Telekom Srbija: Kritik an österreichischem Angebot Detail - Computerwelt

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22.03.2011 apa/Rudolf Felser

Telekom Srbija: Kritik an österreichischem Angebot

Die ersten Reaktionen Belgrads auf das Angebot der Telekom Austria zum Erwerb des zum Verkauf stehenden 51-prozentigen Anteils der Telekom Srbija waren negativ.

Dass ein Scheitern der Ausschreibung bevorstehen dürfte, hat der seit kurzem auch für die Telekommunikation zuständige neue Kulturminister Predrag Markovic angedeutet. Das Angebot der Österreicher sei "beleidigend" und "weit unter dem festgelegten Mindestpreis", meinte der Minister gegenüber dem Sender "B-92". Auch etliche Belgrader Wirtschaftsexperten äußerten sich unisono negativ zum Angebot der Österreicher.

Die Arbeitsgruppe für die Privatisierung der Telekom Srbija will am Montag den Standpunkt der Regierung veröffentlichen. Formal betrachtet habe die Telekom Austria die Ausschreibungsbedingungen erfüllt, meinte ihr Leiter Vuk Djokovic am Montagabend. Die Belgrader Regierung hatte den Mindestpreis für die Telekom Srbija auf 1,4 Mrd. Euro gesetzt. Die Österreicher bieten 800 bis 950 Mio. Euro als Kaufpreis für 51 Prozent des serbischen Unternehmens. Rechnet man die versprochenen 450 Mio. Euro für Investitionen in den kommenden drei Jahren hinzu, ist der festgelegte Mindestpreis erreicht.

"Wir werden das Angebot analysieren und über die weiteren Schritte entscheiden", präzisierte Djokovic gegenüber dem TV-Sender "B-92" unter Hinweis, dass man die Telekom Austria auch auffordern könnte, das Angebot nachzubessern. Eventuelle weitere Verhandlungen mit der Telekom Austria würden einen Verstoß gegen das Gesetz und die Verfassung bedeuten, ist die einstige Telekommunikationsministerin Aleksandra Smiljanic überzeugt, die eine entschlossene Gegnerin der Telekom-Privatisierung ist.

UNTERSCHRIFTEN GEGEN PRIVATISIERUNG Auch Belgrader Investitionsexperten sprachen sich Medien gegenüber gegen die Annahme des Angebots aus. Die Opposition, die in den letzten Wochen gegen den Verkauf der Telekom Srbija als erfolgreichstes staatliches Unternehmen mobilisierte hatte, sammelte laut eigenen Angaben bereits rund 100.000 Unterschriften gegen die Privatisierung. Als "absolut unannehmbar" für die Regierung wurde das Angebot von der Tageszeitung "Vecernje novosti" bezeichnet. "Es gibt keinen Käufer für die Telekom", titelte das Blatt seinen Bericht. "Der Verkauf der Telekom gescheitert", heißt es bei der Tageszeitung "Blic".

"Österreicher haben absichtlich ein schlechtes Angebot gemacht", glaubt die Tageszeitung "Danas". Das zugestellte Offert würde die Marktrealität widerspiegeln, meinte Vladimir Gligorov, Wirtschaftsforscher und Balkanexperte des Wiener Instituts für Internationalen Wirtschaftsvergleich (WIIW). Es bleibe zu sehen, ob der Verkauf zu niedrigem Preis den politischen und finanziellen Interessen der Regierung entspreche, die nicht ganz klar seien, so Gligorov.

Nur ein Angebot für die Telekom Srbija sei eine Niederlage für die Regierung, berichtete auch die Tageszeitung "Politika" unter Berufung auf mehrere Wirtschaftsexperten. "Österreicher möchten die Telekom, allerdings zu niedrigerem Preis", lautet die Schlagzeile bei dem regierungsnahen Blatt.

Die serbische Regierung hatte mindestens vier Angebote erwartet, mögliche Konkurrenten der Österreicher wie die Deutsche Telekom, France Telecom, die mexikanische America Movil, die türkische Turkcell oder die ägyptische Weather Investments hatten schon vor Ende der Angebotsfrist abgewunken. Die Telekom Austria stellte ihr Offert 15 Minuten vor dem Ablauf der Frist zu.

Laut Telekom Austria hat Telekom Srbija 2010 einen geschätzten Umsatz von 1,157 Mrd. Euro erzielt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) betrug 483 Mio. Euro, während die Nettoverschuldung bei 609 Mio. Euro lag. Insgesamt hat die Telekom Srbija 7,26 Millionen Mobilfunk- und 3,35 Millionen Festnetzkunden. Das Unternehmen hat serbischen Angaben zufolge rund 9.500 Mitarbeiter.

Der Staat hält 80 Prozent an der Telekom Srbija, weitere 20 Prozent befinden sich im Besitz der griechischen OTE, an der die Deutsche Telekom wiederum 30 Prozent hält. Die Griechen entschlossen sich nach wochenlangen Verhandlungen mit der Belgrader Regierung erst kürzlich zum Verkauf ihres Anteils. Potenzielle Käufer wurden informiert, dass zum Verkauf nun der Telekom-Srbija-Anteil der Griechen und ein 31-prozentiger Anteil des serbischen Staates stehen.

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