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01.06.2011 Rudolf Felser

WKÖ: "Finanzkrise locker überwunden"

Das Jahr 2010 ist für die in der WKÖ in der Bundessparte Information und Consulting zusammengefassten Unternehmen gut verlaufen.

Auch die von KMU Forschung Austria erhobenen Werte für das erste Halbjahr 2011 sowie die Prognose für den Rest des laufenden Jahres sehen gut aus, wie Bundesspartenobmann Hans-Jürgen Pollirer (im Bild rechts) heute bei der Präsentation der Ergebnisse bekanntgab. "Die Unternehmen des Informations- und Kommunikationssektors haben im Geschäftsjahr 2010 zur Wirtschaftsleistung Österreichs einen Gesamtumsatz von 50,6 Mrd. Euro beigetragen – zur Exportleistung immerhin 7,5 Mrd. Euro. Wir fühlen uns als Treiber der Wirtschaft", so Pollirer. Insgesamt gehören der Sparte rund 113.000 Unternehmen an, die 187.000 Arbeitsplätze bieten (unselbständig beschäftigte). Rechne man die rund zwei Drittel EPUs (Ein-Personen-Unternehmen) hinzu, kommt man auf eine Beschäftigungszahl von etwa 230.000 Personen.

"AUF DEM BESTEN WEG" Das nominelle Umsatzwachstum von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr liege weit über jenem der anderen Sparten. "Wir haben die Finanzkrise locker überwunden. Zwar befinden wir uns noch nicht auf dem Niveau von vor 2008, sind aber auf dem besten Wege wieder an diese hervorragenden Zahlen anzuschließen", ist der Bundesspartenobmann überzeugt.

Innerhalb der Bundessparte hatte die Gruppe "Unternehmensberatung und IT" 2010 das größte Umsatzwachstum zu verzeichnen. Sie liegt mit 9,7 Prozent deutlich über dem Durchschnitt der Sparte und damit noch vor den Finanzdienstleistern und den Versicherungsmaklern. Das Schlusslicht mit 1,6 bzw. 1,4 Prozent bildeten die Gruppen "Druck" sowie "Buch-/Medienwirtschaft", die Probleme haben sich langfristig zu erholen. Auch beim Anteil der Exporte am Gesamtumsatz liegt die Gruppe "Unternehmensberatung und IT" mit 19,4 Prozent (das Mittel der Sparte liegt bei 14,2 Prozent) an erster Stelle. Ebenso wie bei den Investitionen in Prozent des Gesamtumsatzes, der hier bei 7,6 Prozent liegt (Mittel: 6,5 Prozent).

Für den Jahresbeginn 2011 wurde von den Unternehmern der Bundessparte Information und Consulting eine "eher gute" Auftragslage gemeldet. Für das gesamte erste Halbjahr erwarten sie Umsatzzuwächse (+4,7 Prozent) mit positiven Auswirkungen auf den Beschäftigtenstand (+0,4 Prozent) und die Investitionen (+5,3 Prozent).

FACHKRÄFTE FEHLEN WEITERHIN Trotz der guten Zahlen gibt es auch Grund zur Sorge. Pollirer: "In der IT leiden wir weiter an einem Mangel an Personal in der Entwicklung. Das hängt damit zusammen, dass wir noch immer unter dem Platzen der .com-Blase im Jahr 2000 leiden. Das wird erst langsam besser. Dazu kommt noch der geringe Frauenanteil in der IT. Hier müsste man schon im Elternhaus ansetzen. Mädchen tendieren zu 50 Prozent immer noch zu traditionellen Berufen."

Besonders gesucht würden Softwareentwickler und Vertriebler. Der Mangel an rund 10.000 Arbeitskräften sei jedenfalls nicht durch Zuzug aus dem Ausland zu decken. Dazu Walter Bornett (im Bild links) von KMU Forschung Austria: "Generell wird die Attraktivität des Landes Österreich überschätzt, sie ist nicht mehr so groß wie vielleicht noch vor zehn Jahren. Die guten Leute sind schon weg, in Länder die ihre Grenzen früher geöffnet haben. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sind hierzulande nicht das Gelbe vom Ei."

FESTPLATTENABGABE Den Etappensieg von Hewlett Packard (HP) über die Verwertungsgesellschaft Austro Mechana im Streit um die im Oktober 2010 eingeführte Festplattenabgabe – HP hat kürzlich in erster Instanz Recht bekommen – bewertet Rene Bogendorfer, Geschäftsführer Stellvertreter der Bundessparte Information und Consulting, gegenüber Computerwelt.at "grundsätzlich positiv". Natürlich handle es sich noch um ein laufendes Verfahren dessen Ausgang noch ungewiss sei. Bogendorfer geht davon aus, dass das Verfahren durch alle Instanzen gehen wird, bevor eine endgültige Entscheidung fällt.

"Ich glaube, dass der oberste Gerichtshof das schon 2005 entschieden hat, in dem sogenannten Gericom-Urteil. Aus unserer Sicht ist nicht nachvollziehbar, warum die Austro Mechana es noch einmal versucht. Das sorgt wieder für Rechtsunsicherheit und die Unternehmen müssen Rücklagen bilden", so Bogendorfer weiter.

Die Digitalisierung von Musik und Co. hat puncto Urheberrecht viele rechtliche Frage aufgeworfen, werden doch Lieder schon lange nicht mehr auf Kassetten, sondern auf Festplatten gespeichert. Die Künstler schauen dabei vielfach durch die Finger. Im Vorjahr wurde dann die aus den 1980er Jahren stammende Regelung auf Festplatten ausgeweitet, laut Austro Mechana fallen für die Mehrheit der betroffenen Festplatte zwölf bis 15 Euro an. Bei Computerhändlern sorgte dies für einen regelrechten Aufschrei, auch die Internetwirtschaft und die Arbeiterkammer wetterten gegen die Abgabe.

Auch laut der Richterin, die den aktuellen Fall entschieden hat, ist das sogenannte "Gericom-Urteil" aus 2005 "zu hundert Prozent auf den gegenständlichen Rechtsstreit anwendbar". Damals ist der OGH zur Erkenntnis gekommen, dass Festplatten für Computer, "die in wirtschaftlich nicht zu vernachlässigendem Ausmaß multifunktional verwendet werden", nicht der Leerkassettenvergütung unterliegen. (rnf)

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