Bernd Bugelnig, Capgemini Österreich: "Mit dem importierten IT-Know-how können wir in Österreich durchstarten" Detail - Computerwelt

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24.03.2010 Christof Baumgartner

Bernd Bugelnig, Capgemini Österreich: "Mit dem importierten IT-Know-how können wir in Österreich durchstarten"

Capgemini ist in Österreich vor allem als Consultingunternehmen bekannt. Global trägt der Consulting-Bereich des Unternehmens aber nur einen relativ geringen Anteil zum Umsatz bei.

Das soll sich nun auch in Österreich ändern. Ende des letzten Jahres wurde der Bereich Custom Software Development (CSD) in der Capgemini-Gruppe innerhalb des deutschen Sprachraums in einer DACH-Organisation (Deutschland, Österreich, Schweiz) zusammengefasst. Jetzt sollen Kunden von einem erweiterten Pool aus Beratern, Architekten und hoch qualifizierten Softwareentwicklern profitieren können. Leiter des Bereichs CSD in Österreich ist Bernd Bugelnig. Im Computerwelt-Interview erklärt er, wie er Capgemini in diesem Marktsegment positionieren will.

Computerwelt: Was bedeutet die Zusammenlegung des Bereichs CSD für die Österreich-Niederlassung von Capgemini? Bernd Bugelnig: Die neue Strukturierung und neue Orientierung im Bereich Softwaredevelopment werden in Österreich eine ganze reihe positiver Nebeneffekte ergeben. Wir haben nun in diesem Bereich die Kräfte im deutschsprachigen Raum gebündelt und in einer DACH-Organisation verschmolzen. Jetzt haben wir damit in Österreich die Möglichkeit das gesamte bestehende Know-how und die Kompetenzen unserer deutschen Kollegen zu nutzen. Bisher war das über die Ländergrenzen hinweg nicht immer ganz einfach. Durch diese DACH-Organisation wird die Zusammenarbeit nun wesentlich erleichtert.

Was sind nun die konkreten Vorteile? Wir haben damit die Möglichkeit auf einen weitaus größeren Ressourcenpool von deutschsprachigen Softwareentwicklern zurückzugreifen. Dabei handelt es sich um 1.700 Mitarbeiter, die Experten im Bereich Softwareentwicklung sind. Diese Ressourcen werden zudem durch Nearshore-Kapazitäten aus Polen ergänzt. Auch dort haben wir deutschsprachige polnische Mitarbeiter, die wir einsetzen können, um kostengünstiger deutschsprachige Projekte abzuwickeln. Das ist ja oft ein Problem beim klassischen Off-Shoring, das wir aber auch machen. Insbesondere im Bereich Softwareentwicklung greifen wir auf indische Experten zurück. Das hat aber Grenzen sobald es rein deutschsprachig wird.

Warum passiert die Umorganisation gerade jetzt? Wir sind in diesem Bereich einfach unterrepräsentiert in Österreich. Wir haben darauf noch nie den Fokus gelegt. Capgemini wird derzeit hauptsächlich als Consulting-Unternehmen wahrgenommen. Aber in unserem Logo stehen neben Consulting auch noch die Begriffe Technology und Outsourcing. Global machen wir 40 Prozent unseres Umsatzes mit Outsourcing, rund 35 Prozent mit Softwareentwicklung und Standardsoftware-Einführung und die restlichen 25 Prozent sind etwa zur einen Hälfte Consulting und zur anderen Hälfte »Local Professional Services«. Das ist eine Sparte, die in mehreren Ländern vertreten ist und die sehr stark in Richtung »body leasing« geht, also Ressourcen zur Verfügung stellt. Das Consulting-Business macht also global etwa zehn bis zwölf Prozent aus, bei uns ist es aber der überwiegende Teil. Jetzt wollen wir in Österreich auch die anderen beiden Bereiche stärken.

Wo liegen ihre Stärken im Bereich Software? Wir differenzieren hier die Bereiche ERP-Software und Customer Software Development, also alles, was individuell für Kunden gemacht wird. Da sind wir sehr stark im öffentlichen Sektor, weil die Kernsoftware in jedem Public-Geschäft anders ist. Weiters sind wir im Financial-Services-Bereich und auch im Telekommunikationsbereich gut vertreten.

Wie wollen sie mit dieser neuen Strategie den Markt erobern? Wir werden uns jetzt auch speziell auf diese genannten Branchen fokussieren. Das passt sehr gut zu uns, weil wir vor allem im Financial-Services-Bereich aus dem Consulting-Geschäft heraus über eine sehr hohe Expertise verfügen. Hier können wir sehr gut das Branchen-Know-how, das wir in Österreich haben, mit dem IT-Know-how kombinieren um maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. Wir haben ja auch einen sehr guten Kundenstock, man kennt Capgemini als Firma. Jetzt kommt ein neues Dienstleistungsprodukt dazu. Und mit dem IT-Know-how, das wir aus Deutschland importieren, können wir hier gut durchstarten. Als globale Firma sind wir es ohnehin gewohnt international vernetzt zu arbeiten.

Welche Rolle spielt Österreich in diesem internationalen Netzwerk? Es ist ein besonderes Merkmal von Capgemini Österreich, dass wir schon immer einen starken Osteuropa-Anteil hatten. Die Büros oder Niederlassungen von Capgemini in den umliegenden Ländern wurden von Österreich aus gegründet.

Das war die Zeit, als Österreich noch ein Sprungbrett für Firmen in den Osten war. Ja, genau. Wir sind Kunden wie einer Bank Austria, einer Erste Bank, einer Raiffeisen gefolgt. Also österreichische Kunden, die in den Ländern Banken, Kreditinstitute oder Financial-Services-Institutionen gekauft haben. Diese haben wir vor allem als Consulting-Unternehmen unterstützt. Und jetzt wollen wir auch die anderen Bereiche dort anbieten.

Wird Osteuropa noch von Österreich aus betreut? Ja, Osteuropa wird noch immer von Österreich aus stark mitgeprägt. Aber wir wollen nun als ersten Schritt CSD in Österreich stärken.

Es gibt in diesem Markt viele Mitbewerber. Wie sehen Sie Ihre Chancen? Wenn man jüngsten Untersuchungen glaubt, hat der Markt nach wie vor Steigerungspotenziale, der Individualsoftwarebereich soll sogar überproportional stark steigen. Aber es wird natürlich auch eine gewisse Verdrängung stattfinden. Der Bedarf an maßgeschneiderten Lösungen wird immer da sein. Und was wir für uns in Anspruch nehmen ist, dass wir eine Gesamtverantwortung übernehmen und nicht nur Softwareentwickler zur Verfügung stellen. Das heißt wir entwickeln die Lösung auch weiter und passen sie an neue Gegebenheiten an.

Wie hat Sie die Krise getroffen? Wir sehen, dass Unternehmen, die Projekte eingefroren haben, diese seit Anfang des Jahres wieder aufnehmen. Manchmal ist der Kunde einfach gezwungen etwas zu machen, oder hat durch Einsparungen an anderer Stelle wieder Budget für IT-Projekte freigemacht. Der große Hype ist aber sicher noch nicht wieder da.

Das Gespräch führte Christof Baumgartner.

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