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10.02.2011 Michaela Holy/pte

Betriebliches Gesundheitsmanagement in Österreich ausbaufähig

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist in Österreich oft auf Einzelmaßnahmen beschränkt. Rund 77 Prozent der österreichischen Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern zwar betriebliche Gesundheitsleistungen, jedoch ohne vorherige Feststellung der Bedürfnisse.

Nur 28 Prozent der Personalverantwortlichen definieren BGM als einen fortlaufenden Prozess mit langfristiger, nachweisbarer Erfolgsorientierung. Das Erkennen der Notwendigkeit von BGM als Asset im "War of Talents" ist ansatzweise vorhanden, aber 56 Prozent der Unternehmen geben an, dass erst steuerliche Anreize zu einem konkreten Handeln anregen würden. Die Experten von Mercer urgieren eine Steuerfreigrenze für BGM-Maßnahmen, wie sie in Deutschland bereits seit 2009 Gesetz ist. Nur so kann im Bereich BGM eine flächendeckende Akzeptanz erreicht werden. Das sind Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Studie, die das auf HR-Themen spezialisierte Beratungsunternehmen Mercer (Austria) mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt hat. Mercer hat im Juli und August 2010 rund 200 Personalverantwortliche aus Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen in ganz Österreich zu betrieblichen Gesundheitsleistungen in ihrem Unternehmen befragt.

Die Ergebnisse der von Mercer durchgeführten BGM-Studie haben in Hinblick auf die demografische Entwicklung höchste Brisanz: Das Durchschnittsalter der erwerbstätigen Bevölkerung steigt stetig. Zudem wird für Österreich bis 2050 ein deutlicher Arbeitskräfterückgang - insbesondere eine verminderte Anzahl an qualifizierten Leistungsträgern jungen und mittleren Alters - prognostiziert. Diese demografischen Herausforderungen werden es notwendig machen, dass Unternehmer für den Erhalt der Leistungsfähigkeit ihrer Belegschaft Sorge tragen (müssen). Zudem lässt die - aufgrund dieser Entwicklung erwartete - Personalknappheit eine verstärkte Konkurrenz der Unternehmen bei der Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter erwarten. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Unternehmen wird es daher sein, erfahrene Arbeitnehmer durch attraktive Fringe Benefits wie BGM langfristig an das Unternehmen binden zu können.

Dass BGM-Maßnahmen ein wichtiges Asset im "War of Talents" darstellen, bejahen 82 Prozent der in der Mercer-Studie befragten Unternehmen bereits heute. Das Bewusstsein ist demnach vorhanden, der Anreiz zur konkreten Umsetzung muss in Österreich aus Sicht der Experten jedoch noch verstärkt werden.

Während es in Österreich keine staatliche Unterstützung für das Engagement von Unternehmen im Bereich BGM gibt, wurde in Deutschland die Brisanz der betrieblichen Gesundheitsförderung erkannt und gehandelt: Unternehmen, die in Maßnahmen zur Gesundheitsförderung investieren können seit 2009 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter von der Lohnsteuer freistellen. Zudem sind die Krankenkassen verpflichtet, die gesundheitliche Situation in Betrieben zu erheben, Verbesserungsvorschläge einzubringen und Arbeitgeber bei der Umsetzung zu unterstützen. In Österreich ist im Gegensatz dazu keine Regelung im Sozialversicherungsgesetz zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge vorgesehen. Die Mercer-Studie zeigt, dass 18 Prozent der Betriebe mit der gesetzlichen Lage im Bereich der Sozialversicherung im Zusammenhang mit BGM unzufrieden sind.

"Deutschland sollte im Bereich BGM eine Vorbildrolle für Österreich haben. Es ist höchste Zeit, dass auch der Staat bei uns durch steuerliche Anreize oder Förderungen Impulse für die Implementierung von betrieblichem Gesundheitsmanagement setzt. Letztendlich wird dies in Zukunft bestimmend für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer heimischen Wirtschaft sein", ist Mag. (FH) Andrea Ofner - BGM-Expertin bei Mercer (Austria) und Leiterin der Studie - überzeugt. Wie die Studie veranschaulicht, sind Österreichs Unternehmen abwartend, aber investitionswillig: 56 Prozent der befragten Unternehmen sind zu (erhöhten) Ausgaben in die Mitarbeitergesundheit bereit, wenn der Staat betriebliche Gesundheitsleistungen fördert.

BGM gewinnt an Bedeutung: 77 Prozent der Studienteilnehmer stimmen zu, dass Mitarbeitergesundheit im eigenen Unternehmen eine große Rolle spielt. 43 Prozent sind der Meinung, dass BGM notwendig ist, um Mitarbeiter im eigenen Unternehmen zu binden. 39 Prozent sind überzeugt davon, dass BGM dazu beiträgt, neue qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Immerhin fast zwei Drittel (60 Prozent) bestätigen die Aussage, dass BGM in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Knapp ein drei Viertel (73 Prozent) meinen, dass betriebliche Gesundheitsleistungen in Zukunft einen fixen Bestandteil in österreichischen Unternehmen einnehmen werden. Positiv ist in dieser Hinsicht die Aussage von 77 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihre Führungskräfte bereit sind, Verantwortung für die Mitarbeitergesundheit zu übernehmen.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen (39 Prozent) gibt bis zu 100 Euro pro Mitarbeiter und Jahr für betriebliche Gesundheitsleistungen aus, 30 Prozent zwischen 101 bis zu 300 Euro und 8 Prozent 301 bis 500 Euro - wobei die Höhe der Ausgaben branchenunabhängig zu sein scheint (einbezogenen Branchen Produktion, Handel, Dienstleistung, Land- und Fortwirtschaft, öffentlicher Dienst, gemeinnützige Organisationen).

Österreichs Unternehmen setzen vorrangig auf verhaltensorientierte Einzelmaßnahmen wie z.B. Ernährungskurse, Nordic Walking, etc. Von den vier in der Studie abgefragten BGM-Hauptkategorien wird der Prävention mit 47 Prozent die größte Bedeutung zugeordnet, gefolgt von Maßnahmen im Bereich Organisation (Mitarbeitergespräche und -coachings, flexible Arbeitszeit, etc.; 40 Prozent), Ernährung (Vorträge, gesundes Kantinenessen etc.; 37 Prozent) und Bewegung/Ergonomie (Lauftreffs, Massagen, etc.; 33 Prozent). Als Präventionsmaßnahmen werden insbesondere Gesundheitschecks, Vorsorgeuntersuchungen und Raucherentwöhnungsprogramme angeboten. Stress- und Burn-Out-Prävention wollen die Studienteilnehmer in den nächsten zwei Jahren vermehrt anbieten.

"Mercer ortet anhand der Studie noch viel Handlungsbedarf in Österreich, um BGM für alle Betriebsgrößen und flächendeckend attraktiv zu machen. Dem Gesetzgeber kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Er ist aufgerufen, mit sinnvollen Änderungen der Gesetzeslage, einer Vereinfachung der Förderungsstrategien und der Einführung eines steuerlichen Anreizsystems für Schub zu sorgen. Betriebliches Gesundheitsmanagement verlangt nachhaltige Konzepte. Sowohl auf Unternehmer- wie auch auf Politikerseite", betont Josef Papousek, Geschäftsführer von Mercer (Austria).

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