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16.12.2011 pte/Rudolf Felser

USA: E-Book-Preise schüren Angst vor Piraten

In den USA legen die Verlage die Einzelhandelspreise für E-Books verbindlich fest. Gedruckte Bücher hingegen können von den Händlern rabattiert werden.

Diese Konstellation hat dazu geführt, dass die Preise für die meistverkauften E-Books gestiegen sind. In Einzelfällen ist die elektronische Variante mittlerweile sogar teurer als das Buch aus Papier. Illegale Kopien erleben dadurch einen Höhenflug. "In Deutschland sind durch die Buchpreisbindung sowohl die Preise für E-Books als auch jene für herkömmliche Bücher reglementiert. E-Books sind bei uns im Schnitt etwa 20 Prozent günstiger", sagt Johannes Krüger von new eBooks gegenüber der Nachrichtenagentur pressetext.

Insgesamt ist das Preisniveau für E-Books in den USA in den vergangenen Jahren gefallen, wie das Wall Street Journal berichtet. Durchschnittlich kostet ein elektronisches Buch heute 8,19 Dollar. 2009 lag dieser Wert noch bei 9,23 Dollar. Bei Bestsellern sieht die Sache aber anders aus. Das neue Buch von Star-Autor Ken Follet kostet in elektronischer Form 18,99 Dollar, während es bei Amazon schon für 16,50 Dollar als Taschenbuch zu haben ist. Solche Missverhältnisse wirken auf viele E-Book-Kunden abschreckend. "Die Verlage wollen die E-Book-Preise hoch halten, um sich nicht selber Konkurrenz zu machen", erklärt Krüger. Auch andere Faktoren beeinflussen die Preise.

"E-Books haben sich auch technisch weiterentwickelt. Heute sind das nicht mehr nur PDF-Dateien. Es wird versucht, einen Mehrwert zu schaffen, etwa durch hochwertige Navigation oder Animation. Dadurch steigt aber auch der Aufwand bei der Herstellung", so Krüger. In Deutschland ist das Preisniveau laut dem Fachmann aber trotzdem relativ stabil. Die Nachfrage nach E-Books verzeichnet hingegen nach wie vor kräftiges Wachstum. "Durch den Einstieg von großen Verlagen ins elektronische Geschäft hat sich alles in Bewegung gesetzt. Das Interesse ist mittlerweile groß und das Angebot wird vielfältiger", so Krüger.

ALTERNATIVEN Die US-Verlage haben sich vor Jahren unter Druck von Apple dazu entschlossen, die E-Book Preise selbst festzulegen. Apple hat damals die fünf größten Verlage zu diesem Schritt überredet, weil der Konzern die Konkurrenz von Amazons Niedrigpreis-Modell für ein eigenes E-Book-Angebot fürchtete. Mittlerweile untersucht das Justizministerium die Preispolitik der großen Sechs. Die Verlage verdienen mit dem neuen Modell weniger als früher, da sie die E-Books jetzt billiger an die Händler abgeben als die analoge Variante, während früher beide Versionen zum gleichen Preis verkauft wurden. Dadurch ist die Gewinnspanne für elektronische Bücher geschrumpft.

Der hohe E-Book-Preis in den USA wirkt sich nach Ansicht von Experten bereits auf die Verkaufszahlen aus. "Die Piraterie-Rate pro Buch ist in den letzten zwölf Monaten exponentiell angestiegen", sagt Anti-Piraterie-Experte Matt Robinson. Auch andere Alternativen werden durch die hohen Preise attraktiver. Das Angebot an billigen Büchern von unbekannten Autoren ist beinahe unbegrenzt. Durch Bewertungssysteme lässt sich die Spreu mittlerweile auch recht effizient vom Weizen trennen.

"In Deutschland sehe ich momentan keine große Bedrohung durch Piraterie. Auch die Verlage ergreifen noch keine spezifischen Maßnahmen und veröffentlichen ihre Werke großteils ohne Kopierschutz. Solange sich kein gewerbemäßiger Handel entwickelt, wird das auch so bleiben", sagt Krüger. (pte)

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