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31.03.2009 Rudolf Felser

EU rüstet sich gegen Cyber-Angriffe

Ziel einer von der EU-Kommission vorgeschlagenen Strategie ist es, für den Fall größerer Ausfälle die Handlungsfähigkeit Europas sicherzustellen.

Elektronische Kommunikationsdienste und -netze sind das Rückgrat der europäischen Wirtschaft, aber auch der Verwaltung und anderer Bereiche. 2007 nutzten Zahlen der Europäischen Kommission zufolge 93 Prozent der EU-Unternehmen und 51 Prozent der EU-Bürger das Internet aktiv. Naturkatastrophen, Terrorismus, kriminelle Handlungen und Hardwareversagen können die kritischen Informationsinfrastrukturen (nicht nur) in Europa allerdings ernsthaft gefährden. Cyber-Großangriffe der jüngsten Zeit gegen Estland, Litauen und Georgien haben gezeigt, dass wichtige elektronische Kommunikationsdienste und -netze ständig bedroht sind. Ziel einer von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen neuen Strategie ist es deshalb, für den Fall größerer Ausfälle oder Angriffe die Handlungsfähigkeit Europas sicherzustellen.

"Die Informationsgesellschaft birgt unzählige neue Chancen. Daher ist es unsere Pflicht, für solide und tragfähige Entwicklungsgrundlagen zu sorgen. Europa muss an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, unsere Bürger, Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen in die Bemühungen zur Erhöhung der Sicherheit und Robustheit der kritischen Informationsinfrastrukturen in Europa einzubinden. Bei der Cyber-Sicherheit Europas dürfen wir keine Schwachstellen zulassen", erklärte die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding.

AUSFÄLLE SIND TEUER Nach den Cyber-Großangriffen 2007 musste das estnische Parlament für zwölf Stunden sein E-Mail-System abschalten, und zwei estnische Großbanken mussten ihre Online-Dienste einstellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in den kommenden zehn Jahren ein größerer Ausfall der Telekommunikationsnetze ereignen wird, liege bei zehn bis 20 Prozent und dürfte die Weltwirtschaft etwa 193 Mrd. Euro kosten, rechnet die Kommission vor. Auslöser hierfür könnten Naturkatastrophen sein, aber auch Hardware-Ausfälle, die Unterbrechung von Unterseekabeln (allein 2007 wurden im Atlantik 50 Vorfälle registriert) und kriminelle Handlungen, wie Terrorismus oder Cyber-Angriffe, die immer ausgefeilter werden.

Reibungslos funktionierende Kommunikationsinfrastrukturen sind für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft lebenswichtig. 2007 wurden elf Prozent des Gesamtumsatzes der EU-Unternehmen über elektronische Netze abgewickelt. 77 Prozent der Unternehmen nutzten Bankdienstleistungen über das Internet und 65 Prozent der Unternehmen nahmen die Online-Dienste von Behörden in Anspruch. 2008 entsprach die Zahl der Mobilfunkanschlüsse 119 Prozent der EU-Bevölkerung. Kommunikationsinfrastrukturen bilden auch die Grundlage wichtiger Bereiche, wie der Energie- und Wasser-Versorgung, der Verkehrsnetze, des Finanzsektors und anderer unverzichtbarer Dienste.

Die Kommission ruft daher dazu auf, Maßnahmen zum Schutz dieser kritischen Informationsinfrastrukturen zu ergreifen, damit die EU besser auf Cyber-Angriffe und Ausfälle vorbereitet ist und darauf reagieren kann. Bislang bestünden große Unterschiede zwischen den Konzepten und Handlungsmöglichkeiten der Mitgliedstaaten, so die EU-Kommission. Ein geringes Maß an Abwehrbereitschaft in einem Land könne die Anfälligkeit eines anderen Landes erhöhen, während mangelnde Koordinierung die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen verringere. Die Europäische Kommission fordert alle – insbesondere die Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und die Bürger – auf, sich mit folgenden Fragen zu befassen:

  • Prävention und Abwehrbereitschaft:Förderung von Zusammenarbeit, Informationsaustausch und Weitergabe bewährter Verfahrensweisen zwischen den Mitgliedstaaten über ein europäisches Forum; Aufbau einer europäischen öffentlich-privaten Partnerschaft zur Förderung der Stabilität, die Unternehmen darin unterstützt, Erfahrungen und Informationen mit öffentlichen Stellen auszutauschen; öffentliche und private Akteure sollten gemeinsam sicherstellen, dass in allen Mitgliedstaaten angemessene und schlüssige Vorbeugungs-, Erkennungs-, Notfall- und Wiederherstellungsmaßnahmen ergriffen werden.
  • Erkennung und Reaktion: Unterstützung der Entwicklung eines europäischen Systems für den Informationsaustausch und die Alarmierung.
  • Folgenminderung und Wiederherstellung: Anreize für eine engere Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten mit Hilfe nationaler und multinationaler Notfallpläne und regelmäßiger Übungen, bei denen die Reaktionsfähigkeit auf Netzsicherheitsverletzungen großen Ausmaßes sowie das Katastrophenmanagement erprobt werden.
  • Internationale Zusammenarbeit: Einleitung einer europaweiten Debatte zur Festlegung der EU-Prioritäten für die langfristige Robustheit und Stabilität des Internet im Hinblick darauf, international zu fördernde Grundsätze und Leitlinien vorzuschlagen.
  • Aufstellung von Kriterien für europäische kritische IKT-Infrastrukturen: Derzeit weichen Kriterien und Konzepte zwischen den Mitgliedstaaten erheblich voneinander ab.

Die Europäische Kommission hat die Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) aufgefordert, diese Initiative zu unterstützen und den Dialog zwischen allen Akteuren sowie die europaweit notwendige Kooperation zu fördern.

Schon 2005 hat die Kommission auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, die Bemühungen um ein stärkeres Vertrauen der betroffenen privaten und öffentlichen Stellen in die elektronische Kommunikation und die dazugehörigen Dienste zu koordinieren, und verabschiedete 2006 eine Strategie für eine sichere Informationsgesellschaft. Mit der aktuellen Initiative soll die europäische Politik zur Verbesserung der Sicherheit und des Vertrauens in der Informationsgesellschaft weiterentwickelt werden. (rnf/pi)

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