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Musiknutzungsverhalten unter der Lupe

Zum dritten Mal widmen sich ab 29. Juni nationale sowie internationale Experten den veränderten Herausforderungen der Musikwirtschaft: Die "Vienna Music Business Research Days" stehen heuer im Zeichen eines neuen Musiknutzungsverhaltens, womit ganz zentral die Verbreitung über das Internet und der quasi medienunabhängige Konsum von Musik jeglicher Art im Fokus stehen.

© APA

Ein Aspekt, der "noch zu wenig im öffentlichen Diskurs auf einem wissenschaftlichen Niveau thematisiert" wurde, so Peter Tschmuck. Der Wissenschafter vom Wiener Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft, das die zweitägige Konferenz veranstaltet, betont, dass bisher "nur wenige, wissenschaftlich gut fundierte Erkenntnisse" zum Thema vorliegen.

Ins Bewusstsein bringen will man es u.a. durch einen US-amerikanischen Gast: Joel Tenenbaum wird am Freitagabend mit dem ehemaligen Herausgeber des Billboard-Magazins, Robert Levine, diskutierten. Tenenbaum wurde 2009 für 30 getauschte Musikfiles zu 675.000 US-Dollar Schadenersatz verurteilt. Der Fall liegt aktuell beim Obersten Gerichtshof der USA. Für Tschmuck haben solch "exemplarisch hohe Strafen, wenn überhaupt, nur eine sehr kurzfristige Wirkung". Das tatsächliche Volumen von Filesharing, Filehosting und ähnlichen Praktiken habe sich hingegen "keineswegs verringert, sondern ist sogar noch angestiegen".

"Restriktive, gesetzliche Maßnahmen" sind für den Experten kein probates Mittel zur Umkehr dieses Trends: "Es wird über kurz oder lang eine Musikflatrate eingeführt werden, die es ermöglicht, für diese Art der Nutzung die Rechteinhaber zu vergüten." Dies sei auch insofern notwendig, als sich der Musikkonsum ausdifferenziert habe, "und zwar in dem Sinn, dass unterschiedliche Kanäle für den Musikkonsum parallel und gleichzeitig genutzt werden". Legale Angebote von Download- bist Streamingservices seien dennoch eine wichtige Voraussetzung für die Kommerzialisierung dieser neuen Form des Musikkonsums.

Der Stellenwert der Musik habe trotz veränderter Zahlungsbereitschaft im digitalen Zeitalter sogar zugenommen. "Heutzutage differenzieren Musikkonsumenten sehr genau, für welche Musik sie Geld ausgeben und für welche nicht", findet Tschmuck, und verweist auf technologische Veränderungen, die dies erst möglich gemacht haben. Ein Schlagwort ist in diesem Zusammenhang der Prosumer, also jene Mischung aus Konsument und Produzent, der Musik nicht nur passiv rezipiert. "Darauf werden Musikschaffende und Musikverbreiter verstärkt eingehen müssen."

BAUSTELLE URHEBERRECHT
Ebenfalls behandelt wird bei der Konferenz das Thema Urheberrecht: Hier sieht Tschmuck Fair-use-Bestimmungen und neue Vergütungsformen im Zentrum der Diskussion. "Zudem bedarf es der modularen Ausgestaltung des Urheberrechts, damit auch die Urheber mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei der Lizenzerteilung bekommen." Wie einzelne Länder bei Urheberrechtsverstößen vorgehen, wird am Samstag durch den Vortrag von Marie-Francoise Marais, Präsidentin der französischen Aufsichtsbehörde HADOPI, und der anschließenden Podiumsdiskussion "Three Strike and Out!" erörtert.

"In Frankreich und Großbritannien hat man den Weg des abgestuften Abmahnwesen beschritten, um dem Filesharing Einhalt zu gebieten. Über die Wirksamkeit der Maßnahmen gibt es allerdings unterschiedliche Einschätzungen", erklärt Tschmuck. Das "Three Strikes"-Modell muss sich seiner Ansicht nach in der Praxis erst bewähren. "Eine globale Lösung ist nur dann zu erzielen, wenn das Filesharing/Filehosting entkriminalisiert wird und neue Vergütungsmodelle auf internationaler Ebene umgesetzt werden können."

Ergänzt wird die Konferenz durch einen Workshop über Musikwirtschaftsforschung, bei dem verschiedenste Aspekte wie Cloud-Technologie, das Teilen von Playlists, die Kulturpolitik in Tschechien oder die Berliner Technoszene und ihre Ökonomie gemeinsam mit Studenten erörtert und diskutiert werden. Weitere Vorträge kommen von Michael Huber, der eine Studie zur Musiknutzung in Österreich präsentieren wird, oder Dennis Collopy und David Bahanovich, die sich wiederum mit dem Konsumverhalten junger Menschen in Großbritannien beschäftigen.

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