Semih Caliskan, Colt Österreich: "Diejenigen, die bereit sind, sich zu verändern, sind die, die überleben" Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


07.04.2010 Christof Baumgartner

Semih Caliskan, Colt Österreich: "Diejenigen, die bereit sind, sich zu verändern, sind die, die überleben"

Semih Caliskan hat im November 2009 die Geschäftsführung von Colt Österreich übernommen. Im Computerwelt-Interview spricht er über die aktuelle Strategie und wie damit neue Kundensegmente erreicht werden sollen.

Colt hat sich im letzten Jahr von einem traditionellen Telekommunikationsanbieter zu einem Unternehmen entwickelt, das integrierte IT- und Netzwerk-Services anbietet. Dieser Wandel wird seit mitte März mit einer neuen Corporate Identity – sprich mit neuem Namen, Logo und neuem Webauftritt – auch nach außen sichtbar gemacht. Der Firmenname wurde von Colt Telecom in Colt Technology Services geändert. In Österreich hat im November 2009 Semih Caliskan die Geschäftsführung übernommen. Im Computerwelt-Interview spricht er über die aktuelle Strategie und wie damit neue Kundensegmente erreicht werden sollen.

Computerwelt: Was ist der Kern der neuen Colt-Strategie? Semih Caliskan: Das Kernstück unserer Strategie ist die Information Delivery Platform. Diese ermöglicht es den Kunden von Colt, geschäftskritische Informationen zu verbreiten, zu teilen, zu verarbeiten und zu speichern. Sie entsteht durch die Kombination der drei Schlüsselelemente Ethernet- und IP-Netzwerk, das nahtlos mehr als hundert Metropolen miteinander verbindet und die branchenweit höchsten Standards hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Latenz und Sicherheit erfüllt, eine europaweite IT-Infrastruktur einschließlich 19 hochmoderner Rechenzentren und ausgewiesene Expertise im Hinblick auf integrierte IT Managed Services sowie Netzwerk- und Kommunikationslösungen. Colt kombiniert diese drei Elemente auf europäischer Ebene und bündelt sie für die Kunden zu einer einzigen End-to-End-Ressource. Sowohl in der direkten Zusammenarbeit mit Kunden als auch in Kooperation mit Partnern bieten wir nun Lösungen, die einen echten Unterschied für das Geschäft unserer Kunden ausmachen.

Wie ist ihre Positionierung auf dem österreichischen Markt? Man kann sich natürlich auf gewisse Nischen fokussieren. Und da auch nicht alle Mitbewerber auf dem österreichischen Markt sind, kann man in dieser Nische eine gute Beziehung zu den Kunden aufbauen. In Zeiten der Globalisierung ist man aber nicht nur in dem Land tätig, in dem das Büro steht. Jeder baut seine Geschäfte in der Region auf und jede Firma expandiert ab einer gewissen Größe. Sei es Osteuropa oder nach Westen. Und damit verbunden sind wir gut positioniert, weil wir als King of Europe mit unserem Backbone bis in die USA auch den amerikanischen Raum abdecken können. Zum Beispiel Banken, die schnelle Verbindungen mit low latency brauchen. Colt war ja im Bankenbereich immer schon sehr, sehr stark. Und von Wien aus versuchen wir unseren Fokus nach Osteuropa weiter auszubauen.

Die neue Strategie fokussiert stark auf Managed Services? Ja, wir entwickeln uns als Colt durch die Kombination der beiden Welten IT und Telekom zu einem Service Provider, der integrierte Lösungen anbietet.

Wie groß ist der Bereich Managed Services? Der Bereich ist im Wachsen ebenso wie der Bereich Cloud Computing. Cloud Computing ist für ein Unternehmen mit einem großen Netzwerk im Rücken ein ideales Modell. Es war schon immer ein Problem für viele Unternehmen, dass sie verschiedene Lösungen im Einsatz haben. Das ist oft kompliziert, bedeutet mehr Prozesse und ist letztendlich auch eine Zeitverschwendung. Bei jedem Einkauf muss wieder eine Schnittstelle angelegt werden. Und meistens ist dieser ganze Prozess mit größeren Kosten verbunden. Viele Firmen entscheiden sich für einen multinationalen Provider, der viele Länder abdeckt. Sonst gibt es ein Chaos im Unternehmen.

Wo liegen die Stärken von Colt? Unsere Eckpunkte mit dem eigenen Backbone liegen natürlich im Bereich Telefonie, Datenleitungen, Ethernet-Technologie und in unseren Datacentern in 19 Ländern. In diesen bieten wir Kunden, die zum Beispiel ihre IT-Welt auslagern wollen, Dienste wie managed Services, managed Workspace, managed Firewall, Security, oder Application Hosting. Damit hat der Kunde ein Gesamtkonzept für seine IT.

Wieso diese Erweiterung des Portfolios? Das ist ein Ergebnis der Konvergenz. Voice, Daten, Telekommunikation und IT sind zusammengewachsen. Mit unserem Backbone decken wir in einer großen Anzahl von Ländern den klassischen Telekombereich ab. Da müssen wir nichts zukaufen. Also war es ein logischer Schritt auch Services anzubieten. Noch dazu mit einem entsprechenden Kostenvorteil. Dieses Angebot ergänzen wir jetzt mit Technologien wie Unified Communications.

Entwickeln sie auch eigene Applikationen? Nein, das ist ein ganz eigener Bereich wo sie eine andere Art von Expertise brauchen. Wir liefern dem Kunden die Infrastruktur, die Services und die Plattform. Wenn jemand eine spezifische Applikation braucht, zum Beispiel eine Bank, dann wird das von einem Softwareentwicklungsunternehmen gemacht. Aber wir können die Lösung hosten und wir können auch administrative Tätigkeiten übernehmen. Ich denke, das Unternehmen hat jetzt eine sehr gute Gesamtstrategie.

Machen diese Lösungen auch für KMU Sinn? Absolut. Wir bieten für jeden Bereich passende Lösungen an. Man muss sich natürlich den jeweiligen Bedarf anschauen: Einen Mitarbeiter nur für die IT zu bezahlen ist für ein KMU eine Belastung. Bei uns bekommt man das als Service. Wir definieren ein Servicelevel mit den Kunden, er bekommt eine Plattform, Software, Networkspace und zahlt monatlich eine Gebühr. Damit kann der Kunde einen wesentlichen Bereich auslagern und sich auf sein Kerngeschäft fokussieren. Die Gründe liegen auf der Hand.

Wie reagieren die Unternehmen darauf? Wir haben eine Studie unter CIO durchgeführt. 56 Prozent der IT-Verantwortlichen haben bei Cloud Computing noch Hemmungen zu investieren, weil sie die Vorteile nicht gut kennen. Heutzutage verbringen viele CIO die Zeit mit Umstrukturierungen, wie sie das Unternehmen effizienter gestalten oder welche Bereiche sie outsourcen könnten. Sie beschäftigen sich also mit Geschäftsmodellen, um wettbewerbsfähig zu sein. Ohne Technologie kann man das aber schwer schaffen. Wir mit unserer Gesamtstrategie können bei Kunden einen großen Bereich abdecken.

Hat sich die Kundenstruktur geändert? Unser Zugang zu Kunden hat sich natürlich geändert. Früher hat man mit IT-Leitern gesprochen. Jetzt schaut man sich die Infrastruktur als Gesamtstrategie für Unternehmen an und das entscheiden die CEO und CFO. Letztere sind daran interessiert, wie sie die Kosten reduzieren können. Da kommen maßgeschneiderte Lösungen gut an. Diejenigen, die bereit sind sich zu verändern, sind die, die überleben.

Das Gespräch führte Christof Baumgartner.

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