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24.04.2012 Rudolf Felser/apa

Chiphersteller sehen Licht am Ende des Tunnels

Die Durststrecke der Chipindustrie neigt sich dem Ende zu.

© Fotolia

Prominente Hersteller wie die britische ARM und Texas Instruments unterstrichen mit ihrem Optimismus für die kommenden Quartale nach Intel und AMD die Zuversicht der ganzen Branche.

Der Entwickler ARM, zentraler Lieferant für Smartphones und Tablet-Computer, legte im vergangenen Quartal ein Gewinnplus von gut einem Fünftel hin und rechnet nach einer kurzen Stagnation mit einem weiteren Schub ab dem Sommer. Texas Instruments sieht seine Kunden am Ende des Lagerabbaus und stellt sich auf steigende Umsätze im laufenden Quartal ein. Nur die französisch-italienische STMicro trübte das Bild. Ihre Gemeinschaftstochter ST-Ericsson geht in eine neuerliche Sanierungsrunde, nachdem sie den Niedergang der Stammkunden Nokia und Sony Ericsson nicht verwinden kann.

Die Geschäfte bei ARM, die Chips lediglich entwerfen und die Baupläne gegen Lizenz an Fertiger weitergeben, brummen ungebrochen.

Im Auftaktquartal gewannen die Briten 22 neue Verträge, der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 132,5 Mio. Pfund (162 Mio. Euro), der Gewinn um 22 Prozent auf 61,9 Mio. Pfund. Das Unternehmen aus Cambridge ist der Shootingstar der Branche und lehrt mit seinen extrem stromsparenden Rechenkernen selbst etablierte Giganten wie Intel das Fürchten.

Nach Handys und Tablets erobern die ARM-Halbleiter zunehmend auch die Unterhaltungselektronik und Industriesteuerungen. Mittlerweile gehen fast die Hälfte aller ARM-basierten Chips in Geräte abseits von Handy und Computer. Für die zweite Jahreshälfte rechnen Experten mit einem Schub: Die neue Generation des Microsoft-Betriebssystems wird auch auf ARM-Prozessoren laufen, was bisher nicht möglich war.

Der breiter aufgestellte Infineon-Rivale Texas Instruments stärkte den Eindruck, dass die zyklische Industrie vor einem Aufschwung steht. Die Lager der Abnehmer seien inzwischen leer, die Orderbücher füllten sich, sagte Finanzchef Kevin March. "Wir denken, dass das anhalten wird. Unsere Kunden haben fast keine Ware mehr auf Vorrat", sagte er. Analyst Stacy Rasgon von Bernstein urteilte: "Es ist noch schwer vorauszusehen, aber sie haben Potenzial sowohl beim Umsatz als auch bei den Margen."

Nach einem Umsatz von 3,12 Mrd. Dollar im vergangenen Quartal sagte TI für das laufende Vierteljahr Einnahmen von bis zu 3,48 Mrd.

Dollar voraus. Zuletzt verdienten die Texaner 265 Mio. Dollar. Die Aussichten beflügelten die TI-Aktie, die gut vier Prozent zulegte, und zogen auch die Infineon-Papiere mit nach oben. Mit einem Plus von gut drei Prozent gehörten sie zu den größten Dax-Gewinnern. Die Bayern wollen ihre Geschäftszahlen in der kommenden Woche vorlegen.

Die Titel von STMicro hatten indes am Vorabend in Paris fast 14 Prozent verloren, nachdem die gemeinsam mit der schwedischen Ericsson betriebene Gemeinschaftstochter ST-Ericsson erneut in eine kostspielige Sanierung geht. Der auf Mobilfunkchips spezialisierte Hersteller lehnt sich zudem wieder enger an die Pariser Mutter an. ST-Ericsson will mit eigenen Handyprozessoren gegen ARM, Intel, Samsung und Nvidia antreten und arbeitet bei der Entwicklung mit STMicro zusammen. Vorher waren Gespräche mit vier anderen Herstellern gescheitert, wie ST-Ericsson einräumte.

Der Niedergang seiner Hauptkunden Nokia und Sony Ericsson macht ST-Ericsson weiter schwer zu schaffen. Im ersten Quartal verbuchte die Tochter einen operativen Verlust von 326 Mio. Dollar. Die Mutter STMicro muss einen Fehlbetrag von 176 Mio. Dollar wegstecken. Im Vorjahr war noch ein Gewinn von 170 Mio. Dollar zu Buche gestanden.

STMicro reagiert mit Einschnitten: Rund 1.700 Stellen sollen bei ST-Ericsson wegfallen, einige hundert davon zur Mutter wandern. Bis Ende kommenden Jahres will die Firma so 320 Mio. Dollar jährlich einsparen und den rapiden Umsatzschwund von zuletzt 35 Prozent auf 290 Mio. Dollar stoppen. "Wir brauchen beides, Kosteneinsparungen und Umsatzzuwachs", barmte Firmenchef Didier Lamouche. Die geschwächte ST-Ericsson gilt Kennern zufolge als reif für einen Kauf durch Rivalen wie Intel, Nvidia oder Texas Instruments. (apa)

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