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15.12.2011 apa/Rudolf Felser

Sorge vor der Aufsichtsratssitzung der Telekom

Die Aufsichtsratssitzung der Telekom Austria steht am Freitag im Zeichen der Finanzplanung für das kommende Jahr und den Ausblick bis 2014.

Im Vorfeld hat die Kritik an der Dividendenpolitik sowie der geringen Eigenkapitalquote von rund elf Prozent (2. Quartal 2011) für Kritik gesorgt. Weiterhin Rätselraten gibt es über die Absichten des österreichischen Investors Ronny Pecik, der gemeinsam mit dem ägyptische Milliardär Naguib Sawiris mittlerweile 16 Prozent der Telekom hält und weitere Anteile an der Wiener Börse zukaufen will.

Eine Personaldiskussion stehe jedenfalls nicht am Plan, hieß es von Aufsichtsratskreisen zur APA. Die Staatsholding ÖIAG, deren Chef Markus Beyrer auch Aufsichtsratspräsident der Telekom ist, wollte sich dazu nicht äußern. Zuvor war medial spekuliert worden, dass der Vertrag von Finanzvorstand Hans Tschuden nicht verlängert wird. Die "Presse" berichtet heute, dass der Aufsichtsrat zwar schon im August Tschudens Ende März 2012 auslaufenden Vertrag um fünf Jahre verlängert habe, die Unterschrift von Beyrer aber fehlt – und auch nicht kommen dürfte.

Ametsreiter, der ebenfalls schon als Ablösekandidat vereinzelt gehandelt wurde, sitzt hingegen fest im Sattel. Ronny Pecik hat ihm erst gestern den Rücken gestärkt und die Belegschaftsvertretung betont schon seit langem, dass sie keinen Ablösebedarf sieht. Pecik und die Betriebsräte sind sich aber einig, dass Ametsreiter zu viele Agenden unter sich vereint und eine Arbeitserleichterung kein Fehler wäre.

Der Gegenwind für "Mister A1", wie Ametsreiter in seiner Zeit als Marketingleiter der Mobilfunktochter Mobilkom Austria genannt wurde, wird jedenfalls rauer. Erst heute merkte Helmut Kern, Consulting-Leiter beim Wirtschaftsprüfer Pwc, vor Journalisten an, dass die Telekom mit 10,7 Prozent Eigenkapitalquote die geringste Quote im ATX Prime Market hat (exklusive Banken Versicherungen). Kern warnte, dass dies "außergewöhnlich wenig" für ein Infrastrukturunternehmen sei. "Das begeistert uns nicht", meinte er und ergänzte, dass eine Schuldenbremse bei der Telekom nicht in Sicht sei.

Von der Telekom hieß es dazu am Donnerstag auf APA-Anfrage: "Entscheidend ist nicht die Eigenkapitalquote, sondern die Liquidität (Cash flow), die ein Unternehmen erwirtschaftet. Und hier sind wir bei den Topunternehmen des ATX. Die Telekom Austria Group hat die Schulden in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurück geschraubt. Wir reden nicht über eine Schuldenbremse, wir realisieren sie."

Betriebsratschef Walter Hotz bezeichnete zu Wochenbeginn die geplante Dividendenausschüttung von 0,76 Euro je Aktie als "nicht leistbar". Zuvor hatten die Analysten der Berenberg-Bank davor gewarnt, dass "die Untergrenze für die Dividende 2012 ziemlich angespannt ist". Auch Pecik hatte sich kritisch zu der Ausschüttung geäußert. Dazu kommen veritable Probleme mit der rasenden Inflation in Weißrussland, die der dortigen Telekom-Tochter Velcom einen erheblichen Abschreibungsbedarf beschert. Am Ausblick für das Jahr 2011 wurde aber zuletzt festgehalten. Bernd Maurer von der Raiffeisen Centrobank geht für das laufende Gesamtjahr von einem Konzernergebnis von 80 Mio. Euro aus, wobei Weißrussland noch nicht berücksichtigt ist. Gut viermal so viel, nämlich 340 Mio. Euro, kostet allerdings die Dividende – wenn es bei den angekündigten 76 Cent bleibt, rechnet die "Presse" vor.

Ruhig geworden ist es hingegen um die Korruptionsvorwürfe rund um die teilstaatliche Telekom. Allerdings ist es eine Ruhe vor dem Sturm, denn schon im Jänner startet der parlamentarische U-Ausschuss zu den zahlreichen Skandalen der Republik – beginnend mit der Causa Telekom. Unter anderem geht es um angebliche Bestechung von ehemaligen Regierungsmitgliedern der ÖVP/FPÖ/BZÖ-Regierung unter Wolfgang Schüssel (V) durch die Telekom, um eine Kursmanipulation, um Immobilienverkäufe und um die Zukäufe in Weißrussland und Bulgarien.

Verdächtig ruhig ist es auch um eine mögliche Marktbereinigung geworden. Branchengerüchten zufolge soll "3" vor dem Kauf von "Orange" stehen, wodurch die Karten am Mobilfunkmarkt für Marktführer Telekom (A1) neu gemischt würden. (apa)

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