Christian Rosner und Martin Bergler, S&T: "Die Krise war für uns als expandierendes Unternehmen sehr gewöhnungsbedürftig" Detail - Computerwelt

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10.02.2010 Manfred Weiss

Christian Rosner und Martin Bergler, S&T: "Die Krise war für uns als expandierendes Unternehmen sehr gewöhnungsbedürftig"

Die COMPUTERWELT hat mit CEO Christian Rosner und CFO Martin Bergler über das Krisenjahr 2009 und die Pläne für 2010 gesprochen.

Die S&T-Unternehmensgruppe ist laut Eigendefinition das einzige internationale IT-Unternehmen, das sein Headquarter in Österreich hat. Die S&T AG, die seit dem Jahr 2003 an der Wiener Börse gelistet wird, sieht sich als einen der führenden IT-Dienstleister für Kunden in Zentral- und Osteuropa sowie der deutschsprachigen Region.

Computerwelt: Wie war das Krisenjahr 2009 für S&T? Christian Rosner: In den ersten sechs Monaten, als wir kein Wachstum zu verzeichnen hatten, war es für uns, als vorher immer stark expandierendes Unternehmen – vornehm ausgedrückt – sehr gewöhnungsbedürftig. Da hatten wir in Sachen Change Management relativ viel zu tun. Aber wie sich jetzt zeigt, haben wir unsere Hausaufgaben rechtzeitig und auch gut gemacht. Wir haben uns neu aufgestellt und sind bereit für neue Herausforderungen. Martin Bergler: Der Umsatzrückgang in den ersten beiden Quartalen war zum Teil ziemlich dramatisch. Aber wir haben uns auch bei den Kosten an die Marktentwicklung angepasst und werden auch das Jahr 2009 mit einem deutlich positiven Ergebnis abschließen.

Sie haben 2008 Österreich, Deutschland und die Schweiz zu S&T DACH zusammengefasst und diese Maßnahme Ende 2009 wieder rückgängig gemacht. Warum? Rosner: Erstens weil wir in Österreich sowohl Infrastruktur- als auch Business-Solutions-Geschäft machen und uns in Deutschland und der Schweiz in erster Linie im Bereich Business Solutions auf das Consulting-Business konzentrieren. Und zweitens, weil sich relativ rasch gezeigt hat, dass es notwendig ist, die einzelnen Märkte sehr individuell und lokalisiert zu bearbeiten und zu betreuen. Als wir das erkannten, haben wir das Regionskonzept sehr schnell revidiert.

Wie sieht denn da in Österreich die Umsatzverteilung aus und wie groß ist der Umsatzanteil der Länder im DACH-Raum? Bergler: In Österreich machen wir rund drei Viertel des Umsatzes mit Infrastruktur und ein Viertel mit Business Solutions. Am Umsatz in der deutschsprachigen Region hat Österreich einen Anteil von zwei Drittel und Deutschland und die Schweiz machen je ein Sechstel.

Warum ist der Anteil von Deutschland und der Schweiz so gering? Rosner: Weil wir in diesen beiden Ländern überhaupt kein Infrastrukturgeschäft machen.

Wie hat sich die Krise in diesen drei Ländern für S&T ausgewirkt? Bergler: Deutschland war wegen seiner vielen Fertigungsbetriebe sehr problematisch. Dort hat uns die Krise teilweise sehr stark getroffen. In Österreich zeigte sich der Consulting-Markt auch problematisch, während das Infrastrukturgeschäft durchaus zufriedenstellend war. Die Schweiz war 2009 eindeutig unser Lichtblick. Da hatten wir auch 2009 sehr viele Projekte.

Wie managt man eine solche Reorganisation? Bergler: In erster Linie mit dem Sparstift. Rosner: Da sind viele persönliche Gespräche und viele Meetings notwendig, aber auch Informationen per E-Mail. Denn die schnelle Reaktion des Managements ist ja nur die eine wichtige Komponente; das Verständnis der ganzen Firma für teilweise harte Maßnahmen ist die nicht minder wichtige andere Seite.

Sie haben bei jeder Pressekonferenz im Vorjahr betont, dass bei S&T Cash Flow und Ertrag wichtiger sind als Umsatz. Inwieweit hat das mit der Krise zu tun? Rosner: Wirklich nur bedingt. Denn nach unserer Aufbau- und Wachstumsphase waren Margen und Erträge auch schon vor der Krise für uns sehr wichtig. Dieser Trend hat sich zweifellos im Vorjahr noch verstärkt. Das bedeutet z.B. auch, dass wir Geschäfte, an denen wir nicht genug verdienen oder bei denen uns das Risiko eines möglichen Zahlungsausfalls zu hoch ist, nicht machen.

Von welcher Marge reden Sie da? Bergler: Je nach Geschäftsbereich: Zehn Prozent und mehr, nur so ist sichergestellt, dass unsere Servicequalität stimmt und unsere EBIT-Ziele von ein paar Prozenten erreicht werden.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten IT-Trends im heurigen Jahr? Rosner: Virtualisierung, Datacenter-Konsolidierung, Storage und weiterhin auch Outsourcing.

Wie sieht Ihr Marktausblick für 2010 aus? Rosner: Da bin ich zwar nur verhalten optimistisch, aber durchaus auch zuversichtlich. Ich glaube, dass die Zurückhaltung bei IT-Investitionen in allen Regionen, in denen wir tätig sind, auch noch im ersten Halbjahr 2010 anhalten wird. Deshalb erwarte ich auch für heuer ein nur leichtes Wachstum. Dennoch glauben wir auch an den Aufschwung und versuchen deshalb unser Vertriebsteam durch Aufnahme von zusätzlichen Mitarbeitern aufzustocken.

Sie wissen aber schon, dass S&T in Österreich als Arbeitgeber nicht gerade als Geheimtipp gilt. Rosner: Ja, das sollte sich aber in Kürze ändern. Die verschärfte Situation am österreichischen Markt war für einige Mitarbeiter sicher nicht angenehm. Aber in Osteuropa zählen wir in vielen Ländern zu den »preferred employers«. In Deutschland haben wir gerade einen Preis für unsere Personalentwicklung gewonnen. Und auch in Österreich ist es uns in der letzten Zeit gelungen, eine Reihe von sehr guten Leuten an Bord zu holen. Ich glaube jedenfalls, dass wir für die kommenden Herausforderungen sehr gut aufgestellt sind.

Das Gespräch führte Manfred Weiss.

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