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02.12.2009 Edmund E. Lindau

Elite Crew ausgehoben

Einem der größten deutschsprachigen Cybercrime-Netze hat die deutsche und österreichische Polizei in einer großangelegten gemeinsamen Aktion den "Stecker" gezogen.

Einem der größten deutschsprachigen Cybercrime-Netze hat die deutsche und österreichische Polizei in einer großangelegten gemeinsamen Aktion den »Stecker« gezogen. Als die Polizei am 24. November um 17 Uhr an der Tür seiner elterlichen Wohnung in Retz klingelte, schlug die letzte Stunde für eines der größten Cybercrime-Netzwerke im deutschsprachigen Raum. Und für den fassungslosen Zivildiener Dominik B. (19 Jahre) alias »13speedtest37« klickten die Handschellen. Aufgrund des Haftbefehls wurde er sofort in Untersuchungshaft genommen. Genauso erging es zur gleichen Zeit zwei 18-jährigen Steirern und einem weiteren ebenso alten Niederösterreicher, der in einem Münchner Hotel direkt von seinem Laptop weg verhaftet wurde. In einer großangelegten Aktion – gesteuert durch das deutsche BKA in Wiesbaden – hoben zeitgleich in Deutschland und Österreich knapp 250 Kriminalbeamte im Rahmen von 50 Hausdurchsuchungen die »Elite-Crew« aus, eines, wenn nicht das aktivste, deutschsprachigen Cybercrime-Netzwerks der Gegenwart.

Die Mitglieder des Netzwerks sollen laut Bundeskriminalamt mehr als 100.000 Computer gehackt, zu einem Zombie-Netzwerk ausgebaut und auf diese Weise zu Zugangsdaten sowie Konto- und Kreditkartendaten gekommen sein. Über den Umfang konnten die Ermittler derzeit noch keine konkreten Angaben machen, da erst sichergestellte Datenträger ausgewertet werden müssen, was voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird. »Die bisher in Österreich ermittelte Schadenssumme beträgt ungefähr 23.000 Euro«, so der österreichische BK-Chef Franz Lang. Diese Summe habe sich bei ersten Sichtungen des sichergestellten Materials ergeben. »Immense Datenmengen müssen noch durchleuchtet werden«, sagte der BK-Direktor. Die Ermittlungen würden in enger Zusammenarbeit mit dem federführenden deutschen Bundeskriminalamt geführt.

Deutschlands oberster Polizist, BKA-Präsident Jörg Ziercke, wertete das Auffliegen der Bande als ersten bedeutsamen Schlag gegen die Underground Economy. Ziercke wörtlich: »Mit dieser Durchsuchungsaktion gelang dem Bundeskriminalamt sowie den Polizeidienststellen der Länder erstmalig ein bedeutsamer Schlag gegen die deutschsprachige kriminelle Underground Economy. Ich erwarte, dass sich aus den sichergestellten Daten Hinweise auf zahlreiche weitere Straftäter ergeben. Wir beobachten, dass sich diese Art von Cybercrime-Straftaten zu einem lukrativen und vermeintlich sicheren Geschäft für Straftäter entwickeln. So sind der Einsatz von Trojanern und die illegale Nutzung von Kreditkartendaten durch die Internetforen so einfach wie nie zuvor geworden. Diese so genannten Carding-Straftaten sind auf dem besten Weg, zum Ladendiebstahl des 21. Jahrhunderts zu werden.«

Bei den mehr als ein Jahr dauernden Ermittlungen sind die Ermittler tief in die Szene vorgedrungen und hätten zahlreiche der unter Pseudonym hochprofessionell agierenden 15- bis 26-jährigen Straftäter identifiziert.

Mit Konto- oder Kartendaten wurden einerseits offenbar Bestellungen im Internet getätigt, andererseits wurde damit gehandelt, wobei sich die Preise zwischen einem und zehn Euro bewegten.

Die Ermittlungen wurden vor einem knappen Jahr durch einen DDOS-Angriff den Finanznachrichtendienstleister »Goldman Morgenstern und Partners« (www.gomopa.net) ausgelöst, der daraufhin Anzeige erstattete, worauf das BKA in Wiesbaden sich auf die Spur der Angreifer machte und in Berlin, aber auch auf Servern in einem Moskauer Vorort bzw. in Rumänien fündig wurde. Von diesen wurden die über 100.000 Zombie-PC gesteuert.

Dass das BKA so rasch Erfolg hatte verdankt es der Nachlässigkeit des DDOS-Netzbetreibers: Nach einem Hack des eigenen Servers durch ein anderes Mitglied der Cyber-Gang, das versuchte, an die gestohlenen Kreditkarten von »13speedtest37« heranzukommen, vergaß Letzterer wieder seinen Anonymisierungs-Proxy einzurichten, womit seine Klar-IP-Adressen bekannt geworden waren.

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