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08.09.2010 Tobias Weidemann*

So surfen Sie anonym im Internet

Schützen Sie Ihre Privatsphäre im Internet! Ein gutes Mittel ist, den PC weitestgehend unsichtbar zu machen. Wir erklären die verschiedenen Möglichkeiten.

In kaum einem anderen Lebensbereich ist der Mensch so gläsern wie beim Surfen im Internet: Auf jeder besuchten Seite hinterlässt Ihr PC Spuren, die gesammelt Rückschlüsse auf Ihre beruflichen Interessen, Ihr Kaufverhalten, Ihre Hobbys und Ihr persönliches Umfeld zulassen. Oder der PC wird dadurch selbst zum Ziel von Angriffen aus dem Datennetz. Selbst ohne Zutun der Besitzer funken PCs Informationen ins Internet: Mit Fehlerberichten, Aktualisierungsanfragen, Anforderungen von Treibern und Programmerweiterungen können sie Soft- und Hardware-Herstellern mehr über die Benutzer verraten, als diesen vielleicht lieb ist.

Ob es sich um Unternehmen handelt, die Ihre persönlichen Daten durch ungefragt abgelegte Cookies zu Werbezwecken nutzen, oder um staatliche Stellen, die möglicherweise herausfinden wollen, welche Internetseiten ein Bürger aufruft: Sie als PC-Benutzer haben ein Recht auf Ihre Privatsphäre, und das können Sie auch durchsetzen.

Wir zeigen, wie man im Internet nur unverfängliche Spuren legt, anhand derer man nicht sofort identifiziert und ausspioniert werden kann. Sie erfahren, wie Sie im Idealfall so anonym surfen, dass nicht mal ein Geheimdienst sie ausfindig machen könnte.

IP-ADRESSE UND MEHR: DAS VERRÄT IHR PC Viele Internetnutzer behaupten, es sei ihnen egal, wer etwas über sie herausfinden kann. Aber ist das wirklich so? Machen Sie doch einmal den Test: Gehen Sie auf die Internetseiten www.speed.io oder www.netip.de, und sehen Sie dort nach, was jeder Betreiber einer Internetseite über Sie ermitteln kann. Hier findet sich die IP-Adresse Ihres PCs, also die eindeutig zu lokalisierende Internetadresse Ihres PCs. Sie besteht aus einer bis zu 12-stelligen Nummer, über die ein Seitenbetreiber nachweisen kann, dass genau Sie oder zumindest jemand an Ihrem PC zu einem bestimmten Zeitpunkt auf seiner Seite war. Zusätzlich stehen hier der Servername oder der Internet-Zugangsanbieter und die Angabe, mit welchem Internet-Browser Sie surfen. Außerdem erfährt der Seitenbetreiber durch den so genannten Referrer, von welcher Internetseite Sie gekommen sind.

Entscheidend ist die IP-Adresse: Die erhalten Sie von Ihrem Internetanbieter beim Einwählen ins Internet. So lange er die Einwahldaten speichert, kann er sie über den Telefon-/Internetanschluss jederzeit einer natürlichen Person, nämlich dem Anschlussbesitzer zuordnen. Diese Daten werden nach geltendem deutschen Recht aber nur nach Anordnung eines Gerichts herausgegeben.

Das heißt aber nicht, dass der Betreiber einer Internetseite mit der IP-Adresse nichts anfangen kann. Er erfährt beispielsweise, woher der Nutzer geografisch stammt und auf welchem Weg er auf die Seite gekommen ist. Die IP-Adresse kann auch dazu verwendet werden, Benutzerprofile anzulegen, allerdings nur mit Einschränkungen. Denn das Wiedererkennen gelingt zweifelsfrei nur bei Besuchern mit einer statischen, also festen IP-Adresse. Die meisten privaten Internetzugänge arbeiten jedoch mit dynamischen Adressen: Der Internetnutzer erhält bei jedem Einwählen vom Zugangsanbieter aus einem Pool eine Adresse, die gerade frei ist.

Dreh- und Angelpunkt der Anonymisierung im Internet ist die Verschleierung der IP-Adresse. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die bieten aber nicht nur den Vorteil der „Unsichtbarkeit“, sondern haben auch verschiedene Nachteile.

ÖFFENTLICHE PROXIES: ANONYM – MIT NACHTEILEN Der einfachste Weg, die IP-Adresse zu verschleiern, sind öffentliche Proxy-Dienste, idealerweise im Ausland. Proxy-Server sind Netzwerkcomputer, die Benutzeranfragen annehmen, abarbeiten und das Ergebnis darstellen oder an den Benutzer weiterleiten. Alle Seitenaufrufe und der gesamte Datenstrom werden dann über einen fremden Server im Internet umgeleitet. Die Betreiber der Internetseiten, die Sie aufrufen, sehen dann nicht mehr die Ihrem PC vom Internetanbieter zugewiesene IP-Adresse, sondern nur die des Proxy-Servers.

Für diese Art von virtueller Tarnkappe müssen Sie an Ihrem PC nichts umstellen. Sie gehen einfach auf die Internetseite des Proxy-Dienstes und tippen dort die Adresse der gewünschten Seite ein. Adressen von öffentlichen Proxy-Servern finden Sie auf zahlreichen Internetseiten. Besonders umfangreich sind die Listen bei proxyliste, publicproxyservers und proxy4free. Sie enthalten oft auch Hinweise auf Reaktionszeiten und Geschwindigkeit.

Proxy-Internetdienste bieten in einigen Fällen auch weiter reichende Verschleierungsmöglichkeiten. Über den englischsprachigen Dienst proxify etwa lassen sich Scripts und Cookies unterdrücken, die ansonsten dazu dienen könnten, den PC-Nutzer im Hintergrund auch ohne den Abgleich der IP-Adresse zu erkennen.

V-Tunnel ist ebenfalls englischsprachig. Die Seite überzeugt durch einen vergleichsweise flüssigen Datentransfer und reicht zum reinen Surfen aus. Der Nutzer sieht lediglich eine kleine zusätzliche Werbeeinblendung und links daneben das Feld für die Adresse der Internetseite, die aufgerufen werden soll. Auch hier lassen sich Scripts, Cookies und Referrer unterdrücken.

Das größte Risiko beim Einsatz öffentlicher Proxy-Dienste ist die Integrität und Diskretion der jeweiligen Betreiber. Das sind Privatleute ebenso wie Organisationen und Unternehmen. Da man oft nicht viel über die meist im Ausland sitzenden Anbieter erfährt, sollten Sie hier misstrauisch sein, insbesondere wenn Sie private Daten eingeben. Schlimmstenfalls tappen Sie nämlich gerade in die Falle, die Sie umgehen wollten: Sie fallen Datensammlern in die Hände oder Kriminellen, die Ihren Computer kapern wollen. Deshalb rät PC WELT: Seien Sie grundsätzlich vorsichtig, und nutzen Sie nicht nur einen, sondern immer wieder verschiedene Proxy-Dienste.

In der Praxis ist das nicht immer problemlos möglich, denn öffentliche Proxy-Server kommen und gehen. Die Listen auf den Verzeichnisseiten sind nicht sehr zuverlässig und schnell veraltet. Gerade die dort aufgeführten Server mit den besten Reaktionszeiten erfüllen die Erwartungen oft nicht, weil sie entweder durch den Ansturm der Nutzer überlastet oder nicht mehr verfügbar sind.

Neben nervigen Werbeeinblendungen, durch die sich die meisten öffentlichen Proxy-Server finanzieren, gibt es auch technische Nachteile. Dazu zählt vor allem das oft mangelhafte Tempo: Das Umleiten kostet Zeit. Wie schnell die Daten fließen, hängt oft von der (Tages-)Zeit ab und schwankt in vielen Fällen. Deshalb lohnt es sich, gegebenenfalls auf einen anderen Proxy auszuweichen.

Besonders störend ist die langsamere Geschwindigkeit beim Herunterladen von Dateien, falls es überhaupt möglich ist. Auch die Anzeige von Internetseiten ist oft beschränkt: Navigationsleisten oder -rahmen fehlen, Videos oder Ton werden nicht abgespielt, Bilder unterdrückt.

Unterm Strich sind öffentliche Proxy-Server eine Notlösung. Für die dauerhafte Anonymisierung haben sie zu viele Nachteile.

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