Die Kunst der Datenbank-Virtualisierung Die Kunst der Datenbank-Virtualisierung - Computerwelt

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04.09.2013 :: Printausgabe 18/2013 :: Wolfgang Franz

Die Kunst der Datenbank-Virtualisierung

Oracle Database 12c: 2.500 Mannjahre Entwicklung, 1,2 Millionen Teststunden, 500 neue Funktionen. Die COMPUTERWELT sprach mit Österreich-Chef Martin Winkler über die Vorteile der Mandantenfähigkeit und Oracles neuentdeckte Liebe zur Cloud.

Martin Winkler ist Managing Director von Oracle Austria

Martin Winkler ist Managing Director von Oracle Austria

© Wolfgang Franz

Die Oracle Database 12c setzt auf eine mandantenfähige Architektur, die den Konsolidierungsprozess von Datenbanken in die Cloud vereinfachen soll. Diese Architektur unterstützt Kunden und ISV dabei, viele Datenbanken als ein einziges System zu verwalten, ohne dass deren Anwendungen verändert werden müssen.

Computerwelt: Warum hat es mit dem Release von 12c so lange gedauert?
Martin Winkler:
12c ist von der Architektur her runderneuert. Wir haben unter anderem mit der Mandantenfähigkeit ein Konzept eingebaut, bei dem der Vorteil für die Kunden im Management der Datenbank und der gesamten Datenbank-Infrastruktur liegt. Verschiedene, von einander separierte Datenbanken, die im Unternehmen sind, können wie eine einzige Datenbank verwaltet werden.
Wir haben einen weltweit agierenden Kunden auf der Infrastrukturseite gewonnen, der im Normalbetrieb über 9.000 Datenbankinstanzen zu verwalten hat. Das heißt etwa, dass man 9.000 Mal sichern muss. Das ist sicherlich ein Extremfall, aber genau für solche Situationen, und die gibt es genug, haben wir unsere Datenbank rundum erneuert. Unsere Kunden werden es wesentlich leichter haben, die Trennung der verschiedenen Mandanten auf einer Infrastruktur-Plattform zu betreiben.

Mandantenfähige Datenbanken sind nicht neu.

Nicht in der Form mit der sauberen Trennung der Daten. Die Mandantenfähigkei ist immer von den Applikationen gekommen. Entweder man setzt getrennte Datenbanken auf, dann hat man die Daten sauber getrennt. Oder man wirft alles in einen großen Topf. Nicht sauber getrennt heißt in der Praxis: Wenn man sich Fälle ansieht, wie Informationen Unternehmen verlassen, dann passiert das nicht nur durch Hacker, sondern auch durch internen Missbrauch.

Wie passt dieses Konzept in die Rechenzentrumslandschaft?

Was wir derzeit sehen, sind Infrastrukturen, die bis zum Betriebssystem standardisiert sind. Eine virtualisierte Infrastruktur ist gut, man kann mit einer Hardware-Plattform arbeiten, die man verschiedenen Mandanten zur Verfügung stellt. Trotzdem habe ich wie im vorigen Beispiel 9.000 Subsysteme. Man kann die Automatisierung jedoch auch eine Ebene höher ansetzen: Eine Virtualisierung der Datenbank – und nicht nur auf den unteren Layern – bringt Effekte in der Managbarkeit, Reduzierung der Komplexität und des Risikos. Und auch bei der Performance lässt sich einiges machen.

Wenn Mandantenfähigkeit ein zentrales Feature ist, warum wird sie als kostenplichtige Zusatzoption verkauft?  
Wir haben in den letzten Jahren zu unserem Kernprodukt immer Dantenbankoptionen gekoppelt. Diese können, müssen aber nicht genutzt werden. Wir wollen niemanden das Konzept aufzwingen. Die Migration auf diese neue Funktionalität bedeutet einen gewissen Aufwand, weil es in die Architektur geht. Kunden, die das nicht wollen, können 12c wie gewohnt nutzen, auch ohne Virtualiserungsmöglichkeit. Über einen Aspekt wird immer sehr locker hinweggegangen: Wenn ein neuer Release herauskommt, ist das Upgrade für Kunden kostenlos.

12c wird als optimal für Cloud angepriesen. Oracle-Chef Larry Ellison hat in der Vergangenheit jedoch kein gutes Haar an Cloud gelassen. Woher kommt dieser Umschwung?
Das muss ich relativieren. Wenn man genau analyisert, was er in der Vergangenheit gesagt hat, so wird klar, dass er sich mehr über den Begriff "Cloud Services" mokiert hat, nicht aber über die Möglichkeiten, die Cloud Services als Modell bieten. Er hat auch immer gesagt: Wir machen das seit Jahren, sei es als SaaS oder als Service on demand.

Als Marketier sollte man doch über den Begriff glücklich sein, er bietet selbst für Consumer ein einfaches Bild.
Das Bild ist einfach, aber auch sehr diffus. Jeder definiert alles möglich hinein. Was umgesetzt wird, ist, auf klassischer Infrastruktur basierend IT-Services zur Verfügung zu stellen. Was sich sehr stark weiter entwickelt hat, sind die technischen Möglichkeiten, die man mittlerweile als Anbieter hat. Was vor zehn Jahren mit SaaS möglich war, ist heute – unter Anführungszeichen – überholt. Es gibt heute viel flexiblere und leichtere Möglichkeiten, durch Technologie diese Services anzubieten – von der Verrechnung angefangen bis zum Management der Infrastruktur. Oracle bietet seit über ­einem Jahrzehnt SaaS-Modelle an. Larry Ellison hat den Begriff deshalb kritisiert, weil er unkonkret ist. Wir versuchen immer Dinge sehr konkret anzusprechen, zu positionieren und darzustellen. Da der Begriff Cloud jedoch allgemein akzeptiert ist, bezeichnen wir uns selbst als Cloud Services-Anbieter.

Cloud bringt neue Aspekte ins Spiel. Beispielsweise tendieren Fachabteilungen dazu, entsprechende Services unter Auslassung der IT ins Haus zu holen.  
Das Spannungsverhältnis zwischen IT und Fachabteilungen gibt es seit jeher. Das ist auch gut so. Im Endeffekt ist die interne IT ein Dienstleister für den Konzern oder die Fachbereiche. Der permanente Dialog ist notwendig. Ein guter CIO führt diesen ­Dialog sehr offen und konstruktiv. Wichtig ist die Frage – und das unterschätzen sehr viele – wie ich die Brücke zwischen internen und externen Daten schaffe. Da ist der CIO gefordert.  

Wie oft wurden Sie von Kunden auf das NSA-Thema angesprochen?
Kein einziges Mal.

Wenn doch, was würden Sie antworten?
Nichts, das ist ein Thema, das ich nicht kommentiere. Grundsätzlich gilt die Frage: Wie nutzen wir einerseits die Möglichkeiten der Technologie positiv, andererseits: Wie verhindert man komplette Transparenz? Diesem Thema werden wir uns alle stellen müssen, auch als Industrie.

Hat man es als US-Anbieter derzeit schwerer?
Nein, überhaupt nicht. Ich hatte nie das Gefühl, als US-Anbieter in irgendeiner Form einen Nachteil zu haben, um am Markt erfolgreich zu sein. Erfolg definiert sich über ganz andere Kriterien. Wir definieren Erfolg sehr stark über das Produkt und die Technologie. Warum sind wir die Nummer Eins am Markt? Weil unsere Datenbank das beste Produkt ist. Die Kunden honorieren das. Dann spielt die Herkunft des Unternehmens eine untergeordnete Rolle.

Das Gespräch führte Wolfgang Franz.

Martin Winkler:

Martin Winkler ist seit Juli 2009 Managing Director von Oracle Austria. Der IT- und Vertriebsprofi stieß bereits 2007 dazu, wo er ursprünglich als Sales Director im Bereich Technology Solutions tätig war. Seine Karriere begann der Absolvent der Montan-Universität Leoben bei IBM, wo er über einen Zeitraum von 15 Jahren die verschiedensten Positionen innehatte. Danach folgte ein zweijähriger Zwischenstop bei Xerox Austria, zuletzt in der Position als Direktor Xerox Global Services, Austria and Switzerland. Der zweifache Familienvater ist leidenschaftlicher Tennisspieler.

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