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08.09.2011 Michaela Holy

Wir sehen uns als professionelle Schnittstelle

Das Ein-Personen-Unternehmen Compuritas bietet das, was der IT-Branche eher fehlt: Eine Vorbildfunktion. Als sozial und ökologisch nachhaltiges Unternehmen hat es den Trigos-Preis für unternehmerische Verantwortung im Bereich "Gesellschaft" gewonnen.

Die Auszeichnung für gelebte Corporate Social Responsibility (CSR), der Trigos-Preis, wurde in der Kategorie »Gesellschaft« an das steirische EPU Compuritas vergeben. Das Unternehmen gewann mit seinem PC-Hardwarevergabe-Programm, bei dem gebrauchte Com­puter­hardware repariert und an gemein­nützige Organisationen vergeben wird. Rüdiger Wetzl, Gründer und Inhaber von Compuritas, spricht mit der COMPUTERWELT über sein ausgezeichnetes Unternehmen.

Was war die Intention, Compuritas zu gründen? Rüdiger Wetzl: Ich habe früher schon im EDV-Bereich gearbeitet, aber rein auf konventioneller Basis. Als ich mich dann entschlossen hatte, unternehmerisch tätig zu werden, wollte ich das mit einem Mehrwert – sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit – verbinden. Wir können im Bereich Handel oder Dienstleistung nicht mehr bieten als andere. Aber wer bei uns Kunde ist oder mit uns zusammenarbeitet, spürt diesen Mehrwert, und ich hoffe das hat auch eine gewisse Vorbildwirkung. Es ist nämlich grundsätzlich nicht gerade die IT-Branche, die Vorbildwirkung zeigt – ein Beispiel ist der Begriff »Green washing«, also sehr viel Werbung für die grüne Sache, an der Umsetzung hapert es aber gehörig. Da ist so etwas wie der Trigos-Preis für uns natürlich ein gutes Signal nach außen. Bevor Compuritas eine Firma geworden ist, war sogar die Überlegung da, eine NGO daraus zu machen. Wer mitarbeitet, muss aber auch davon leben können. Außerdem wäre ich abhängig von Förderungen – als Unternehmen bin ich das nicht.

Was genau bietet Compuritas? Compuritas macht verschiedene Dinge. Ein Thema ist die Beratung von Unternehmen und Institutionen im Bereich Green IT. Wir erheben den Ist-Zustand im Unternehmen. Es geht konkret um die Optimierung in der Energieeffizienz aber auch bei Routinen. 50 Prozent Ersparnis ist meist ohne große Maßnahmen möglich. Wir beraten auch im Bereich der Entsorgung, Ressourcenberatung ist ganz wichtig. Ein weiteres Thema ist Clean IT, auch die sozialen Standards sollen bedacht werden. Beginnend in der Produktion bis hin zur Entsorgung. Das heißt wir bieten auch dahingehend Beratungen an, das geht in einem. Wofür wir nun prämiert worden sind, ist das Sozialprogramm, das Hardwarevergabe-Programm. Das ist eine ganz eigene Schiene, damit hat es auch angefangen. Wir haben und suchen Kooperationen mit großen Unternehmen, teilweise Institutionen. Jedes Jahr werden in Österreich etwa eine Million Geräte gekauft, da kann man sich ausrechnen dass ebenso viele Geräte nicht mehr gebraucht werden. Es war lange Zeit üblich, dass Unternehmen den Mitarbeitern die Geräte angeboten haben, das ist mittlerweile nicht mehr en vogue. Dann gibt es einen eigenen Broker-Markt für Gebraucht-Geräte, da gibt es aber leider gerade im Sozialen nicht so tolle Geschichten. Wir übernehmen nun die Hardware und sehen uns als Schnittstelle. Die Caritas zum Beispiel erhält viele Angebote, Hardware zu übernehmen. Das können sie aber nicht, weil sowohl Personal als auch Know-how fehlt, die Geräte in Stand zu setzen. Das ist also genau das, was wir machen: Wir sind eine professionelle Schnittstelle zwischen denen, die Hardware zur Verfügung stellen und jenen, die sie kriegen sollen. Wir setzen die Geräte in Stand und rüsten sie mit Software aus.

Wie verdienen Sie dabei Geld? Wir verlangen für die Hardware einen Aufwandsentschädigungsbetrag, der weit unter dem Marktpreis liegt. Es soll natürlich auch ein gewisser Wert mitvermittelt werden. Wir sind keine Gebrauchthardware-Händler, sondern wir wollen die Geräte gezielt weitergeben. Würden wir es zu günstig machen – und mit 100 Euro für ein Komplettsystem mit Software und Garantie sind wir sehr günstig – hätten wir die Gefahr, dass es weiter verkauft wird.

Woher kommt die Software? Wir haben einerseits Ubuntu – Edubuntu um genau zu sein – wenn es darum geht Auslandsprojekte in der Entwicklungspolitik zu unterstützen. Wir haben auch eine Microsoft Refurbishment Partnerschaft und gehören damit zu den Partnern, denen Microsoft Lizenzen günstiger zur Verfügung stellt.

Wie haben Sie von Trigos erfahren? Ich kenne den Trigos schon lange. Es war aber bis zu diesem Jahr kein Thema daran teilzunehmen, weil es schon ein gewisser Aufwand ist. Muss es auch sein. Das war heuer einfach mal ein Versuch und der ist gut gegangen.

Wie nutzen Sie den Trigos-Preis für Compuritas? Den Preis zu gewinnen ist nett und das steht in der Zeitung, aber die muss ja auch gelesen werden. Man hat außerdem schon viele Kontakte, alle Stakeholder werden natürlich auch informiert. Man merkt dann an den Rückmeldungen schon, dass das gut ankommt, wobei das auch ein gutes Feedback ist, wie man vorher zusammengearbeitet hat. Wenn das Feedback umfassend und gut ist merkt man, dass schon vorher eine gegenseitige Wertschätzung da war. Das ist natürlich um das weiter zu festigen eine tolle Sache. Compuritas positioniert sich aber grundsätzlich als ein Unternehmen, das ökologisch und sozial vorbildlich in diesem Segment der IT dastehen möchte.

Haben sich nach der Auszeichnung Unternehmen gemeldet, die Partner werden wollen? Nicht unmittelbar. Man kann sich durch den Preis schon einen gewissen Vorsprung erarbeiten. Das muss man nun auch entsprechend nutzen.

Wollen Unternehmen, die Hardware zur Verfügung stellen, wissen, wen Sie unterstützen? Wir bieten komplette Transparenz. Es wird nicht versprochen dass dieses Gerät mit dieser Registrier-Nummer genau dorthin geht. Es gibt aber natürlich auf Wunsch Information beziehungsweise einen Newsletter, wo steht welches Projekt mit welchem Gerätepool realisiert wurde.

Wie sieht es mit der Datensicherheit aus? Wir garantieren, dass alle Daten software-geshreddert werden. Die meisten Unternehmen geben uns die Geräte ohnehin schon formatiert. Wir haben aber von Unternehmen auch schon Geräte bekommen, wo sich eine Beratung zum Thema IT-Sicherheit aufdrängt.

Das Gespräch führte Michaela Holy.

Zur Person: Rüdiger Wetzl studierte Germanistik und Kulturmanagement in Graz und Bristol und arbeitete zehn Jahre lang als EDV-Techniker. 2009 gründete Wetzl schließlich das ökologisch und sozial nachhaltige IT-Unternehmen Compuritas, das er mit seinem Projektpartner Jakob Eichberger führt. Wetzl ist außerdem Mitglied im Fachausschuss Maschinenhandel der Wirtschaftskammer Steiermark sowie im Bundesgremialausschuss Maschinenhandel der WK Österreich, Mitglied der Open Source Experts Group (OSEG) Steiermark und Mitglied im Leitungsteam der OSEG Österreich.

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