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10.03.2011 Ariane Rüdiger*

Wie Anwender Storage-Probleme lösen

Um die Datenflut in den Griff zu bekommen, setzen IT-Verantwortliche auf neue Konzepte wie Tiering, Virtualisierung oder IP-Storage.

Die Herausforderungen für Storage-Verantwortliche in Unternehmen sind im Jahr eins nach der Krise nicht kleiner geworden. Multimediale Inhalte, steigende E-Mail-Mengen mit immer größeren Anhängen und rigorose Aufbewahrungsbestimmungen sorgen dafür, dass die Datenberge weiter wachsen. Für das IT-Management geht es dabei längst nicht nur um Compliance-Zwänge oder Kosten, sondern vor allem auch um einen wirksamen Schutz vor dem Verlust geschäftskritischer Informationen. Was also tun?

WEG MIT DER E-MAIL! Nur wenige Unternehmen gehen beim Eindämmen der Datenflut so radikal vor wie Atos Origin. Der IT-Dienstleister kündigte jüngst an, man wolle sich zumindest hinsichtlich der internen Korrespondenz spätestens in drei Jahren komplett vom E-Mail-Verkehr verabschieden. Bis dahin sollen die Mitarbeiter fit gemacht werden im Umgang mit Social-Media-Tools, mit denen sich Dokumente viel einfacher teilen und Kontakte ohne Mailversand pflegen lassen. Auch neue Ideen sollen künftig vorrangig auf den sozialen Plattformen diskutiert werden. Der Speicherbedarf steht hier zunächst nicht im Mittelpunkt der Überlegungen. Dennoch dürfte er in den Hinterköpfen der Entscheider eine Rolle gespielt haben: Atos Origin rechnet damit, dass der Mail-Berg durch den Social-Media-Einsatz um zehn bis zwanzig Prozent schrumpft.

Die meisten Firmen suchen derzeit noch nach konventionelleren Lösungen für ihre Speicherprobleme. Die Ergänzung der bestehenden Storage-Infrastruktur um „noch ein Array“, das dann genau so schnell volläuft wie das alte, ist dabei eher aus der Mode. Vielmehr erproben Anwender neue Konzepte, die mehr leisten als nur Daten zu speichern. Oft stehen dabei Themen wie Hochverfügbarkeit bei gleichzeitigem Flexibilitätsgewinn und eine Senkung des Datenvolumens im Vordergrund. Solche Projekte finden sich längst nicht mehr nur in Großunternehmen, sondern auch im Mittelstand.

BEISPIEL 1: TIERED STORAGE BEI HADRA Ein Beispiel liefert die Hanseatische Drahthandel GmbH, kurz Hadra. Das Hamburger Unternehmen, ein Großhändler für Drahtwaren mit 70 Mitarbeitern, war lange mit direkt an die Server angebundenen Speichersystemen ausgekommen. An fünf Servern hingen insgesamt 1,2 TB Speicherkapazität; jedes Jahr wuchs die Datenmenge um rund 20 Prozent. Die größten Datenquellen waren das ERP-Programm, E-Mail-Systeme und Bilddateien. Holger Littwitz, Vertriebsleiter beim Dienstleister Netzplan GmbH, der das Unternehmen seit etlichen Jahren betreut, erinnert sich: „Die wichtigsten Themen für Hadra waren Ausfallsicherheit, Hochverfügbarkeit und leichte Erweiterbarkeit.“ Die Verantwortlichen entschieden sich, hochskalierbare Storage-Systeme des Anbieters Nexsan einzusetzen, mit denen sich auch eine geschichtete (Tiered) Storage-Architektur realisieren lässt. In der Folge baute das IT-Team Hochverfügbarkeits-Cluster auf, die aus jeweils zwei Nexsan „SASBoys“ und Nexsan „iSeries 200i“ bestehen, wobei die Geräte auf unterschiedliche Brandabschnitte verteilt werden können. Jedes Gerät bietet eine Kapazität von 2,7 TB. Redundant vernetzt wurden die Komponenten über HP-Procurve-Switches und gebündelte Ethernet-Leitungen.

Unterm Strich ließen sich mit der Installation mehrere Server einsparen. Die noch vorhandenen Server sind jetzt flexibler einsetzbar, zum Beispiel lassen sich rasch Testsysteme aufbauen. Die Speicherlandschaft besteht heute aus zwei Schichten: Die wichtigen Daten liegen auf SAS-Festplatten, von wo aus sie mittels eines Backup-Servers auf ein externes LTO-Band ausgelagert werden. Als besonderes Zuckerl bietet Nexsan seinen Kunden die Integration der AutoMAID-Technologie (Automatic Massive Array of Idle Disks): Dabei arbeiten immer nur diejenigen Festplatten, die wirklich benötigt werden. Die Übrigen rotieren regelgesteuert langsamer oder stehen still.

BEISPIEL 2: LOAD BALANCING BEI RHEINZINK Bei der Rheinzink GmbH & Co. KG aus Datteln, ein Unternehmen der Grillo-Gruppe, war die permanente Überlastung der Speichersysteme der Grund, andere Lösungen zu suchen. „Die Auslastung der I/O-Schnittstellen lag permanent über 65 Prozent. Die Antwortzeiten waren untragbar“, berichtet Ingo Berg, Geschäftsführer des ASB Informationstechnik GmbH, die als IT-Systemhaus unter anderem die Rheinzink betreut. Bei dem Spezialisten für Bauzink mit rund 800 Mitarbeitern war 2007 das erste Storage-System mit 5 TB installiert worden. Darauf greifen 550 Mitarbeiter zu, es ist die Basis für das weltweite CRM-System in 28 Landesgesellschaften.

Ein Storage Area Network (SAN) nutzt dabei 2-GBit/s-FC-Verbindungen. Das Speichernetz wurde mit drei Blade-Servern kombiniert, die 50 Intel-Server ablösten. Allerdings stellte sich später heraus, dass eine echte Hochverfügbarkeit mit den vorhandenen Storage-Systemen nicht realisierbar war. Erschwerend hinzu kam das pro Jahr um rund 15 Prozent anschwellende Datenvolumen.

Vor diesem Hintergrund entschieden die IT-Verantwortlichen, neue Speichersysteme zu beschaffen und ein Backup-Rechenzentrum in 1000 Meter Entfernung zu errichten, das direkt über Glasfaser-Leitungen mit dem ersten RZ verbunden ist. „Wegen der Loadbalancing-Features der beiden Fujitsu DX 410, die wir nun verwenden, sind beide Seiten mit insgesamt rund 12 TB Kapazität produktiv. Auf jeder liegen rund 50 Prozent Produktiv- und 50 Prozent Backup-Daten", erklärt Berg. Das reduziere auch die Antwortzeiten. „Wir haben zwar keine Zahlen, aber wir bekommen deutlich die Zufriedenheit der Anwender zu spüren", so der Storage-Experte. Er plant als nächstes die Migration der Infrastruktur auf Windows Server 2008 und Exchange 2010. Auch hier erweist sich die neue Umgebung als nützlich: „Wir können sehr einfach eine Testumgebung einrichten, um auszuprobieren, ob alles klappt."

BEISPIEL 3: STORAGE-VIRTUALISIERUNG BEI LV 1871 Bei der Münchner Lebensversicherung von 1871 auf Gegenseitigkeit (kurz: LV 1871) waren die explodierenden Speichermengen der Grund, eine andere Lösung zu suchen. „Wir brauchten immer schneller größere Kapazitäten, doch in unserem damaligen Fibre-Channel-SAN war der Speicher sozusagen grundsätzlich der falschen Maschine zugeordnet, was großen Aufwand verursachte“, beklagt Alexander Triebs im Rückblick die Situation. „Und ein Load Balancing gab es auch nicht.“ Triebs ist derzeit für ein Speichervolumen von etwa 70 TB zuständig, das Jahr für Jahr um zehn TB wächst. Dazu gehören auch umfangreiche E-Mail-Archive mit strengen gesetzlichen Vorgaben. Zwei TB müssen täglich gesichert werden.

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