E-Health: ELGA nimmt Gestalt an Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


17.02.2011 apa/Rudolf Felser

E-Health: ELGA nimmt Gestalt an

Die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) nimmt nach jahrelangen Planungen nun Gestalt an. Gesundheitsminister Alois Stöger wird das Gesetz in den nächsten Tagen in Begutachtung schicken.

Mit ELGA sollen allen Befunde und gesundheitsrelevanten Dokumente gespeichert und für Patienten und Ärzte abrufbar sein. Wie Stöger bei der Präsentation seines Gesetzesentwurfes betonte, werde dabei aber dem Datenschutz höchste Priorität eingeräumt und die Speicherung der Daten erfolgt nur mit Zustimmung des jeweiligen Patienten. Die E-Medikation als erster großer ELGA-Bereich startet mit 1. April in drei Pilotprojekten.

E-MEDIKATION Mit der E-Medikation kann sowohl der Apotheker als auch der Arzt und das Krankenhaus sehen, welche Medikamente bzw. Wirkstoffe ein Patient schon einnimmt. Damit können mögliche Mehrfachverordnungen und Wechselwirkungen aufgezeigt werden. Nach mehrfachen Verschiebungen wird nun am 1. April diese Anwendung in drei Modellregionen in den beiden Wiener Bezirken 21 und 22 sowie in Wels in Oberösterreich und in Reutte in Tirol starten. Dabei will man ungefähr ein halbes Jahr lang Erfahrungen sammlen und dann im Laufe des Jahres 2012 in die Entscheidungsphase kommen. Stöger geht davon aus, dass 2013 die E-Medikation österreichweit ausgerollt werden und dann auch schon erste Befunde gespeichert werden könnten. Der Minister glaubt, dass dann der Druck von Patientenseite steigen wird und ELGA deshalb relativ rasch umgesetzt werden könnte. Er schätzt, dass mit 2015 weitgehend alle Befunde erfasst sein werden.

Gespeichert sollen alle Dokumente und Befunde werden, sofern sie für die Behandlung und Betreuung des Patienten erforderlich sind – Labor- und Radiologiebefunde, Entlassungsbriefe sowie Medikationsdaten. Die Daten müssen aktuell und relevant sein, daher werden sie nach festgelegten Fristen (sechs Monate bzw. drei Jahre) gelöscht, wobei eine Verlängerung möglich ist. Zudem sollen Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten gespeichert werden.

Die Teilnahme gilt grundsätzlich für alle Patienten in Österreich. Der Patient kann aber jederzeit der Speicherung seiner Daten widersprechen. Der Widerspruch kann für das Gesamtsystem, für Teilsysteme (etwa nur für E-Medikation) oder auch nur für einzelne Befunde oder Daten erhoben werden. Bei besonders sensiblen Daten (etwa Psychiatrie, HIV oder Schwangerschaftsabbruch) erfolgt die Aufnahme in ELGA nur nach ausdrücklicher Zustimmung. "Es entscheidet immer der Patient", versicherte Stöger. Es werde sicher keinen Zwang für die Patienten geben. Er werde aber eine Empfehlung aussprechen, dass die Teilnahme von Vorteil sei, kündigte der Minister an. Zudem werden die Patienten auf mehreren Stufen informiert: jährlich über die Sozialversicherung, mündlich durch die Ärzte und durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit.

KEIN ZUGRIFF FÜR BETRIEBS- UND AMTSÄRZTE Zugreifen dürfen auf die Daten Gesundheitsanbieter nur zur Behandlung von Patienten. Die Berechtigungen werden generell für bestimmte Berufsgruppen (Ärzte) durch den Minister und individuell durch die Patienten festgelegt. Für Ärzte ist die Teilnahme mit wenigen Ausnahmen verpflichtend. Ein Arzt kann aber nicht von sich aus auf die Daten zugreifen, nur wenn ihn der Patient dazu berechtigt. "Ein Spitalsarzt kann im Nachtdienst nicht auf Promi-Daten zugreifen." Betriebsärzte, Amtsärzte und Chefärzte der Sozialversicherung bekommen keinen Zugriff. Auch der Arbeitgeber darf von einem Arbeitnehmer keinen ELGA-Auszug verlangen. Behörden, Versicherungen Gesundheitsdienstleister, die nicht an der Behandlung beteiligt sind, dürfen die Daten ebenfalls nicht verwenden.

Die Patienten selbst sollen über das Internet auf ihre eigenen Daten aber schon zugreifen können. Die Patienten müssen sich über die E-Card bzw. Ausweis oder Bürgerkarte eindeutig identifizieren. Zugriffe gibt es nur mit Berechtigung, Ausnahmen nur in medizinischen Notfällen. Für missbräuchliche Verwendungen sind straf- und verwaltungsrechtliche Bestimmungen vorgesehen.

Alle Zugriffe werden lückenlos protokolliert, die Patienten können daher jederzeit sehen, wer wann auf ihre Daten zugegriffen hat. Es gibt strenge Vorgaben für die Verschlüsselung und ein verpflichtendes IT-Sicherheitskonzept. Die Speicherung erfolgt nicht auf einem zentralen Server, sondern dezentral bei den Gesundheitsdiensteanbietern, wobei Ärzte aber auch die Möglichkeit haben, die Speicherung auszulagern.

Die Kosten für die Errichtung der ELGA-Kernbestandteile werden mit rund 30 Mio. Euro veranschlagt, inklusive des Pilotprojekts für die E-Medikation. Über weitere Finanzmittel müssen noch Verhandlungen geführt werden. Stöger betont allerdings, dass sich das Projekt selbst finanzieren werde. Die Errichtungskosten werden durch Effizienzsteigerungen im System hereingebracht. Für die Patienten werde die Sicherheit (E-Medikation) und die Behandlungsqualität erhöht, erläuterte der Minister die Vorteile. In die Erarbeitung seines Entwurfes hat Stöger auch den Hauptverband eingebunden, Gespräche hat er auch mit den Gesundheitssprechern der Parteien geplant. Ein Beschluss des Gesetzes ist bis zum Sommer geplant. (apa)

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • customer care solutions - Call Center Betriebs GmbH

    customer care solutions - Call Center Betriebs GmbH B2C Dienste und Lösungen, B2B Dienste und Lösungen, User Helpdesk-Systeme und Hotlines, Systempflege- und Wartung, Outsourcing, IKT-Consulting, Facility Management,... mehr
  • ITSDONE GRUPPE

    ITSDONE GRUPPE Office Software, Kaufmännische Software (ERP), Datenbanken, Server-Betriebssysteme, Programmiersprachen, Betriebssysteme für PCs, Netzwerk- und Systemüberwachung,... mehr
  • SNP AUSTRIA GmbH

    SNP AUSTRIA GmbH Qualitätssicherung, Kaufmännische Software (ERP), Tools, Programmiersprachen, Datenkonvertierung, Übernahme von Softwareprojekten, Systempflege- und Wartung,... mehr
  • abaton EDV-Dienstleistungs GmbH

    abaton EDV-Dienstleistungs GmbH VPN, Überwachungssysteme, SPAM-Filter, Notfalls-Rechenzentren, Firewalls, Datensicherung, Backup und Recovery Systeme,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: