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Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


05.10.2011 Manfred Weiss/Rudolf Felser

An der Spitze der IT-Service-Dienstleister

Mit dem Merger von Atos Origin und Siemens IT Solutions and Services ist ein Schwergewicht am Markt entstanden.

Der internationale IT-Servicedienstleister Atos und Siemens haben die Akquisition der ­Siemens IT Solutions and Services (SIS) durch Atos Anfang Juli abgeschlossen. Die Führung des dadurch entstandenen Unternehmens in Österreich und den CEE-Ländern hat der vorherige SIS Österreich-CEO Hanns-Thomas Kopf übernommen. Mit der COMPUTERWELT sprach Kopf über die Chancen, die sich aus dem Zusammenschluss für das Unternehmen und die Kunden am lokalen sowie internationale Markt ergeben.

Ist die Übernahme der SIS durch Atos der letzte Akt der von Frau Eder eingeleiteten Abstoßung sämtlicher IT aus dem Siemens-Konzern? Hanns-Thomas Kopf Naja ... Ein Abstoßen war es nicht. Es war eher das Einbringen eines wesentlichen Geschäfts in eine Partnerschaft. Man darf nicht vergessen, dass mit dem Einbringen der SIS in die neue Atos Siemens auch gleichzeitig 15 Prozent der Aktien erworben hat – und die Absicht hat, diese auch lange zu halten. Am besten belegt das der auf sieben Jahre abgeschlossene Dienstleistungsvertrag, den Siemens und Atos gleichzeitig mit der Transaktion unterschrieben haben –und der auch in einer durchaus beachtlichen Größenordnung ist.

Offiziell wurde die Übernahme mit 1. Juli abgeschlossen. Aber wie lange wird es noch dauern, bis die Unternehmen wirklich eine Einheit bilden? Die Frage ist nicht so sehr, ob die rechtliche Umbenennung abgeschlossen ist, sondern wie schnell die Portfolios und Mitarbeiter zusammengeführt werden konnten. Wie schnell haben die Kunden erkannt, dass sie einen Nutzen aus der Kooperation ziehen. In den ersten Wochen nach der Ankündigung haben wir viel positives Echo bekommen. Vor allem auch darum, weil die österreichischen Kunden begeistert waren, dass es ein europäischer Konzern wird und nicht, wie viele Auguren gemutmaßt haben, eine asiatische Kooperation. Es ist nicht nur ein europäischer Konzern, sondern auch noch ein deutsch-französischer Konzern, der sich an die Spitze der IT-Service-Dienstleister in Europa gesetzt hat. Das bringt Sicherheit für die Kunden. Aus Portfolio-Sicht ergänzen sich die Unternehmen gut, weil Siemens im öffentlichen Bereich, der Energie, Gesundheit und Industrie – und daher auch in der IT dort – stark ist. Atos hingegen ist stark bei Telekommunikation, Banken und auch bei Energie.

Genießt der neue Konzern als europäisches Unternehmen – zum Beispiel was die Sicherheit von Daten betrifft – bei den Kunden einen Vertrauensbonus? Es ist nicht nur die Sicherheit wo die Daten liegen, oder das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit, sondern auch eine Frage der Kultur. Auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergessen, dass die Welt globalisiert wird. Sehen Sie sich die großen Unternehmen an, die von Österreich aus erfolgreich sind, etwa im Stahl- und Maschinenbaubereich oder im Handel. Viele haben zwar ihre Heimat in Österreich, sind aber trotzdem auch weltweit aktiv – und erwarten das auch von uns. Damit ist es eine gute Symbiose: Europäische Kultur gepaart mit österreichischem Selbstverständnis, zu Hause in einer internationalen, globalen, vernetzten Wirtschaft.

Wieso ist nicht der Atos-Origin ­Österreich-Geschäftsführer nun nicht auch der Geschäftsführer des neuen Unternehmens? Das liegt am neutralen Selektionsverfahren. Für jede Position standen die beiden derzeitigen Stelleninhaber zur Auswahl sowie zusätzlich ein Challenger – in der Regel ein junges Talent oder jemand aus einer anderen Ländergruppe. Der Vorteil von SIS und Wien liegt in der Historie: Wir haben viel Erfahrung mit osteuropäischen Ländern. Dazu kommt natürlich, dass ein wichtiges Bestandselement der lokale Markt und die Kundenakzeptanz in Österreich sind. Man hat es sich nicht leicht gemacht und nicht nur intern die Entscheidung getroffen, sondern auch wesentliche Bestandskunden in den verschiedenen Ländergruppen gefragt. In diesem Fall hat es wegen der Dominanz von Siemens in Osteuropa den Siemens-Manager getroffen.

Also nicht, weil SIS in Österreich das bedeutend größere Unternehmen war? Es ist keine singuläre österreichische Entscheidung gewesen, weil mit der österreichischen Geschäftsführungs-Funktion auch die Zentral- und Osteuropa-Verantwortung verbunden wurde. Das ist für die Standortsicherung Österreichs ein großer Vorteil. Unsere Verantwortung wurde durch den Merger sogar mit Russland und Polen aufgewertet. Wenn man sich Russland und das extreme Wachstum in Polen ansieht, sind das neue Herausforderungen, die auch für uns in Österreich wichtig sind. Damit eng verbunden ist: Wir haben in Österreich und in vielen Ländern Osteuropas zentrale Kompetenzzentren. Hier ging es schon darum, sich international durchzusetzen, denn wenn man zwei Unternehmen zusammenführt, braucht man nicht die doppelte Anzahl an Dienstleistungsfabriken. Das ist gelungen. Wir sind in Österreich mit dem neuen Rechenzentrum, das wir im Vorjahr eröffnet haben, weltweites Kompetenzzentrum geblieben – eine von neun weltweiten Kompetenzzentren bei Atos. Wir betreuen von hier aus viele süd- und nordeuropäische Kunden, nicht nur unsere »eigenen« 23 Länder. Das ist wichtig für den österreichischen Standort.

Wenden wir uns dem österreichischen IT-Markt zu. Wie sehen Sie die zu­künftige Entwicklung? Wo liegen die Chancen der neuen Atos in Österreich? Der Markt hat sich in den letzten drei bis fünf Jahren auch unter dem Einfluss der Wirtschaftsentwicklung massiv verändert. Man hat begonnen nachzudenken, wo es weitere Chancen für Einsparungen gibt. Viele Märkte, Industrien und Branchen sind unter Preisdruck geraten. Hier hat man nach allen Hebeln und Maßnahmen gesucht, um zu günstigeren IT-Serviceleistungen zu kommen. Es gab erstmals wesentliche Bewegungen auch in Österreich, etwa Ausschreibungen über den IT-Betrieb von öffentlichen Unternehmen, die vor fünf Jahren nicht vorstellbar gewesen wären. Auch die österreichische Bankenlandschaft, die es immer gewohnt war mit eigenen Ressourcen oder Töchtern zu arbeiten, hat sich geöffnet. Gerade im Bereich des Outsourcing hat sich in den letzten Jahren viel getan – das ist gut für die Branche insgesamt und daher auch für Atos. Wir müssen unseren Kunden wettbewerbsfähige Preise bieten und in unserer Kostenpolitik daher sehr geschickt und strukturiert vorgehen.

Stichwort Preise und Kostenpolitik: Es gibt kaum eine Branche, in der sich die Preisspirale so nach unten dreht wie in der IT. Wie reagiert Atos darauf? Es bleibt niemandem erspart, mit dem Markt zu gehen. Es gibt Services, die seit Jahren unter enormem Wettbewerbsdruck stehen, da muss man einfach mit dem Markt gehen. Da gibt es aber verschiedene Hebel: Es gibt Konsolidierung und Services aus der Cloud, es gibt Fragestellungen, wie man Prozesse verändern und Verfahren verschlanken kann. Es gibt aber auch eine positiv Entwicklung im oberen Beratungssegment, dort sind die Tagsätze und Personensätze attraktiv und steigen enorm an, weil gerade am österreichischen und auch am europäischen Markt zur Zeit eine größere Nachfrage besteht. In größeren Beratungsaufträgen können wir seit langer Zeit wieder, vor allem nach der wirtschaftlichen Erholung, auch Verbesserungen ­ der Preissituation für den Anbieter erkennen.

Das Gespräch führten Manfred Weiss und Rudolf N. Felser.

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