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20.01.2012 Alex Wolschann/apa

Google und Microsoft kämpfen mit Kerngeschäft

Der weltgrößte Internetkonzern Google zeigt nach einem jahrelangen Triumphzug Schwächen.

Der weltgrößte Internetkonzern Google zeigt nach einem jahrelangen Triumphzug Schwächen. Der Überflieger des Internet-Zeitalters, der fast konkurrenzlos die Vermarktung von Suchergebnissen dominierte, hat erstmals seit mehr als zwei Jahren im Quartal einen Rückgang seiner Werbeeinnahmen verbucht.

Google steht nun ähnlichen Problemen wie der Softwareriese Microsoft gegenüber, dessen ehemals dominantes Betriebssystem Windows in der neuen Welt der Tablet-Computer und Smartphones einen schweren Stand hat. Um die Einbußen in ihren angestaubten Kerngeschäften auszugleichen, suchen beide Konzerne nach frischen Quellen und wildern dabei in Domänen anderer Branchengrößen - mit hohen Kosten, aber nicht ohne Erfolg.

Google enttäuschte sowohl mit Umsatz als auch mit dem Gewinn im Schlussquartal des vergangenen Jahres. Investoren hatten gehofft, der rekordhohe Online-Handel in den USA lasse die Werbeeinnahmen leicht steigen. Stattdessen sanken die Einnahmen pro Seitenaufruf (Klick) um acht Prozent - der erste Rückgang im Vorjahresvergleich seit mehr als zwei Jahren. "Die große Frage ist: Ist das eine einmalige Sache oder wird sich das fortsetzen, weil sich das Geschäft geändert hat", sagte Mayuresh Maurekar, Analyst von Colins Stewart.

In der Telefonkonferenz löcherten Analysten das Management zu dem Thema so lange, bis Google-Chef Larry Page schließlich bat: "Vielleicht könnte die nächste Frage nicht zu den Kosten pro Klick gestellt werden." Der Konzern begründete den Rückgang mit einem geänderten Werbeformat, das zwar die Anzahl der Klicks erhöhe, jedoch auch die Einnahmen an bestimmten Stellen verringere. Auch Wechselkurse spielten eine Rolle.

Google erlöste im vierten Quartal 8,13 Mrd. Dollar (6,30 Mrd. Euro) nach 6,37 Mrd. Dollar im Vorjahresquartal. Analysten hatten mit 8,4 Mrd. Dollar gerechnet. Der Gewinn stieg auf 2,71 von 2,54 Mrd. Dollar. Bereinigt lag der Überschuss pro Aktie damit bei 9,50 Dollar, Experten hatten aber 10,49 Dollar je Papier erwartet.

Investoren reagierten entsetzt: Die Aktie stürzte nachbörslich neun Prozent ab. Auch im frühen Frankfurter Handel lag sie annähernd neun Prozent im Minus. Die Brokerhäuser Barclays, Baird und JP Morgan senkten ihre Kursziele. Google hatte die Börse bislang verwöhnt: In allen acht Quartalen davor hatte der Internet-Konzern die Umsatzprognosen der Experten übertroffen.

Um sich unabhängiger vom Geschäft mit den Klicks zu machen, bietet Google seit geraumer Zeit verstärkt neue Dienste an, mit denen der Suchmaschinenbetreiber in die Domänen anderer Branchengrößen vorstoßen will. Dabei erzielt der Konzern erste Erfolge. So zählt sein soziales Netzwerk Google+, das Facebook Konkurrenz machen soll, nun über 90 Millionen Nutzer nach 40 Millionen im vorangegangenen Quartal. Auch das Geschäft mit dem offenen Smartphone-Betriebssystem Android, in das Google einen Großteil seiner Investitionen buttert, kommt voran. Mittlerweile laufe die Software auf über 250 Millionen Geräten, teilte er mit. Google macht damit Apple Konkurrenz.

Skeptisch wird an der Wall Street immer noch die für 12,5 Mrd. Dollar geplante Übernahme des Smartphone-Herstellers Motorola gesehen, mit der Google eines der größten Patentportfolios der Branche und Kapazitäten zur Herstellung eigener Handys erwerben würde. Dies könnte Android-Lizenzpartner verstimmen. Google-Chef Larry Page sagte jedoch, er glaube, dass das Verhältnis zu den Partnern davon nicht erschüttert werde.

Microsoft hat Probleme mit dem Verkauf seines Betriebssystems Windows, weil Europäer und Amerikaner in Zeiten der Schuldenkrise PC-Käufe eher verschieben oder lieber nach dem iPad von Apple und dem Kindle von Amazon greifen. Auch Lieferengpässe nach den schweren Überschwemmungen in Thailand belasteten, erklärte Microsoft.

Microsoft verdiente im abgelaufenen Quartal netto mit 6,62 (Vorjahr: 6,63) Mrd. Dollar etwas weniger. Das US-Analystenhaus Gartner berichtete über einen Rückgang der weltweiten PC-Verkäufe im vierten Quartal von 1,4 Prozent. Microsoft geht sogar von einem Minus zwischen zwei und vier Prozent aus. Die Windows-Umsätze sanken jedenfalls um sechs Prozent. Zudem herrscht am Markt Unsicherheit über den Start der nächsten Version Windows 8, der dieses Jahr erwartet wird. "Das Umfeld für das PC-Geschäft ist hart und das spiegelt sich in den Ergebnissen wider", sagte Global-Equities-Research-Analyst Trip Chowdhry.

Seinen Umsatz steigerte der Softwareriese dagegen um fünf Prozent auf 20,9 Mrd. Dollar und traf damit die Expertenprognosen. Hier halfen Microsoft seine Server- und Geschäftskundensoftware sowie die Spielekonsole Xbox, die allein 15 Prozent mehr erlöste. Erstmals trug auch der Internettelefonanbieter Skype zum Umsatz bei, den Microsoft im vergangenen Jahr übernahm. 225 Millionen Dollar stammten aus Währungseffekten.

Auch die Suchmaschine Bing steigerte ihren Umsatz um zehn Prozent, weil sie Boden zu Google und Yahoo gut machte. Bings Marktanteil in den USA liegt nun bei 15 Prozent. Steigende Werbeeinnahmen verringerten den Verlust der Suchmaschine im Quartal um 18 Prozent auf 458 Millionen Dollar. Insgesamt belaufen sich ihre Verluste seit dem Start Mitte 2009 jedoch auf fünf Mrd. Dollar.

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