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14.09.2010 pte

Privatsphäre: Einstellungen absichtlich verwirrend

Privatsphäreeinstellungen sind – vermutlich absichtlich – verwirrend und jedenfalls unnatürlich, sagt Bruce Schneier, Chief Security Technology Officer der British Telecom. Die User seien keine Kunden, sondern Produkte.

Privatsphäre und Datenschutz gehörten zu den meistdiskutiertesten Begriffen im Webzeitalter. Ein großes Thema ist es auch auf der 3rd Summer School on Network and Information Security, die derzeit in Kreta stattfindet. Bruce Schneier, Chief Security Technology Officer der British Telecom (BT), ortet die Probleme mit dem Schutz der Privatsphäre im Web im schnellen Übergang von einem sozialen zu einem sozio-technologischen Umfeld. "Denn Google, Facebook und Co machen das Leben einfach öffentlicher", so der Experte in seiner Keynote.

"Menschen sind es gewohnt, Freunden in einem sozialen Kontext Dinge anzuvertrauen", erklärt Schneier. Die Entscheidung, was privat bleibt, wird dort spontan getroffen. Doch gerade für junge Menschen haben Online-Plattformen wie Facebook mittlerweile große Bedeutung gewonnen. Dort müssen User letztendlich vorab entscheiden, wie öffentlich Informationen sind. "Privatsphäreeinstellungen sind – vermutlich absichtlich – verwirrend und jedenfalls unnatürlich", bringt Schneier das Problem auf den Punkt.

DATEN-GESCHÄFT Waren private Daten historisch gesehen schwer zu sammeln, hat sich das mit dem modernen Web massiv geändert. Online-Datenspuren beim Surfen oder in sozialen Netzen sind unvermeidlich. Verschärft wird das Problem durch geschäftliche Interessen. "Man ist nicht Googles Kunde oder Facebooks Kunde, man ist das Produkt", betont der BT-Sicherheitsexperte. Immerhin geht es den Unternehmen darum, Daten an Werbetreibende zu verkaufen.

Gerade für Jugendliche besteht in der Regel ein hoher Gruppendruck, derartigen Plattformen beizutreten, um mit ihren Freunde online zu kommunizieren. Damit wird es normaler, dass ein immer größerer Teil des Lebens zumindest teilweise öffentlich ist. Wie öffentlich das tatsächlich stattfindet, ist den Menschen oft nicht bewusst.

"User sind schlecht im Umgang mit expliziten Privateinstellungen, da diese unnatürlich sind", so Schneier. Zudem wären die Privatsphäreeinstellungen beispielsweise auf Facebook sehr unspezifisch – Informationen sind für den ganzen Freundeskreis oder für niemanden sichtbar. Über Postings von Freunden wie etwa peinliche Fotos hätten User wiederum überhaupt keine Kontrolle.

REGULIERUNG NÖTIG "Dass das Leben im Web öffentlicher wird, ist normal", so der Experte. Dennoch ist die Frage, ob die Gesellschaft diese Tatsache einfach zulassen soll. "Falls wir den Tod der Privatsphäre erleben, dann, weil Internet-CEOs sie umbringen", meint Schneier. Denn Unternehmen werden in Sachen Datenverwertung machen, was technisch möglich und legal ist.

"Die Menschen selbst haben eigentlich sehr wenig Kontrolle über ihre Privatsphäre", betont Schneier. Im Endeffekt bleibt ihnen nur, was der Markt zulässt. Für Unternehmen kommen aber ihre Interessen stets zuerst. "Im Prinzip sind Daten das Verschmutzungsproblem des Internets", meint der Sicherheitsexperte. Eine Selbstregulierung des Online-Datenmarktes hält er für illusorisch. "Die Rechtssysteme müssen sich einschalten und etwas unternehmen." (pte)

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