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09.10.2011 Andreas Kohne*

Desktop-Virtualisierung: Acht Tipps für virtuelle Clients

Wer bei der Desktop-Virtualisierung nur an Windows-PCs denkt, hat verloren. Für erfolgreiche Projekte sind acht Herausforderungen zu meistern.

Wer in seiner Organisation die Desktop-Virtualisierung einführen möchte, steht vor weitreichenden technischen und organisatorischen Neuerungen. Die Praxis zeigt, dass ein solches Virtualisierungsprojekt nur bei einer guten Vorbereitung und einer präzisen Planung die erhofften Vorteile bringt. Der folgende Beitrag beschreibt die acht größten Herausforderungen.

Standard-Muss für Technik und Prozesse Nicht immer ist für die Verantwortlichen ersichtlich, warum ein Virtualisierungsprojekt so viele Eingriffe in die bestehende IT-Infrastruktur und in die IT-Prozesse erfordert. Der Grund hierfür ist schnell ausgemacht: Es ist die für die Desktop-Virtualisierung notwendige Standardisierung von Technologien und Prozessen. Je nach Ist-Zustand der bestehenden Infrastruktur sowie der Prozesse fällt der Gesamtaufwand des Projekts aus.

Virtualisierung von Windows-PCs wirkt keine Wunder Der häufigste Irrglaube besteht darin, dass durch die einfache Virtualisierung von bestehenden Windows-PCs bereits ein deutlicher Mehrwert erzielt wird. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen an den einzelnen Arbeitsplätzen, als dass sich hier mit einer universellen Virtualisierungsebene Einspareffekte erzielen ließen.

IT-Nutzungsverhalten im Vorfeld analysieren Zu Beginn steht daher die umfassende Analyse, wie die eigene IT-Landschaft genutzt wird. Zu untersuchen sind beispielsweise Anwendergruppen und ihre Anforderungen, die zu virtualisierenden Applikationen, die bestehenden Betriebssysteme und Endgeräte sowie die benötigten Bandbreiten, Netz- und Speicherkapazitäten. Daraus abgeleitet ergeben sich die Sicherheitsanforderungen, die benötigten Übertragungsprotokolle und Zugriffsmöglichkeiten sowie die Auswahl der einzusetzenden Techniken und Produkte wie Hypervisor. So ausgerüstet lassen sich Abläufe, Prozesse und Geräte sinnvoll standardisieren, virtualisieren und automatisieren.

Auch das organisatorische Umfeld ist zu betrachten, da gerade in großen Unternehmen verschiedene Ansprechpartner für unterschiedliche Komponenten verantwortlich sind. Für die Desktop-Virtualisierung sind Prozesse jedoch abteilungsübergreifend zu harmonisieren.

HERAUSFORDERUNG 1: SANFTE MIGRATION ODER HARTER WECHSEL? Die Gründe zur Virtualisierung von Desktops sind vielfältig. Häufig ist gleichzeitig die Migration auf ein neues Betriebssystem geplant oder es sollen veraltete Hardwarekomponenten ausgetauscht werden. Ein weiterer Treiber ist der Wunsch nach einer Harmonisierung der Applikationslandschaft, beispielsweise um Lizenzkosten zu sparen.

Erfahrungen im Parallelbetrieb sammeln Eine geplante Windows-7-Migration kann die Virtualisierung beschleunigen. Hier hat sich ein Parallelbetrieb bewährt: der neue virtuelle Desktop mit Windows 7 steht schon bereit, dennoch kann der Anwender in einer Übergangsphase noch auf den alten PC mit bisherigem Betriebssystem zurückgreifen. Applikationen sind in diesem Szenario lokal oder teilweise auf einem Terminal-Server gehostet verfügbar. Zusätzlich erhalten die Anwender einen virtuellen Desktop, den sie auf ihrem vorhandenen PCs einsetzen können. Mit einem solchen Parallelbetrieb kann ein Benutzerkreis bereits Erfahrungen sammeln und testen, ob die bestehenden Anwendungen mit den gewählten Konfigurationen wie gewünscht in der virtualisierten Umgebung arbeiten.

Virtuellen Desktop genau spezifizieren Aufwendiger wird der komplette Umstieg auf virtuelle Desktops. Hier sollte der Status der gesamten Infrastruktur bereits sehr detailliert bekannt sein, wie zum Beispiel die benutzten Anwendungen und in welchen Versionen und Abteilungen diese im Einsatz sind.

Bei Projektstart wird der virtuelle Desktop genau spezifiziert: von der Betriebssystem-Konfiguration über Einstellungen und Benutzerdaten bis zu den eingesetzten Softwareapplikationen sowie dem Benutzerstamm. Die Techniken zur Bereitstellung können je nach Anforderung kombiniert werden und umfassen die lokale Installation auf dem PC, die Applikationsbereitstellung über Terminal-Server, Terminal-gehostete Applikationen und virtuelle Desktops. Entscheidend für den Erfolg ist es, die gesamte Client-Infrastruktur zu standardisieren und ein Konzept zu finden, das die verschiedenen Bereitstellungsformen integriert. Letztlich bezeichnet die Desktop-Virtualisierung nur eine weitere Möglichkeit, dem Anwender eine Arbeitsplatzumgebung bereitzustellen. Die gewohnten Herausforderungen in der Client-Administration bleiben erhalten.

HERAUSFORDERUNG 2: CLIENT-VERWALTUNG NICHT DIREKT ÜBERTRAGEN Die Client-Verwaltung umfasst auch weiterhin Aufgaben wie beispielsweise Benutzer- und Rechteverwaltung, Softwareverteilung, Patch-Management und Client-Security, wird jedoch um eine zusätzliche Administrationsschicht erweitert. Um daher tatsächlich einen Mehrwert zu erzielen, ist das Grundkonzept der IT-Bereitstellung zu ändern: eine direkte Nachbildung der Client-Infrastruktur ist nicht zielführend.

Self-Service-Portal für Softwarekomponenten Betreibt ein Unternehmen beispielsweise verschiedene IT-Abteilungen mit jeweils individuellen Verzeichnisdiensten und E-Mail-Servern, sind zunächst die Infrastrukturdienste zu zentralisieren. Durch eine Analyse wird anschließend festgestellt, welche Applikationen in welchen Fachabteilungen tatsächlich im Einsatz sind, um so einen Standard für die Bereitstellung von Software abzuleiten. In einer späteren Phase lassen sich die Softwarekomponenten effizient über ein Self-Service-Portal bereitstellen. Hier können sich Anwender zusätzlich zu den Standardanwendungen weitere Werkzeuge herunterladen, deren Konfigurationen die IT überwacht. All diese Überlegungen werden weit vor der Entscheidung für eine Virtualisierungstechnik getroffen.

HERAUSFORDERUNG 3: BENUTZERGRUPPEN UND ANWENDUNGEN FESTLEGEN Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen der Desktop- und der Server-Virtualisierung liegt in der Betrachtung von Benutzergruppen. Während sich der Ressourcenverbrauch von Servern durch Monitoring-Werkzeuge gut einschätzen lässt, ist dies beim Endanwender deutlich komplexer zu messen. Es ist jedoch möglich, Benutzer mit vergleichbarem Verhalten zu identifizieren. Diese erhalten dann die für sie jeweils passenden standardisierten Arbeitsumgebungen.

Kompatibilität von Softwareanwendungen prüfen Im nächsten Schritt werden die Anwendungen definiert und in standardisierten Versionen bereitgestellt. Hier ergeben sich eine Reihe von weiteren Detailfragen: Sollen Applikationen wie bisher nutzbar sein oder ist der Zugriff beispielsweise über einen Termin-Server möglich? Lassen sich durch einen Concurrent-User-Zugriff die Lizenzkosten senken? Im klassischen Fall werden Anwendungen in Softwarepaketen auf die virtuellen Maschinen oder auf die Benutzer-PCs verteilt. Eventuell müssen auch selbst programmierte Applikationen paketiert und in die virtuelle Welt übertragen werden. In jedem Fall ist bei der Desktop-Virtualisierung die Kompatibilität von Softwareanwendungen vorher gründlich zu prüfen.

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