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18.03.2011 apa/Michaela Holy

Spiele-Branche im Umbruch

Der Computerspiele-Markt steht vor einer Umwälzung: Der klassische Softwareverkauf schwächelt, Online- und Handy-Spiele werden immer beliebter. Die Branchenriesen bringen daher Marken wie die "Siedler" gratis ins Netz und hoffen auf Umsatz über einen Umweg.

Die Siedler gehört zu den erfolgreichsten Computerspielen, die je in Deutschland herausgekommen sind. Die erste Ausgabe erschien 1993. Es folgten diverse Nachfolger, Zusatzpakete, Gold- und Platin-Versionen, zumeist verkauft in einer handlichen Box - ein einträgliches Geschäft für den Entwickler Bluebyte, der seit 2001 zum französischen Ubisoft-Konzern gehört. Doch seit 2010 lässt das Unternehmen die Figuren auch kostenlos über den Bildschirm wuseln - als Spiel für den Browser und Facebook.

Es ist das Anzeichen eines tiefgreifenden Wandels: Der Verkauf von Computerspielen bringt der Branche zwar noch Milliardenumsätze. Doch gerade die Hersteller von PC-Spielen wie Ubisoft haben mit Kaufunlust und Raubkopien zu kämpfen. Dagegen boomen Online-Spiele, für die Nutzer wenig mehr brauchen als einen Rechner mit Internetverbindung. Junge Firmen wie Zynga und Bigpoint machen den alteingesessenen Konzernen vor, wie das funktioniert.

Die Erfolgsformel lautet "free to play": Nutzer können sich kostenlos in der Spielewelt tummeln. Bezahlen müssen sie nur für besondere virtuelle Güter, bei den "Siedlern" etwa Rohstoffe, auf die sie sonst lange warten würden. "Meist erkaufen sich die Spieler Zeit", erklärt Odile Limpach, Managerin bei der Ubisoft-Tochter Bluebyte. Oder es geht darum, die Stadt aufzuhübschen. Wer bei der Facebook-Version der "Siedler" ein Klohäuschen kaufen will, braucht Prestige-Punkte - und die gibt es am schnellsten, wenn man die Kreditkarte zückt.

Der Umsatz mit solchen Mikro-Transaktionen ist zwar noch relativ klein, Experten erwarten aber ein rasantes Wachstum. Das ist auch daran abzulesen, dass der US-Anbieter Zynga auf rund zehn Milliarden Dollar (7,14 Milliarden Euro) taxiert wird und damit mehr wert ist als der angeschlagene Riese Electronic Arts, der an der Börse derzeit auf einen Marktwert von gut sechs Milliarden Dollar kommt.

In diesem Markt wollen auch die Großen der Branche mitmischen: "Die Hersteller haben erkannt, welches Potenzial das Geschäft mit Online-Spielen hat", sagt Reimar Müller von der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers. Sie verfolgten daher eine "Multikanal-Strategie": Überall wo Nutzer spielen, wollen sie präsent sein. "Wir müssen alle wichtigen Plattformen bedienen", betont Managerin Limpach und meint damit den Browser und Facebook, aber natürlich auch Smartphones, die als handliches Spielgerät immer dabei sind.

Die Marke "Siedler" soll Ubisoft helfen, sich von der vielfältigen Konkurrenz abzusetzen. Dafür versucht das Unternehmen, das Beste aus alter und neuer Spielewelt zu kombinieren. Die Figuren von "Siedler Online" sind trotz einiger Abstriche bei der Grafik so niedlich wie die aus dem Original - etwa der dümmlich guckende Soldat oder der Handwerker mit dem Hammer auf der Schulter. Und das Ziel lautet ebenfalls, ein Reich aufzubauen.

Dass die Online-Aktivitäten dem Kerngeschäft von Anbietern wie Ubisoft schaden, glaubt Experte Müller nicht. "Free-to-play-Spiele erreichen einen größeren Nutzerkreis." 40 oder 50 Euro für den Vollpreistitel geben vor allem die Fans aus. Das Gratisangebot locke dagegen auch Gelegenheitsspieler, sagt Müller: "Das sind Leute, die auch mal in der Mittagspause im Büro ein bisschen spielen." Mancher komme so auf den Geschmack und kaufe sich später vielleicht auch ein PC-Spiel.

Ubisoft und Co rüsten sich damit auch für eine Zukunft, in der die Unterschiede zwischen Browserspielen und Titeln für PC oder Konsole immer mehr verschwimmen. "Vor ein paar Jahren waren Online-Spiele noch sehr, sehr simpel", sagte Müller. "Mittlerweile hat man aber fast ein Erlebnis wie auf der Spielkonsole." Warum dann noch viel Geld für ein Spiel ausgeben, von dem man nicht weiß, ob es Spaß macht?

Eine Entscheidung gegen das alte Geschäftsmodell sind die Online-Aktivitäten trotz allem aber nicht. "Der PC-Markt ist in den letzten Jahren geschrumpft. Aber wir können noch viele Jahre gute Geschäfte machen", sagt Limpach.

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