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13.01.2011 Rudolf Felser

Private Web-Zensur mit Hindernissen

Netnanny-Tools sind nicht das Allheilmittel. Vielmehr ist Medienkompetenz gefragt.

Die Europäische Kommission hat eine Studie über Programme zur Kontrolle des Surverhaltens von Kindern und Jugendlichen präsentiert, wonach gute 84 Prozent der getesteten Tools es den Eltern tatsächlich auch ermöglichen, bestimmte Websites zu blockieren. Parallel dazu ergab eine vom EU-Programm "Sicheres Internet" (Safer Internet) finanzierte Erhebung, dass nur ein Viertel der Eltern in der EU Software zur elterlichen Kontrolle verwendet, um die Online-Aktivitäten ihrer Kinder zu beaufsichtigen, zu verfolgen oder zu filtern.

KEINE PERFEKTEN FILTER In der heute veröffentlichten Studie werden 26 Programme zur elterlichen Kontrolle für PCs, drei Programme für Spielkonsolen und zwei Programme für Mobiltelefone analysiert. Dabei kam heraus, dass die vorhandene Software beim Filtern von nur für Erwachsene bestimmten Inhalten zwar recht gut abschneidet, aber dennoch eine mindestens 20-prozentige Chance besteht, dass Websites, die für Kinder ungeeignetes Material enthalten oder gerade junge Leute zu für sie schädlichen Verhaltensweisen verleiten (Angebote, die Anorexie, Selbstmord oder Selbstverstümmelung fördern) zugänglich bleiben. Gleichzeitig werden andere Sites mit besonders kindgerechten Inhalten blockiert. Nur wenige Programme sind in der Lage, Web-2.0-Inhalte (soziale Netze, Foren, Blogs) zu filtern, Sofortnachrichten- und Chat-Protokolle zu blockieren oder Kontaktlisten zu filtern.

Bei den Kontrollprogrammen für Smartphones und Spielkonsolen sind nicht alle angebotenen Produkte in der Lage, Webinhalte zu filtern, obwohl 31 Prozent der Kinder in Europa mit ihrem Mobiltelefon und 26 Prozent mit Spielkonsolen ins Internet gehen. Die meisten Programme zur elterlichen Kontrolle gibt es in Englisch, wogegen die Auswahl an Software in anderen Sprachen eng begrenzt ist.

WENIG ELTERLICHE KONTROLLE Die "EUKidsOnline"-Studie verdeutlicht ferner, dass nur etwa ein Viertel der Eltern Webangebote blockiert oder filtert (28 Prozent) oder aber verfolgt, welche Websites ihre Kinder besuchen (24 Prozent). Es bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten, die von 54 Prozent im Vereinigten Königreich bis zu neun Prozent in Rumänien reichen.

Neben dem Einsatz von Software erklärten 70 Prozent der befragten Eltern, dass sie mit ihren Kindern über deren Aktivitäten im Internet sprechen. 58 Prozent der Eltern gaben an, dass sie sich in der Nähe befinden, wenn ihre Kinder das Internet nutzen. Über die Hälfte der Eltern wird von sich aus aktiv und berät ihre Kinder bezüglich des Online-Verhaltens gegenüber anderen (56 Prozent) oder spricht Dinge an, die ihre Kinder beunruhigen könnten (52 Prozent).

Im Rahmen des EU-Programms "Sicheres Internet" will die Kommission auch weiterhin bis Ende 2012 alle sechs Monate eine Überprüfung der Software zur elterlichen Kontrolle finanzieren und die erreichten Fortschritte beobachten. Eine Datenbank, in der Eltern nach den für sie am besten geeigneten Programmen suchen können, ist zugänglich unter www.yprt.eu/sip.

SCHUTZSOFTWARE MIT RISIKO Wie die US-Organisation School Safety Partners warnt, geht allerdings oft gerade von der Schutzsoftware ein Risiko aus – ein Privacy-Risiko nämlich. Denn Anbieter sichern sich in den Nutzungsbedingungen teils umfassende Verwertungsrechte an überwachten Inhalten sicher oder das Recht, Daten ungefragt an Dritte weiterzugeben.

Zwar sind solche Dienst bisher vor allem in den USA verbreitet. "Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass es sich nur um ein US-Problem handelt", warnt Axel Schmiegelow, Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im deutschen Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). "Für diese verschiedenen rein privaten Anbieter sind noch keine Kontrollinstitutionen vorhanden. Man sollte als Elternteil deswegen ein wenig vorsichtig sein, wie bei jeder anderen Software auch."

In den USA lockt beispielsweise SocialShield damit, dass seine Monitoring-Lösung für Kinder auf Facebook so nötig sei wie Antivirensoftware auf dem PC. Den Haken muss man nicht lange suchen. Damit SocialShield wirklich einschreitet, muss die Familie vorgeschlagene Änderungen an Privatsphäre- und anderen Einstellungen akzeptieren.

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