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30.09.2011 Michaela Holy/pte

Hacker: Cyber-Kriminelle und Aufdecker

Die jüngsten Angriffe auf die Computer-Netzwerke von Firmen und Institutionen haben heftige Reaktionen verursacht. Meistens wird eine stärkere Verfolgung der Hacker gefordert. Dabei werden Hacker und Kriminelle oft in einen Topf geworfen.

Die meisten Hacker haben einen Berufsethos. Sie verwenden Daten nicht, sondern machen die Verantwortlichen nur auf Lücken in ihren Systemen aufmerksam. Cyber-Kriminelle stehlen Daten, um daraus Kapital zu schlagen, sagt Georg-Markus Kainz von Quintessenz im Gespräch mit Pressetext.

Durch die zunehmende Vernetzung der globalen Computersysteme sind persönliche Daten, die fast immer irgendwo in digitaler Form vorliegen, angreifbar geworden. Da absolute Sicherheit im Cyberspace eine Illusion ist, tauchen immer wieder Lücken in den Schutzvorrichtungen der Computernetzwerke auf. Gruppen wie Anonymous haben zuletzt öfter Schlagzeilen gemacht, indem sie solche Löcher aufgedeckt haben. Das Vorgehen dabei war nicht immer sensibel. Vor allem Persönlichkeitsrechte wurden schon öfters verletzt. "Es stimmt sicher, dass solche Vereinigungen öfter die Grenzen des moralisch Vertretbaren überschreiten. Der Zweck heiligt hier aber teilweise die Mittel", so Kainz.

Zuletzt hat Anonymous die Namen und Privatadressen von österreichischen Polizisten im Netz veröffentlicht. Für die Betroffenen sind solche Aktionen im besten Fall unangenehm, im schlimmsten aber gefährlich. "Nur weil sich jemand Hacker nennt, ist natürlich nicht alles erlaubt. Das Aufdecken eklatanter Sicherheitsmängel ist aber trotzdem notwendig", sagt Kainz. Im Falle von über 600.000 österreichischen Krankenkassen-Datensätzen will das Hackerkollektiv jetzt auf eine Veröffentlichung verzichten. Viele aufgedeckte Lücken werden selbst nach ihrer Entdeckung nicht rasch genug gestopft. "Reaktionen gibt es oft erst dann, wenn die Medien eine große Diskussion in Gang gesetzt haben", mahnt Kainz.

Ist die Debatte in den Medien einmal losgetreten, folgt meist ein Aufschrei der Entrüstung. In ganz Europa entstehen neue Abteilungen für Cyber-Kriminalität, die auch gegen Hacker ermitteln. "Meines Erachtens ist die Reaktion der Obrigkeit falsch. Wut und Ermittlungen sollten sich nicht auf irgendwelchen 16-jährigen Kids konzentrieren. Eigentlich sollten die Verantwortlichen den Hackern danken", formuliert Kainz überspitzt. Die Zahl der Verbrechen im Internet steigt allerdings tatsächlich an. Online-Kreditkartenbetrugsfälle fallen auch in die Zuständigkeit der Internetpolizei.

Die Zahl der Menschen, die das notwendige Wissen haben, um in Systeme einzubrechen, steigt. Daher müssen sowohl die Wirtschaft als auch Privatpersonen bessere Vorkehrungen treffen. "Die Leute müssen lernen, dass 1234 kein sicheres Passwort ist. Solche Dinge sind essenziell", so Kainz. Wenn die Sicherheitsmaßnahmen verbessert werden, wird Cyberkriminellen, die wirklich Böses im Schilde führen, dadurch das Leben erschwert. Dass die Ermittlungsbehörden sich den neuen Entwicklungen anpassen, ist ebenfalls eine Notwendigkeit. Allerdings müssen Medien, Behörden und Öffentlichkeit einsehen, dass es auch im Internet mindestens 256 Graustufen gibt.

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