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24.05.2011 apa/Christof Baumgartner

IBM überholt Microsoft an der Börse

Der Softwarepionier Microsoft fällt im Wettlauf der wertvollsten US-Technologieriesen weiter zurück: Erstmals seit 15 Jahren ist der Windows-Hersteller an der Börse wieder weniger wert als IBM. Damit rutscht der seit 11 Jahren von Steve Ballmer geführte Konzern aus Seattle auf Platz 3 ab.

Bereits vergangenes Jahr zog Apple an Microsoft vorbei. Nach Reuters-Daten kam IBM zum New Yorker Börsenschluss am Montag auf einen Marktwert von 203,8 Mrd. Dollar (145 Mrd. Euro) und Microsoft mit 203,7 Mrd. Dollar auf 100 Mio. weniger. Apple bleibt mit derzeit 309,2 Mrd. Dollar das gemessen am Börsenwert unangefochten teuerste US-Technologieunternehmen.

Die Entwicklung markiert eine weitere glücklose Etappe in Microsofts jüngerer Geschichte: Dem Marktführer gelingt es nicht, die Investoren davon zu überzeugen, dass er wie in der Vergangenheit auch in Zukunft mit technologischen Neuerungen trumpfen kann. Wer vor 10 Jahren 100.000 Dollar in IBM-Papiere investiert hat, käme heute auf 143.000 Dollar. Bei Microsoft wären es nur rund 69.000 Dollar.

WENDEPUNKT Der Tausch der Plätze in der Tabelle ist zugleich der nächste Wendepunkt in der gemeinsamen Geschichte der beiden Großunternehmen: IBM dominierte über Jahrzehnte die Computerbranche und heuerte dann Anfang der 1980er Jahre die kleine, unbekannte Softwarefirma Microsoft an, um sich für seinen neuen Personal Computer ein anständiges Betriebssystem entwickeln zu lassen. Dem langjährigen Microsoft-Chef und Gründer Bill Gates ist es gelungen, diesen Durchbruch in eine Marktführerschaft umzuwandeln. Seine Theorie, wonach Software mehr wert sei als Hardware, schien sich zu bestätigen, als Microsoft bis Ende 1999 an der Börse etwa dreimal so viel wert war wie IBM. Damals war Microsoft sogar das teuerste US-Unternehmen überhaupt.

Der Aufstieg von Microsoft ließ IBM zunehmend als altmodisches und schwerfälliges Unternehmen dastehen, das mit den rasanten Veränderungen in der Branche nicht mithalten kann. Anfang der 1990er Jahre verbrannte das auch als "Big Blue" bezeichnete Unternehmen aus The Armonk im US-Bundesstaat New York jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar. IBM-Chef Louis Gerstner gelang es dann aber, das Ruder herumzureißen.

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 wurden die Karten neu gemischt. Trotz des steten Gewinn- und Umsatzanstiegs bei Microsoft in den vergangenen zehn Jahren, kommt die Aktie unter Ballmer nicht in Schwung. Zwar dominiert Microsoft noch immer den Markt für Betriebssysteme, den neuen Markt für Internetwerbung hat aber Google fest im Griff, bei Smartphones und Tablet-PCs wiederum weist Apple den Weg. Auch mit den neuen Online-Netzwerken wie Facebook oder Twitter tut sich Microsoft schwer. Den Marken-Forschern von Millward Brown zufolge ist Microsoft auch nur noch die fünftwichtigste Marke weltweit - nach Apple, Google und IBM sowie McDonald's.

IBM dagegen hat in der Zwischenzeit eifrig sein Profil geschärft und sich als Spezialanbieter für Geschäftssoftware, Server und Beratung positioniert. IBM ist nun das viertgrößte Unternehmen der USA - auf Basis des Börsenwertes nach dem Ölmulti Exxon Mobil, Apple und General Electric. (apa)

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