, um künftige Konflikte zu vermeiden. "Es geht um Transparenz und Kontrolle. Es muss möglich sein, dass Nutzer den Internet-Angeboten von Konzernen trauen können", sagt Max Schrems, einer der Studenten, die Facebook nach langwierigen Briefwechseln zur Herausgabe ihrer Datensätze bewegen konnten und Klagen gegen das soziale Netzwerk eingebracht haben.

Facebook wird vorgeworfen, das Recht seiner User auf Privatsphäre zu verletzen. "Das Recht auf Schutz der eigenen Person wurde schon 495 erstmals schriftlich festgehalten. Es handelt sich um ein Menschenrecht, das die Bürger vor dem Staat schützen soll", sagt Rechtsanwalt Wolfram Proksch. Erst seit einigen Jahren gäbe es hier ein Problem. "Die Staaten hatten Angst im Internet die Kontrolle zu verlieren und haben angefangen, die Rechte der Bürger durch Vorratsdatenspeicherung zu beschneiden. Staaten freuen sich heute, wenn Facebook fleißig Daten sammelt. So ist einfacher Zugriff gewährleistet", meint der Rechtsexperte.

Was Facebook genau sammelt und vor allem was mit den Daten geschieht, ist nicht einfach in Erfahrung zu bringen. Schrems und seine Kollegen mussten lange um die Herausgabe ihrer jeweils etwa 1.200 Seiten starken Datensätze kämpfen. "Ein Facebook-Lobbyist hat mir bestätigt, dass wir die CD-Rom nur bekommen haben, weil es bei Facebook interne Kommunikationsprobleme gab", so Schrems. Für die Datenschutzbelange von Facebook-Nutzern außerhalb Nordamerikas ist eine aus steuerlichen Gründen dort angesiedelte Tochtergesellschaft in Irland verantwortlich.

Die Datensätze, die Facebook den Wiener Studenten zuschickte, enthalten Informationen aus 57 Kategorien. "Neben den Daten, die von den Usern selber hochgeladen wurden, wie Postings oder Fotos, gibt es auch solche, die von Facebook selber generiert wurden, wie etwa dem letzten Aufenthaltsort eines Users. Soviel zum Argument, dass User alles freiwillig hergeben", so Schrems. Facebook verweist bei Beschwerden auf die Zustimmungserklärungen der Nutzer. "AGBs, privacy policcy und privacy guide sind drei sehr umfangreiche Dokumente, die Links zu über 200 Seiten Text enthalten. Der Inhalt ist außerderm unklar, unverständlich und widersprüchlich", erklärt Schrems.

Mittlerweile gibt Facebook auf Anfrage nur noch extrem gekürzte Datensätze an User aus. Informationen hat das soziale Netzwerk auch über Menschen, die keinen Account haben. Über sogenannte Schattenprofile, die entstehen, wenn Nicht-User auf Fotos getagt werden oder ihre Kontaktdaten im Zuge einer Handy-Synchronisierung von Facebook ausgelesen werden. "Nicht bei Facebook zu sein, ist in Österreich nicht mehr möglich", so Schrems. Was Facebook mit den Daten macht, ist undurchsichtig. Der Konzern behauptet meistens, sie nicht zu verwenden. Bei Verwendung durch Dritte weist Facebook jede Verantwortung von sich. Daten wirklich zu löschen ist, auch nicht möglich. Facebook erinnert sich an alles. (pte)

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