Hyper-V, ESXi und XenServer: Kostenlose Virtualisierungslösungen im Vergleich Detail - Computerwelt

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26.04.2011 Andrej Radonic*

Hyper-V, ESXi und XenServer: Kostenlose Virtualisierungslösungen im Vergleich

Microsoft Hyper-V, VMware ESXi und Citrix XenServer sind kostenlose Lösungen zur Server-Virtualisierung. Wir haben die Gratis-Virtualisierungslösungen getestet und erläutern die Vorteile und Nachteile der einzelnen Produkte.

Schon seit einigen Jahren geben die großen Hersteller von Lösungen für die Server-Virtualisierung ihre Einsteigerprodukte kostenlos ab. Die Hypervisor von Microsoft, Citrix und VMware werden durch stetige Entwicklung nicht nur besser, sondern rücken auch in puncto Leistung immer enger zusammen. Oberflächlich betrachtet wird der Einstieg in die Server-Virtualisierung damit immer einfacher - kaum Kosten, wenig Risiko, viel Leistung. Anwender sollten jedoch die Einschränkungen kennen und die Folgekosten einkalkulieren.

Vor allem VMware und Microsoft positionieren ihre Produkte explizit als Lösungen für Standalone-Server mit den Anwendungsschwerpunkten

1. Testen von Server-Virtualisierung 2. Aufbau von Entwicklungs- und Testumgebungen 3. Betrieb weniger kritischer Workloads

Dies erklärt sich aus dem Charakter der drei Probanden: der technische Kern - der Hypervisor - ist den "großen Brüdern" entnommen. Was in allen Fällen fehlt, sind übergreifende Managementfunktionen, die einen effizienten, hochverfügbaren Betrieb in größeren Umgebungen gewährleisten: automatischer Failover, High Availability, Backup, Ressourcenverteilung und dergleichen mehr sind die Features, mit denen die Anbieter ihr Geld verdienen und die man in den Gratis-Virtualisierern daher teilweise vergeblich sucht. Diese lassen sich durchaus nachrüsten, jedoch zu sehr unterschiedlichen Tarifen.

Allen vorgestellten Produkten gemeinsam ist, dass es sich um Bare-Metal-Systeme handelt (Hypervisor des Typs 1): Das heißt, die Virtualisierungsschicht läuft direkt oberhalb der Hardware und nicht "auf" einem Betriebssystem. Darüber hinaus verfolgen alle Hersteller unterschiedliche Ansätze: Während Microsoft Hyper-V und Citrix XenServer als Produkt untrennbar mit den jeweiligen Management-Betriebssystemen - Windows 2008 respektive Linux - verbunden sind, kommt VMware ESXi als minimale Appliance daher.

MICROSOFT HYPER-V SERVER 2008 R2 Der Hyper-V Server ist identisch mit der Hyper-V Rolle im Windows 2008 Server R2, wird jedoch standalone in Verbindung mit Windows Server Core betrieben. Wie inzwischen üblich lässt sich Hyper-V nur auf 64Bit-Hardware mit Virtualisierungs-Unterstützung (AMD-V, Intel VT) installieren, ist dafür bei der unterstützten Hardware aber nicht wählerisch.

Das Paket aus Hypervisor und dem abgespeckten Windows-Betriebssystem wird lokal über das textbasierte sconfig-Tool konfiguriert und fühlt sich dadurch nicht wie ein Windows-System an. Der Hyper-V-Manager, ein Snapin für die Microsoft Management Console (MMC), kann auf Windows-Clients zur Administration verwendet werden; außerdem steht für solche Zwecke die Powershell remote sowie mit hvremote ein mächtiges Command Line Interface (CLI) für vereinfachte Remote-Administration des Hypervisors zur Verfügung. Diese ist vor allem dann hilfreich, wenn der Hyper-V Server nicht in derselben Domain wie die Admin-Workstation steht, was grundsätzlich das Management erschwert.

Als weitere Rollen neben dem Hypervisor sind lediglich Multipath IO, Bitlocker, SNMP sowie Windows Backup möglich. Ein Update auf Windows 2008 R2 kann nicht durchgeführt werden.

Seit Release 2 beherrscht Hyper-V nun auch Live Migration. In Verbindung mit den dafür notwendigen Cluster Shared Volumes sowie dem Failover Clustering lässt sich mit dem Hyper-V Server ein Cluster und somit eine sehr ausfallsichere virtualisierte Server-Umgebung aufsetzen - völlig kostenfrei, jedoch nicht unbedingt komfortabel. Wer mehr Komfort benötigt und alles "aus einer Hand" managen will, muss in den System Center Virtual Machine Manager (SCVMM) investieren.

Microsoft-typisch ist der Redmonder Hypervisor hauptsächlich für das Virtualisieren von Windows-Systemen - von NT bis Windows 7 - geeignet. Neben Novell SUSE wird nun auch Red Hat Enterprise unterstützt - hierzu sind spezielle Treiber, die Integration Components, nötig.

Microsoft Hyper-V - Pro und Contra Pro: • Einfache Installation • Gute Integration in Windows-Umgebungen • Sehr breite HW-Unterstützung • Ordentlicher Funktionsumfang • Failover / Cluster kostenfrei realisierbar • Problemloser VM-Betrieb von Windows in allen gängigen Versionen

Contra: • Heterogene Management-Werkzeuge • Management außerhalb einer Domain kompliziert • Kein Memory-Overcommit • Wenige Betriebssysteme außerhalb von Windows als VM unterstützt • Keine P2V-Tools mitgeliefert

CITRIX XENSERVER 5.6 FREE Citrix XenServer beschreitet mit der Free-Edition die Pfade des Urvaters Xen: Die Software liegt inklusive der von Citrix angereicherten Management-Funktionen vollständig als Open-Source-Produkt vor und wird kostenfrei abgegeben, wobei eine Registrierung Pflicht ist, um eine für jeweils 12 Monate gültige Freischaltungslizenz zu erhalten.

Enterprise-Funktionen sind trotz des Gratis-Charakters reichlich vorhanden: Neben der Unterstützung für alle gängigen Storage-Varianten (iSCSI, FC, NFS) sowie auch für das Microsoft-VHD-Format inklusive Thin-Provisioning ist auch Live Migration mit an Bord. Auf Basis eines zentralen Speichers kann der Administrator auf einfachste Weise zwei oder mehr XenServer zu einem Pool zusammenschalten und laufende virtuelle Maschinen zwischen den Rechnern verschieben. High Availiability sowie Loadbalancing und andere interessante Zusatzfunktionen sind jedoch nur gegen Aufpreis verfügbar, wobei Citrix drei kostenpflichtige Editionen (Standard, Enterprise, Platinum) mit einem Lizenzpreis ab 775,- EURO je Rechner vorsieht. Dies gilt leider auch für die Dynamische Speicherverwaltung (DMC), welche mit Version 5.6 verfügbar geworden ist. Diese schichtet zur Laufzeit den physischen Arbeitsspeicher zwischen den Virtuellen Maschinen nach Bedarf um, was die VM-Dichte je XenServer-Rechner erhöhen hilft.

Xen-typisch verfügt das Virtualisierungssystem über einen breiten Support für verschiedenste Betriebssysteme: neben allen wichtigen Windows-Varianten sind auch die gängigen Linux-Systeme vertreten. Debian und CentOS lassen sich dabei sehr komfortabel direkt aus mitgelieferten Templates mit wenigen Klicks aufsetzen. Sollen vorhandene Systeme virtualisiert werden, helfen das mitgelieferte P2V-System (Linux) sowie XenConvert (Windows). Hilfreich zur Seite steht Administratoren auch der Free-Variante der neue (wiewohl noch experimentelle) OVF-Assistent: dieser unterstützt beim Import wie Export von VMs nach dem OVF-Standard und ermöglicht so einen deutlich reibungsloseren Austausch virtueller Maschinen zwischen unterschiedlichen Hypervisor.

Ein echtes Argument für XenServer liefert Citrix den Anwendern von XenApp: Spezielle Optimierungen im Hypervisor sorgen für eine spürbare Beschleunigung, so dass XenApp virtualisiert performanter betrieben werden kann als auf anderen Virtualisierungsschichten.

Citrix XenServer 5.6 Free - Pro und Contra Pro • Großer Funktionsumfang • Breite Hardwarebasis • Einfache Installation und Verwaltung • Enterprise-Funktionen wie HA / Failover lassen sich (kostenpflichtig) nachrüsten

Contra • Keine integrierte Backup-Lösung • Kein Memory Overcommit • Keine Management-GUI für das Management

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