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18.04.2010 Benjamin Schischka*

Wie Facebook Ihre Daten verkauft

Facebook will persönliche Daten automatisch an Dritte weitergeben - wir beleuchten die Datenschutz-Katastrophe und verraten, was Sie tun können.

Facebook steht immer wieder in der Kritik von Datenschützern. Die aktuelle Unmuts-Welle wurde von einer aktualisieren Datenschutz-Richtlinie seitens Facebook ausgelöst - wir haben das 6000-Wörter-Monstrum genau unter die Lupe genommen und verraten Ihnen kurz und prägnant wo der Stein das Anstoßes liegt.

Bei Facebook sei man "gelegentlich gezwungen, anderen überprüften Webseiten und Anwendungen, die sich auf die Facebook-Plattform stützen, allgemeine Daten über dich zur Verfügung zu stellen, wenn du diese besuchst", steht in der neuen Richtline. Um was für Daten es sich genau handelt, verschweigt der Absatz, an anderer Stelle werden allgemeine Daten aber als "Jedermann"-Daten definiert und beispielhaft Name, Profilbild und Verbindungen aufgezählt. Womöglich sind auch die persönlichen Daten im Profil unter "Allgemeines" gemeint: Geschlecht, Geburtstag, Wohnort, Beziehungsstatus, Politische Einstellung & Religiöse Ansichten.

Facebook verspricht zwar: "Wir geben dir Hilfsmittel an die Hand, damit du einstellen und festlegen kannst, welchen von der Plattform unterstützten Anwendungen und Webseiten welche Informationen zugänglich gemacht werden." Den Kritikern ein Dorn im Auge ist aber, dass der Nutzer jede Anwendung erst manuell zum Schweigen bringen muss, wenn er die automatische und ungefragte Weitergabe von Daten verhindern will. Die Kritiker fordern, dass der Nutzer zuerst gefragt werden muss.

Verbraucherzentralen und deutsche Ministerin kritisieren Facebook In einem offenen Brief an den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kritisiert die deutsche Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner die weitere Lockerung der Datenschutzbestimmungen. Die Ministerin sei selbst Facebook-Nutzerin und bezeichnet soziale Netzwerke als "Bereicherung und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken".

Umso wichtiger sei der Datenschutz, so Aigner. Die Ministerin verweist auf Studien, die Facebook in Sachen Datenschutz ohnehin schon schlecht abschneiden lassen - beim Umgang mit Benutzerdaten und bei Nutzerrechten hagelte es schlechte Noten ("mangelhaft"). Umso erstaunlicher finde sie die weiteren Eingriffe.

Die Bundesverbraucherministerin fordert am Ende ihres offenen Briefes an Mark Zuckerberg einen umfassenden Schutz persönlicher Daten, deutliche Hinweise auf Änderungen der Nutzungsbedingungen und keine automatische Weitergabe von Daten zu kommerziellen Zwecken ohne explizite Zustimmung des Nutzers. Sollte Facebook seine Firmenpolitik nicht ändern - so die Ministerin - sehe sie sich gezwungen, ihre Mitgliedschaft zu beenden.

Der Kritik hat sich auch der ebenfalls deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) angeschlossen. Dieser wirft Facebook sogar vor, "wiederholt und wissentlich datenschutzrechtliche Bestimmungen zu missachten". "Momentan können wir den Nutzern nur raten, den geplanten Änderungen zu widersprechen und sich gemeinsam mit ihren Freunden einen neuen Anbieter zu suchen, wenn ihnen der Schutz ihrer persönlichen Daten wichtig ist", heißt es beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Facebook reagiert auf Kritik aus Deutschland Facebook hat auf den offenen Brief der Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner reagiert. Richard Allan, Facebook Policy Director Europa, hat der Ministerin ein Treffen in Berlin angeboten. Laut ihrem Sprecher, wolle die Ministerin nun die Unternehmensspitze des sozialen Netzwerkes nach Berlin einladen.

Bereits im Vorfeld verteidigt sich Facebook, dass man wie die Ministerin den Schutz persönlicher Daten für grundlegend halte und man in der Branche in Sachen Datenschutzkontrolle sogar führend sei. Es gehe bei den neuen Richtlinien nicht darum, Anwenderdaten für kommerzielle Zwecke weiterzugeben, sondern darum, besser mit Partnern zusammenarbeiten zu können. Das Treffen ist zum Zeitpunkt der Artikel-Recherche noch nicht zustande gekommen.

So äußert sich Facebook zur neuen Datenschutz-Richtlinie In seiner offiziellen Antwort auf das User-Feedback zur neuen Richtlinie schreibt Facebook, dass Nutzer Fragen zur automatischen Datenweitergabe gestellt hätten. Facebook versucht zu beschwichtigen; bei den Partnern handele es sich um eine kleine Gruppe ausgewählter Unternehmen. Beispielhaft zählt man Yahoo, AOL und CNN auf.

Diese Partner seien vertraglich gebunden und verpflichtet, eine einfache Möglichkeit zum Opt-Out (Widerspruch) direkt auf ihrer Webseite zu bieten. Facebook selbst wolle mit neuen Kontroll-Möglichkeiten nachrüsten. Ziel sei es, dem User relevantere, angepasste Seiteninhalte zu ermöglichen. Doch liest man die Kommentare unter dem Beitrag, stößt man schnell auf den vehementen Widerstand der Nutzer - der übrigens im krassen Gegensatz zur harmlosen Formulierung des Facebook-Beitrages steht. Mehr dazu auf der nächsten Seite.

Protest & Datenschutz - das können Sie tun In den Kommentaren zur Facebook-Stellungnahme taucht immer wieder ein Protest-Brief an das Facebook Public Policy Team auf. In ihm fordern die User Facebook auf einen Kompromiss zu finden, der sie nicht zwingt, aus datenschutzrechtlichen Bedenken ihre Mitgliedschaft zu beenden. Der Brief geht auf eine Vorlage der Facebook-Gruppe Facebook Privacy Control - NOW! zurück. Diese zweisprachige Gruppe wurde von den Grünen in Deutschland gegründet, versteht sich aber als überparteiliche Protest-Aktion.

Die Gruppe, die zum Zeitpunkt der Artikel-Recherche über 30.000 Mitglieder hat, fordert, ungefragte Weitergaben von Profildaten an Dritte zu unterbinden und eine gemeinsame Entwicklung von Datenschutz-Standards mit Daten- und Verbraucherschützern weltweit. Im Diskussionsforum der Protest-Gruppe können Sie Aktionsideen mitdiskutieren.

Wer sofort etwas für die Sicherheit seiner Daten tun möchte, nimmt die Facebook-Einstellungen genau unter die Lupe. Standardmäßig verrät Facebook so einiges, was Sie vielleicht gar nicht an die große Glocke hängen wollen. Ein falsches Häkchen und schon landet Ihr Profil etwa bei Google oder Ihr Chef sieht die Fotos von der letzten Party. Am besten Sie sehen sich die Optionen Schritt für Schritt durch.

* Der Autor ist Redakteur der deutschen PC-Welt.

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