Gastkommentar: Die Katze im Sack? Detail - Computerwelt

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05.05.2010 Wolfgang Moser*

Gastkommentar: Die Katze im Sack?

In jedem Unternehmen gelten viele Regeln, aber auch viele ungeschriebene Gesetze.

Bei einer Firmenübernahme versucht vor allem der Käufer, sich in kurzer Zeit ein möglichst vollständiges Bild vom Ziel seines Begehrens zu machen. Due Diligence ist ein Vorgang, bei dem zumindest die Bedeutung aller ausdrücklich dokumentierten Regelungen erfasst werden soll. Denn wer sich nicht zumindest darüber Klarheit verschafft, handelt fahrlässig. Schon bei relativ einfachen Produkten kaufen wir nicht gerne die Katze im Sack. Verkäufer haben viele Methoden entwickelt, um die Hürde für den Käufer niedriger zu machen: Gütesiegel aller Art, Probe-Abo, oder auch Geld-zurück-Garantie – all das soll vorab Zutrauen schaffen. Mit jedem Tag, der einem angekündigten Zusammenschluss folgt, verändert sich das Gefüge. Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten – alle überprüfen ihre Haltung in Anbetracht der neuen Situation.

Der Käufer muss also eine Analyse des Kaufziels vornehmen, bevor die Öffentlichkeit davon Wind bekommt. Und bei dieser Überprüfung muss er nicht nur den Stand der Dinge feststellen, sondern daraus auch gut begründete Annahmen über die weitere Entwicklung des Unternehmens ableiten. All das ist Gegenstand eines Vorgangs, der als Due Diligence bezeichnet wird.

Es ist eine Stresssituation für alle Beteiligten: Der Verkäufer muss sich auf Herz und Nieren durchleuchten lassen, und der Käufer muss in sehr kurzer Zeit alle kritischen Punkte erkennen und beurteilen.

Hochspezialisierte Anwälte und Wirtschaftsprüfer sind dabei im Einsatz. Der grundsätzliche Haken an der Sache ist, dass bei einer solchen Überprüfung praktisch nur Hard Facts erfasst werden können: Alles, was in Verträgen, in Reports und in der Buchhaltung steht, lässt sich auf diese Weise beurteilen. Aber die entscheidenden Soft Facts können so nicht erkannt werden. Die informellen Strukturen im Unternehmen, die nicht-materiellen Anreize für das tägliche Arbeiten, die geistigen Reserven – all das steht auf keinem Papier, ist in keiner Patenturkunde geschützt, hat aber entscheidenden Anteil an der Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Mit einem Wort: Die Unternehmenskultur kommt unter die Räder, wenn sich Due Diligence nur auf die finanziellen und juristischen Fakten stützt. Diese Kultur ist aber ein entscheidender Erfolgsfaktor! Finanzielle Due Diligence bleibt somit zwar das absolute Muss: Eine Geschäftsleitung, die nicht einmal das macht, handelt fahrlässig.

*Der Autor ist selbständiger Unternehmensberater (prozess-delta.com).

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