In den nächsten Jahren werden uns Tablets stark beschäftigen Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


06.04.2011 Alex Wolschann/Rudolf Felser

In den nächsten Jahren werden uns Tablets stark beschäftigen

Klassische Medien bleiben, Online-Video und Tablets holen auf.

Marcus Hebein ist Leiter des APA-Profitcenters Multimedia und stellvertretender Chefredakteur der Nachrichtenagentur. Mit der COMPUTERWELT spricht der langjährige Journalist über (Video-)Content, neue Plattformen wie Tablets sowie den heimischen wie auch internationalen Online-Markt.

Wie entstand APA Multimedia? Marcus Hebein: 2001 wurde APA Multimedia als eigenes Profitcenter gegründet, damals als zusätzliche redaktionelle Einheit – die ein bisschen mehr macht. Wir sind der redaktionelle Bereich der APA, der sich inhaltlich mit den neuen Medien beschäftigt. Was wir nicht entwickeln, sind Applikationen. Das macht APA IT, eine hundertprozentige APA-Tochter. Aber wir arbeiten eng zusammen.

Was waren die Hauptaufgabengebiete bei der Gründung? Es waren zwei Schwerpunkte: Der Portalmarkt und Mobilfunkunternehmen. Wir liefern reine Inhalte, technisch besser aufbereitet, damit sie automatisch integriert werden können. Zweites Standbein war damals insbesondere noch der Mobilfunkmarkt. Das war die Zeit rund um den UMTS-Boom. Wir haben Mobilfunkunternehmen mit Content versorgt, etwa mit SMS-Schlagzeilen oder SMS-Newsdiensten. Von »normalen« Breaking News bis Horoskope und Wetter. Das war kein kleiner Markt und ist es weiterhin nicht.

Wie steht Österreich im internationalen Vergleich bei Infrastruktur und der Nachfrage nach diesen Diensten da? Österreich war in den 90er-Jahren bis 2000 im Medienbereich und bei der technischen Entwicklung sehr weit vorn. Die ersten Tageszeitungen im Internet waren unter anderem auch österreichische – und haben europaweit zu den Besten gehört. Der Mobilfunkmarkt war einer der entwickeltsten, weil auf dem vergleichsweise kleinen Markt sehr viele Mobilfunker aktiv waren und eine sehr große Durchdringung geherrscht hat. Auch was die Services betrifft war Österreichs sehr weit vorne. Das hat sich mittlerweile ein bisschen verschoben, andere Länder haben aufgeholt und zum Teil überholt. Nicht zuletzt deswegen, weil der Werbemarkt in anderen Ländern – was neue Medien betrifft – weiter ist.

Woran liegt das? Das hat mit der Größe des Marktes und auch mit der Medienstruktur zu tun. Wir haben vergleichsweise wenige Tageszeitungen. Natürlich stürzen sich die großen Entwicklungen auf die Märkte mit dem größten Volumen und der größten Dynamik, das sind der deutsche und der britische Markt, auch der französische.

Sie sprechen hauptsächlich von Europa? Die Amerikaner haben einen ganz anderen Medienmarkt. Auch der asiatische Markt ist ganz anders. Es ist hochspannend zu sehen, wie sich der Markt andernorts entwickelt. Etwa die Überlegung, warum Mobilfunk in Japan ganz anders funktioniert als bei uns. Ein Grund ist beispielsweise, dass die Japaner jeden Tag am Morgen eine bis eineinhalb Stunden im Zug auf dem Weg zur Arbeit verbringen.

Was macht APA Multimedia heute? Insbesondere in diesen Monaten sind es zwei Themen: Video und neue Plattformen. Mit Video haben wir vor drei Jahren begonnen, es wird immer mehr Videocontent verlangt. Dieser Bereich wird werbemäßig in Zukunft eine große Rolle spielen. Was andere Plattformen betrifft, geht es derzeit sehr stark um Tablets, insbesondere das um iPad. Die nächsten Jahre werden uns die Tablets von der inhaltlichen und technischen Seite stark beschäftigen.

Glauben Sie, dass es für klassische Medien künftig schwer wird? Ich glaube, dass es für das eine oder andere Medienhaus schwer werden könnte. Aber Print und TV werden weiter ihre Rolle behalten – nur der Stellenwert wird etwas kleiner. BBC und Guardian glaubten vor fünf Jahren, dass Print nicht überleben wird. Damals war die Angst davor auch bei uns viel größer. Mittlerweile hat sich das gelegt. Klassische Medien werden weiterhin eine Rolle spielen, auch wenn die Umsatzerlöse zurückgehen – es werden andere Erlösquellen dazukommen. Der Träger der Marke eines Medienhauses wird aber weiterhin das Ursprungsmedium bleiben.

Das Gespräch führten Alex Wolschann und Rudolf Felser.

Zur Person: Hebein begann seine Karriere in der APA 1994 als Redakteur bei den APA-Journalen und wechselte 1996 in das Team des Nachrichtenüberblicks. Maßgeblich am Aufbau des Profitcenters APA-Multimedia beteiligt, übernahm der gebürtige Villacher 2004 dessen Leitung. Ab 2006 entwickelte er die APA-Video-Schiene. Seit Juni 2009 ergänzt Hebein als stellvertretender Chefredakteur die redaktionelle Führungsetage der Nachrichtenagentur. Hebein ist zudem fallweise als Lehrbeauftragter, unter anderem am Institut für Journalismus & Medienmanagement der FH Wien, tätig.

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