Gastkommentar: Ein Buch mit sieben Siegeln Detail - Computerwelt

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09.05.2012 :: Printausgabe 10/2012 :: Nicolas Ehrschwendner*

Gastkommentar: Ein Buch mit sieben Siegeln

Es ist ein lästiger Fehler: Die Festplatte mitsamt den darauf befindlichen Daten ist an sich noch intakt, aber die Elektronik ist defekt. Ursachen sind etwa Überspannung, Blitzschlag oder ein defektes oder falsches Netzteil. Häufig handelt es sich auch um einen Produktions- bzw. Firmwarefehler. Dadurch wird die Printed Circuit Board (PCB) genannte Einheit, welche die Steuerung des Motors und der Schreib-/Leseköpfe sowie die Decodierung der Signale übernimmt, defekt. Deren Reparatur kommt immer einer Operation am offenen Herzen gleich.

© Attingo

Oft versuchen ambitionierte Laien oder Techniker die Elektronik gegen eine vermeintlich baugleiche zu tauschen. Das kann jedoch ein fataler Fehler sein. Denn sowohl Firmware-Informationen als auch »adaptive Parameter« werden aufgeteilt gespeichert: teilweise auf den Magnetscheiben selbst, als auch im EPROM der Elektronik. Ohne diese Parameter kann die Platte nicht initialisiert werden, weshalb sie nach dem Tausch genausowenig funktioniert wie zuvor. Aber es kann noch schlimmer kommen: Tauscht man nun die Elektronik, so kann es passieren, dass diese Parameter überschrieben werden. Das heißt, dass die Korrekturwerte der Heads von der an sich funktionierenden Ersatzelektronik auf die Magnetscheiben der zu rettenden Platte geschrieben werden. Dies bedeutet, dass der Datenträger auch mit seiner eigenen, gegebenenfalls wieder reparierten, Elektronik nicht mehr korrekt initialisiert werden kann.

Deshalb kann man nur raten, sich beim Verlust wichtiger Daten nicht auf so etwas vermeintlich Triviales wie den Tausch einer Elektronik einzulassen. Dafür müssen in der Regel mindestens PN, Configuration Code, Firmware und Site Code exakt übereinstimmen. Wenn nicht, besteht die Gefahr, dass schwererer Schaden entsteht. Speziallabors können, wenn ein exakt baugleiches Ersatzteil gefunden wurde, sowohl die adaptiven Parameter als auch bei Bedarf die Firmware – diese ist oft mehrere hundert Megabyte groß – des defekten Datenträgers auslesen und auf die baugleiche PCB zurückschreiben. 

*Nicolas Ehrschwendner (ne@attingo.com) ist Geschäftsführer von Attingo.

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