Hanns-Thomas Kopf, Atos: "An der Spitze der IT-Service-Dienstleister" Detail - Computerwelt

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03.10.2011 Manfred Weiss/Rudolf Felser

Hanns-Thomas Kopf, Atos: "An der Spitze der IT-Service-Dienstleister"

Mit dem Merger von Atos Origin und Siemens IT Solutions and Services ist ein Schwergewicht am Markt entstanden.

Der internationale IT-Servicedienstleister Atos und Siemens haben die Akquisition der ­Siemens IT Solutions and Services (SIS) durch Atos Anfang Juli abgeschlossen. Die Führung des dadurch entstandenen Unternehmens in Österreich und den CEE-Ländern hat der vorherige SIS Österreich-CEO Hanns-Thomas Kopf übernommen. Mit der COMPUTERWELT sprach Kopf über die Chancen, die sich aus dem Zusammenschluss für das Unternehmen und die Kunden am lokalen sowie internationale Markt ergeben.

Computerwelt: Ist die Übernahme der SIS durch Atos der letzte Akt der von Frau Eder eingeleiteten Abstoßung sämtlicher IT aus dem Siemens-Konzern? Hanns-Thomas Kopf: Naja ... Abstoßen war es nicht. Es war eher das Einbringen eines wesentlichen Geschäfts in eine Partnerschaft. Es war kein reiner Verkauf, sondern eine langjährige committete Partnerschaft. Man darf nicht vergessen, dass mit dem Einbringen der Siemens IT Solutions and Services (SIS) in die neue Atos Siemens auch gleichzeitig 15 Prozent der Aktien erworben hat – und die Absicht hat diese auch lange zu halten. Das bedeutete, dass man zwei große europäische Anbieter zusammengebracht hat. Atos ist international an der Pariser Börse gelistet, hatte vor dem Merger mit SIS einen größeren Aktionär der knapp über 20 Prozent der Anteile gehalten hat, alles andere war Streubesitz. Nachdem Siemens mit 1. Juli die SIS in die Atos eingebracht und gleichzeitig mit der Kapitalerhöhung 15 Prozent erworben hat ist sie einer der zwei großen Einzelaktionäre, die gemeinsam nicht einmal die Mehrheit besitzen. Insofern ist es eine Partnerschaft auf Jahre. Am besten belegt das der auf sieben Jahre abgeschlossene Dienstleistungsvertrag, den Siemens und Atos gleichzeitig mit der Transaktion unterschrieben haben – der in einer durchaus beachtlichen Größenordnung ist.

Siemens präsentiert sich aber letztendlich dem Markt gegenüber nicht mehr als IT-Konzern. Das wurde zweifellos von Frau Eder eingeleitet. Mit Beginn der Konzentration auf die drei Siemens-Geschäftsfelder Energie, Industrie und Gesundheit war es absehbar, dass man sich mit der Aufstellung auf die Wachstumsmärkte konzentriert hat. Damit ist es sicher eine ableitbare Konsequenz zu sagen, dass der IT-Bereich in die Atos zusammengebracht wurde. Aber trotzdem wurde auch eine langjährige Partnerschaft committet. Das ist wesentlich für SIS-Kunden, die diese Verantwortung die Siemens hat auch weiterhin sehen wollten.

Offiziell wurde die Übernahme mit 1. Juli abgeschlossen, es war ein sechsmonatiger Prozess. Aber wie lange wird es noch dauern, bis die Unternehmen wirklich eine Einheit bilden? Bei Transaktion dieser Größe sind die wettbewerbsrechtlichen Bestimmungen zu beachten und es ist eine Antitrust-Genehmigung in verschiedenen Ländern einzuholen. Das dauert seine Zeit. Überraschenderweise ist die amerikanische Freigabe kurz vor der Freigabe aus Brüssel eingelangt. Es ist also durchaus schnell gegangen. Auch in Ländern, die nicht zur EU gehören, mussten Genehmigungen eingeholt werden. Das betrifft vor allem auch unseren Wirschaftsraum. Wir sind aus Österreich heraus für 23 Länder verantwortlich. Einige dieser Länder sind nicht ein der Europäischen Union und wir mussten dort gesondert um diese wettbewerbsrechtlichen Bewilligungen ansuchen. Das kostet Zeit. Und wenn Sie sagen, die Übernahme ist nicht komplett abgeschlossen so liegt das vor allem daran, dass viele dieser rechtlichen Prozesse in den verschiedenen Ländern unterschiedlich lange dauern. Wenn Sie sich etwa die frühere SIS in Deutschland anschauen, so heißt die heute schon Atos und die Übernahme ist abgeschlossen. Wenn Sie mich fragen, warum das in Österreich noch nicht so ist, dann liegt das daran, dass hier Beschlüsse vorliegen und im Firmenbuch registriert werden müssen. Das wird noch einige Tage dauern, ist aber ein normaler Prozess (Anm.: Mittlerweile ist dieser Vorgang abgeschlossen, dass Unternehmen wird als Atos IT Solutions and Services GmbH). Die Frage ist nicht so sehr, ob rechtliche Umbenennung abgeschlossen ist, oder ob die Zusammenführung der zwei gesellschaftsrechtlichen Unternehmen Atos Origin Österreich und SIS Österreich abgeschlossen ist, sondern wie schnell konnten die Portfolios und Mitarbeiter zusammengeführt werden. Wie schnell haben die Kunden erkannt, dass sie einen Nutzen aus der Kooperation ziehen. Ich glaube, dass ist viel schneller gegangen. In den ersten Wochen nach der Ankündigung haben wir viel positives Echo bekommen. Vor allem auch darum, weil die österreichischen Kunden begeistert waren, dass es ein europäischer Konzern wird und nicht wie viele Auguren gemutmaßt haben eine asiatische Kooperation. Nicht nur ein europäischer Konzern, sondern auch noch ein deutsch-französischer Konzern der sich an die Spitze der IT-Service-Dienstleister in Europa gesetzt hat. Das bringt Sicherheit für die Kunden. Aus Portfolio-Sicht ergänzen sich die Unternehmen gut weil Siemens im öffentlichen Bereich, der Energie, Gesundheit und Industrie – und daher auch in der IT dort – stark ist. Atos hingegen ist bekanntlich sehr stark und erfolgreich bei Telekommunikation, Banken und auch bei Energie. Die Portfolios ergänzen sich sehr gut. Geografisch war Atos in Österreich mit einem Datacenter in Dornbirn stark in Westösterreich. Wir sind historisch gewachsen auch sehr stark im Süden, in der Mitte und im Osten Österreichs aufgestellt. International betrachtet war Siemens sehr dominant in Deutschland, sehr stark im im Osteuropäischen Raum von Wien aus, stark in UK und in USA und natürlich in der Schweiz. Atos hingegen ist sehr stark in Frankreich, wo SIS nie erfolgreich Fuß fassen konnte, in den iberischen Ländern, den Benelux-Staaten – durch die Akquisition der Origin von Philips –, und sehr stark im asiatischen Bereich. Hier ist auf internationaler Ebene viel Synergie und wenig Wettbewerb entstanden. Wenn man vielleicht von UK absieht, wo zwei gleich starke Partner zusammengekommen sind und sich – wenn man so sagen will – die Nummer zwei und drei verheiratet haben.

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