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09.08.2010 Klaus Hauptfleisch*

In 10 Schritten zur Server-Virtualisierung

Es gibt viele gute Gründe für die Server-Virtualisierung, aber kein Patentrezept für den richtigen Weg. Lesen Sie, welche Schritte sich in der Praxis bewährt haben.

Wenn es darum geht, die IT-Infrastruktur effizienter zu gestalten, ist Server-Virtualisierung heute in den meisten Unternehmen gesetzt. Doch einschlägige Projekte sind komplex und bergen jede Menge Fallen. Gefragt sind deshalb vor allem klare Ziele, eine gründliche Analyse des Ist-Zustands und eine exakte Planung. CIOs müssen zunächst die Frage beantworten, ob sich eine Virtualisierung überhaupt für das Unternehmen eignet und was damit erreicht werden soll.

SCHRITT 1: ZIELE UND STRATEGIEN FESTLEGEN Viele sehen die Vorteile der Server-Virtualisierung in erster Linie in einer besseren Auslastung der Systeme und niedrigeren IT-Kosten. Dazu gehört auch die Aussicht auf einen geringeren Stromverbrauch. Nicht wenige Projekte sind aber schlicht aus der Notwendigkeit geboren, den über Jahre entstandenen IT-Wildwuchs einzudämmen und Systeme zu konsolidieren. Andere Vorhaben zielen darauf ab, Geschäftspartnern einen schnellen Zugang zu den eigenen Server-Systemen zu ermöglichen oder auf Knopfdruck einen dedizierten virtuellen Server zur Verfügung stellen zu können. Der Service-Gedanke spielt dabei eine wichtige Rolle. "Die Server- oder Desktop-Virtualisierung verlangt eine interne serviceorientierte Aufstellung", sagt etwa Steve Janata, Senior Advisor der Experton Group AG. In vielen Fällen sei es ratsam, gleich in Richtung Private oder Public Cloud zu gehen.

Gerade kleinere Unternehmen sollten sich fragen, wo der konkrete Nutzen der Virtualisierung für ein bestimmtes Vorhaben ist, empfiehlt Adam Hufnagel, Product Manager Application Delivery beim Systemintegrator Controlware. In manchen Fällen rechne sich ein Projekt gar nicht. Ersparnisse seien in jedem Fall möglich, kommentiert dagegen Janata. Doch nach den ersten Projekten und der damit größer werdenden Komplexität nähmen die Kostenvorteile ab. Auch darüber müssten sich Unternehmen im Klaren sein, bevor sie sich in die Virtualisierung stürzen. Sein Rat: IT-Manager sollten "Step by Step" beginnen und dabei Projekte priorisieren, in denen der potenzielle Nutzen der Virtualisierung am größten erscheint.

SCHRITT 2: QUICK-WINS MIT SCHNELLEM ROI ZUERST ANGEHEN In einem Sechs-Punkte-Programm für die Virtualisierung rät das Marktforschungsinstitut Gartner, klein anzufangen, aber groß zu denken ("Think big, start small") und einen raschen Return-on-Invest (ROI) einzufordern. "Quick-Win-Projekte helfen der Akzeptanz", postulierte schon vor einigen Jahren Robert Gerhards, Geschäftsführer des Leverkusener Beratungshauses Centracon: "Die Virtualisierung hat grundsätzlich das Potenzial, einen hohen wie verhältnismäßig kurzfristigen ROI zu erreichen. Diesem Anspruch der schnellen Amortisation muss das erste Projekt unbedingt folgen, um Erfolge vorweisen zu können."

Dirk Schiller, Practice Leader Consulting & Technology Solutions beim IT-Dienstleiter Computacenter, empfiehlt eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Anpassungen der Infrastruktur mit Blick auf Verfügbarkeit und Disaster Recovery sollten dabei ebenso einfließen wie eine Veränderung der Betriebsprozesse.

SCHRITT 3: BETRIEBSPROZESSE ANPASSEN Die Anpassung der Betriebsprozesse bis hin zur gesamten Organisation sieht Computacenter-Spezialist Schiller als einen vielfach unterschätzten Kraftakt. "Denn die Virtualisierung verändert das Aufgabenfeld der Administratoren. Dadurch fallen vorher voneinander abgegrenzte Admin-Bereiche zusammen, wie beispielsweise Server- und Netzwerkadministration durch die aktuellen Produkte von Cisco und VMware."

Controlware-Experte Hufnagel beobachtet in vielen mittelständischen Unternehmen ein organisatorisches Problem, wenn es um die Migration auf virtuelle Systeme geht. Eine mangelnden Kommunikation unter den IT-Abteilungen oder unzureichende Kenntnisse anderer IT-Disziplinen machten Projektverantwortlichen das Leben schwer. Gelegentlich müssten IT-Manager sehr sensibel mit der Furcht vor Kontrollverlust umgehen können. "Ob ich es zulasse, dass einige Administrator-Rollen mit einer Schlüsselfunktion in der IT über den Horizont der eigentlichen Spezialisierung hinaus agieren können, ist auch eine Organisationsfrage", kommentiert Hufnagel.

Shared Storage ist aus seiner Sicht in einer virtuellen IT-Infrastruktur unabdingbar. Aber gerade das "Teilen müssen" sei für manche Mitarbeiter oder ganze Abteilungen "eine eher ungewohnte Übung". Wenn die Zuständigkeits- oder Verantwortungsgrenzen verwischen, beginne sich zudem manch einer in der Fachabteilung zu fragen, ob die geforderten Service-Level-Agreements (SLAs) noch effizient ausgehandelt und durchgesetzt werden könnten. Andererseits würden die Fachabteilungen laut Hufnagel auch selbstbewusster, weil sie um die neuen Möglichkeiten wüssten und entsprechende Forderungen stellten. Dies gelte insbesondere in Bezug auf die Agilität, mit der IT-Ressourcen heute bereitgestellt werden können.

SCHRITT 4: SCHULUNGEN UND DISZIPLIN EINFORDERN Da es vielfach an Erfahrungen und Know-how mangelt, sind Schulungen erfolgskritisch für Projekte zur Server-Konsolidierung. Zumindest die IT-Abteilung sollte die nötigen Kenntnisse haben. Wenn alles reibungslos läuft, bekommt der einfache Büroangestellte vielleicht gar nichts mit von der Virtualisierung.

Im Sinne der Sicherheit und damit nicht jeder Mitarbeiter plötzlich seine eigene virtuelle Maschine (VM) einrichtet, was unter anderem neue Lizenzfragen aufwerfen kann, verlangt die Virtualisierung auch eine neue Disziplin der Mitarbeiter. Diese gilt es, zu überwachen. Denn sonst entsteht schnell ein neuer Server-Wust, dem man doch ein Ende bereiten wollte. Umso wichtiger ist vor der Migration eine genaue Bestandsaufnahme der vorhandenen IT-Komponenten.

SCHRITT 5: ANALYSE DER IST-LANDSCHAFT Die Bestandaufnahme einschließlich Technologien und Applikationen in einer "Komponentenmatrix" steht für Computacenter-Manager Schiller ganz oben auf der To-do-Liste für eine erfolgreiche Server-Virtualisierung. Dabei müsse auch überprüft werden, in welcher Abhängigkeit die Systeme zueinander stehen und ob das Data Center die Technologie tatsächlich hosten kann. "Denn Aspekte wie Strom oder Klimatisierung können hinsichtlich des sich ändernden Bedarfs problematisch werden", so der Experte.

Eng an die Aufnahme des Ist-Bestands knüpft er eine Analyse der Auslastung aller Systeme einschließlich Netzwerk und Storage "über eine Dauer von mindestens einem Monat, besser über ein Quartal". Aus einem solchen Workload-Assessment bemisst sich der mögliche Konsolidierungsfaktor oder das Sizing.

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