Marcus Hebein, APA Multimedia: "In den nächsten Jahren werden uns Tablets stark beschäftigen" Detail - Computerwelt

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04.04.2011 Alex Wolschann/Rudolf Felser

Marcus Hebein, APA Multimedia: "In den nächsten Jahren werden uns Tablets stark beschäftigen"

Marcus Hebein, langjähriger Journalist, ist Leiter des APA-Profitcenters Multimedia und stellvertretender Chefredakteur der Nachrichtenagentur.

Mit der COMPUTERWELT spricht er über (Video-)Content, neue Plattformen wie Tablets sowie den heimischen wie auch internationalen Werbe- und Medienmarkt im Online-Bereich.

Was macht APA Multimedia? Marcus Hebein: 2001 wurde APA Multimedia als eigenes Profitcenter gegründet, damals als zusätzliche redaktionelle Einheit – die ein bisschen mehr macht. Wir sind der redaktionelle Bereich der APA, der sich inhaltlich mit den neuen Medien beschäftigt. Bei uns sitzen Redakteure und ein paar Produktentwickler. Was wir aber grundsätzlich nicht entwickeln sind Applikationen. Das macht die APA IT, eine hundertprozentige APA-Tochter. Wir sind natürlich der Hauptkunde von APA IT, deswegen arbeiten wir auch eng zusammen.

Was waren zur Gründung die Hauptaufgabengebiete? Damals waren es zwei Schwerpunkte: Der Internet- beziehungsweise Portalmarkt und Mobilfunkunternehmen. Wir liefern reine Inhalte – oder auch Flash-Grafiken –, technisch besser aufbereitet damit sie automatisch integriert werden können. Zweites Standbein war damals insbesondere noch der Mobilfunkmarkt. Das war die Zeit rund um den UMTS-Boom. Wir haben Mobilfunkunternehmen mit Content versorgt, etwa mit SMS-Schlagzeilen oder SMS-Newsdiensten. Von "normalen" Breaking News bis Horoskope und Wetter. Das war damals kein kleiner Markt und ist nach wie vor nicht.

Wie steht Österreich im internationalen Vergleich da, was Infrastruktur und die Nachfrage nach diesen Diensten betrifft? Österreich war in den 90er Jahren bis 2000 im Medienbereich und bei der technischen Entwicklung sehr weit vorn. Die ersten Tageszeitungen im Internet waren unter anderem auch österreichische – und haben europaweit zu den besten gehört. Der Mobilfunkmarkt in Österreich war einer der entwickeltsten, weil auf dem vergleichsweise kleinen Markt sehr viele Mobilfunker aktiv waren und eine sehr große Durchdringung geherrscht hat. Auch was die Services betrifft war Österreichs sehr weit vorne. Das hat sich mittlerweile ein bisschen verschoben, andere Länder haben aufgeholt und zum Teil überholt. Nicht zuletzt deswegen, weil der Werbemarkt in anderen Ländern – was neue Medien betrifft – weiter ist.

Woran liegt das? Das hat mit der Größe des Marktes und vielleicht auch mit der Medienstruktur zu tun. Wir haben vergleichsweise wenig Tageszeitungen. Natürlich stürzen sich die großen Entwicklungen auf die Märkte mit dem größten Volumen und der größten Dynamik für Entwicklungen, das sind der deutsche und der britische Markt, auch der französische. Von der Innovation: Wenn ich mir ansehe, welche Rolle die APA im Vergleich zu anderen Nachrichtenagenturen einnimmt, sind wir was neue Modelle betrifft immer noch weit vorn.

Sie sprechen hauptsächlich von Europa? Die Amerikaner haben einen ganz anderen Medienmarkt. Auch der asiatische Markt ist ganz anders. Es ist hochspannend zu sehen, wie sich der Markt andernorts entwickelt. Etwa die Überlegung, warum Mobilfunk in Japan ganz anders funktioniert als bei uns. Ein Grund ist beispielsweise, dass die Japaner jeden Tag am Morgen eine bis eineinhalb Stunden im Zug auf dem Weg zur Arbeit verbringen.

Was sind heute die Aufgaben von APA Multimedia? Heute – und besonders in diesen Monaten – sind es besonders zwei Themen: Das eine ist Video und das andere sind neue Plattformen. Wir haben eine eigene Videoproduktion, eigene Kameraleute. Mit dem Thema Video vor drei Jahren begonnen, wir wissen es wird immer mehr Videocontent verlangt. Dieser Bereich wird werbemäßig in Zukunft eine große Rolle spielen. Was andere Plattformen betrifft geht es derzeit sehr stark um Tablets, insbesondere das iPad. Die nächsten Jahre werden uns Tablets auf inhaltlicher und technischer Ebene stark beschäftigen.

Was sind die Anforderungen des Kunden bei Video? Als wir mit Video begonnen haben, haben wir für den Online-Markt produziert. Der TV-Markt in Österreich war für uns nicht so interessant. Wir dachten zu Anfang, im Internet wären "lockere" Themen gefragt, sind aber schnell zu unseren Kernkompetenzen Breaking News und Politik zurückgekehrt. Diese Inhalte wurden – und werden – stark nachgefragt. Es ist überhaupt nicht der Fall, dass im Internet nur bestimmte Themen abgerufen werden, bloß weil es ein junges Medium ist.

Glauben Sie, dass es für klassische Medien künftig schwer wird? Ich glaube, dass es für das eine oder andere Medienhaus schwer werden könnte. Aber Print und TV werden weiter ihre Rolle behalten – nur der Stellenwert wird etwas kleiner. Vor fünf Jahren war ich auf einem Medienkongress in London. BBC und Guardian glaubten damals, dass Print die nächsten fünf Jahre nicht überleben wird. Damals war die Angst davor auch bei uns viel größer. Mittlerweile hat sich das ein wenig gelegt. Klassische Medien werden weiterhin eine Rolle spielen, die Umsatzerlöse werden zurückgehen – es werden andere Erlösquellen dazukommen. Der Träger der Marke eines Medienhauses wird aber weiterhin das Ursprungsmedium bleiben.

Das Gespräch führten Alex Wolschann und Rudy Felser.

Zur Person: Marcus Hebein begann seine Karriere in der APA 1994 als Redakteur bei den APA-Journalen und wechselte 1996 in das Team des Nachrichtenüberblicks. Maßgeblich am Aufbau des Profitcenters APA-Multimedia beteiligt, übernahm der gebürtige Villacher 2004 dessen Leitung. In dieser Funktion entwickelte er ab 2006 die APA-Video-Nachrichtenschiene. Seit Juni 2009 ergänzt Hebein als stellvertretender Chefredakteur die redaktionelle Führungsetage der Nachrichtenagentur. Neben seiner Tätigkeit für die APA ist Hebein fallweise als Lehrbeauftragter unter anderem am Institut für Journalismus & Medienmanagement der FH Wien tätig.

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