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10.02.2010 apa/Alex Wolschann

Verwirrung um Lottelo.at

Vor knapp einer Woche an den Start gegangen, muss sich der neue Gewinnspielanbieter Lottelo schon mit Konsumentenschutz und Finanz herumschlagen.

Das Besondere an Lottelo: Die Teilnehmer können selbst nicht gewinnen. Man schickt die Handynummer eines Freundes an eine Mehrwertnummer (70 Cent pro SMS). Wenn dessen Nummer gezogen wird, winkt ihm eine Million Euro. Die Gewinnchance ist mit 1:12 Millionen noch geringer als bei Lotto »6 aus 45«.

Peter Kolba, Chefjurist des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), findet die Geschäftsidee von Lottelo ebenso »grandios« wie »gefährlich« und bringt eine Verbandsklage auf Unterlassung ein. Das Finanzministerium hat schon vor rund zwei Wochen eine offizielle Prüfung eingeleitet, um festzustellen, ob Lottelo unter das Glücksspielgesetz fällt.

In der Klage wegen unlauteren Wettbewerbs wendet sich der VKI »gegen die Grundidee des Spiels«. Vor allem bei Jugendlichen, laut Kolba die Hauptzielgruppe von Lottelo, entstünde ein »psychologischer Druck« und ein »Kaufzwang«, auch für ihre Freunde zu spielen. »Das wirkt fast wie ein Schneeballsystem. Weil je mehr ich spiele, desto mehr spielen die für mich«, so der Verbraucherschützer.

Lottelo-Gründer Daniel Goldscheider sieht das freilich anders. Lottelo sei »ganz klar kein Pyramidenspiel«. Der Teilnehmer könne ja selbst überhaupt nicht gewinnen, außerdem gebe es keinen Zwang, zurückzuspielen. Den Einwand, es entstehe eine moralische Verpflichtung, lässt er nicht gelten. »Wenn man dieses Argument ernst nimmt, sind Geschenke per se unmoralisch.« Auch, dass sich Jugendliche wegen Lottelo in Schulden stürzen, glaubt Goldscheider nicht. Dass man sich verschulde, um sich selbst zum Millionär zu machen, sei »viel wahrscheinlicher«, als wegen eines Freundes Hab und Gut zu verspielen.

Das Finanzministerium hat Lottelo schon vor seinem Start am 22. Jänner ins Visier genommen und eine Prüfung eingeleitet. Eine entsprechende Stellungnahme sei »gerade in Arbeit«, sagte Iris Brüggler, Sprecherin des für Glücksspiel zuständigen Finanzstaatssekretärs Reinhold Lopatka. Für Kolba ist Lottelo »offensichtlich auf Umgehung« des Glücksspielgesetzes angelegt. Goldscheider wiederum verwies auf ein Rechtsgutachten eines renommierten Experten, »das klar zum Ergebnis kommt, dass Lottelo kein Glücksspiel ist«.

KONSUMENTENSCHÜTZER MELDEN BEDENKEN AN Die Konsumentenschützer sehen Lottelo auch in puncto Datenschutz als bedenklich an. Bis dato wurden nämlich die gezogenen Handynummern veröffentlicht, wobei nur die letzten zwei Stellen der Vorwahl anonymisiert wurden. »Wenn ich nicht mitgespielt habe, will ich nicht, dass meine Nummer in der Zeitung steht«, so Kolba. Auch Gewinner hätten wahrscheinlich keine Freude damit. Die Betroffenen könnten »sicherlich auf Unterlassung klagen«, meinte der Jurist.

Nachdem der VKI dies bereits Ende vergangener Woche kritisiert hatte, hat Lottelo die Veröffentlichung der Nummern vorerst eingestellt – obwohl »wir von unseren Anwälten das OK bekommen haben«, sagte Goldscheider. Zudem habe Lottelo in seinen ersten Tagen »noch nie von jemandem gehört, der sich belästigt gefühlt hat«. Goldscheider hat laut Eigenangaben vergebens versucht, vom VKI zu erfahren, welche konkreten Probleme es gebe.

Ein weiterer Kritikpunkt des VKI bezieht sich auf die Alterskontrolle bei Lottelo, an dem man erst ab 16 Jahren teilnehmen darf. »Mir ist schleierhaft, wie er das kontrollieren möchte«, sagte Kolba. Wenn ein 14-Jähriger mitgemacht hat und gewinnt? »Pech gehabt!«, so Goldscheider. Wird eine Nummer gezogen, müssten sowohl der Spieler als auch dessen Freund eine Kopie des Handyvertrages vorlegen. Bei Wertkartenhandys verlange Lottelo Einzelgesprächsnachweise.

Die »Uridee« hinter Lottelo sei die Frage, ob sich das Prinzip Web 2.0 auch auf Gewinnspiele übertragen lasse, betonte Goldscheider. Im Gegensatz zum klassischen Lotto ist die Gewinnsumme bei dem SMS-Spiel immer gleich, nämlich (theoretisch) täglich eine Mio. Euro.

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