Zehntausende von AutoCAD-Dateien bei Industriespionage gestohlen Zehntausende von AutoCAD-Dateien bei Industriespionage gestohlen - Computerwelt

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22.06.2012 Rudolf Felser

Zehntausende von AutoCAD-Dateien bei Industriespionage gestohlen

Der Wurm ACAD/Medre.A wurde von ESET in Peru aufgestöbert. Er soll von chinesischen Hackern für gezielte Spionage eingesetzt worden sein.

© kebox - Fotolia.com

"Malware ist heute ein wichtiger Bestandteil von aktiver Industriespionage. Wer sich nicht ausreichend schützt, setzt sein Unternehmen auf Spiel", sagen die Experten des Antivirenherstellers ESET. Sie deckten den Wurm ACAD/Medre.A auf, der höchstwahrscheinlich von chinesischen Hackern für gezielte Spionage eingesetzt wurde. Ziel waren Dokumente, die mit der Software AutoCAD angefertigt wurden. Die ESET-Virenjäger wurden in Peru auf den Wurm aufmerksam, der sich dort explosionsartig vermehrte. 

ACAD/Medre.A stiehlt AutoCAD-Dateien und sendet sie automatisch an E-Mail-Adressen in China. ESET nahm bereits Kontakt mit Chinese ISP Tencent, dem Chinese National Computer Virus Emergency Response Center und der Firma Autodesk (dem Hersteller der betroffenen Software) auf, um den unautorisierten E-Mail-Verkehr zu stoppen. In einem ersten Schritt wurden die entsprechenden E-Mail-Konten gesperrt. Zudem wurden die Infektionsquellen wie verseuchte Webseiten blockiert. Betroffene Anwender, die den Malware-Befall möglicherweise noch gar nicht bemerkten, sind so zumindest teilweise geschützt. Der slowakische Sicherheitsspezialist bietet auch ein Cleaning-Tool an, mit dem Anwender ihr infiziertes System reinigen können.

"Nach der Installation beginnt ACAD/Medre.A mit dem Versand von vorhandenen AutoCAD-Zeichnungen. Die E-Mails gehen an einen Empfänger beim chinesischen Internetprovider 163.com. Insgesamt werden dort 22 Konten und weitere 21 beim Provider qq.com angeschrieben“, erklärt ESET Senior Research Fellow Zwienenberg. 

"ACAD/Medre.A stellt einen schweren Fall von Industriespionage dar. Jedes neue Dokument bzw. jeder Entwurf wird automatisch an den Betreiber dieser Malware gesendet. Ohne Frage kann dies dem rechtmäßigen Besitzer des geistigen Eigentums eine Menge Geld kosten. Sie könnten die Entwürfe gegen Geld an Mitbewerber verkaufen oder sogar ein Patent anmelden – möglicherweise bevor der eigentliche Erfinder den Gang zum Patentamt antrat", fügt Zwienenberg hinzu.

Über die Gründe des hohen Infektionsgrads gerade in Peru kann nur gemutmaßt werden. Auffällig ist, dass sich die Malware als getarnte AutoCAD-Dateien in Unternehmen schmuggelte, die im direkten Geschäftskontakt mit öffentlichen Einrichtungen stehen. Möglicherweise sind sogar die Verwaltungen und Regierungsstellen des südamerikanischen Staates das eigentliche Ziel. (pi)

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