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17.05.2010 Rudolf Felser

EU: Investitionen in digitale Wirtschaft sind Schlüssel zu Wohlstand

Die digitale Wirtschaft gewinnt in Europa zunehmend an Stärke, breitet sich über alle Wirtschaftszweige aus und durchdringt sämtliche Lebensbereiche – so ein heute von der EU-Kommission vorgelegter Bericht.

Die für die digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes erklärte: "Europas digitale Wirtschaft ist für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand unverzichtbar. Die IKT und das Hochgeschwindigkeitsinternet haben heute die gleiche revolutionäre Wirkung auf unser Leben wie die Entwicklung der Strom- und Verkehrsnetze vor mehr als einem Jahrhundert. Die Fortentwicklung des Internets muss jedoch unterstützt werden, damit alle Bürger von der digitalen Wirtschaft profitieren können." Die Kommission will in diesen Bereichen spezifische Maßnahmen vorschlagen, und zwar im Rahmen ihrer digitalen Agenda für Europa, einer der Leitinitiativen der in Kürze anlaufenden Strategie "Europa 2020".

WICHTIGER WIRTSCHAFTSMOTOR Dem Bericht zufolge ist die IKT-Branche eine der wichtigsten Triebkräfte der europäischen Wirtschaft. Die in der EU seit 1995 erzielten Produktivitätsgewinne gehen zu 50 Prozent auf das Konto der IKT, dank des technischen Fortschritts und der Investitionen in dem Sektor. Daten für die Jahre 2004 bis 2007 weisen darauf hin, dass diese Investitionen in jüngster Zeit auch in der übrigen Wirtschaft zu Effizienzsteigerungen führen. Die Wertschöpfung des europäischen IKT-Sektors beläuft sich auf etwa 600 Mrd. Euro (oder 4,8 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts). Auf ihn entfallen der Kommission zufolge 25 Prozent aller in der EU getätigten Unternehmensinvestitionen in Forschung und Entwicklung. In den USA wird allerdings noch größerer Nutzen aus den IKT gezogen. Um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen, benötigt Europa Strukturreformen und eine kohärente digitale Agenda.

In Europa benutzen etwa 60 Prozent der Bevölkerung regelmäßig und 48 Prozent täglich das Internet. Damit schneidet die EU im Vergleich zu den USA (56 Prozent täglich bzw. 65 Prozent in den letzten drei Monaten) gut ab. Allerdings sowohl in der EU (30 Prozent) wie in den USA (32 Prozent) war etwa ein Drittel der Bevölkerung noch nie im Internet.

In sozioökonomischer und geografischer Hinsicht gibt es erhebliche Differenzen. Insbesondere Senioren und Personen mit geringerem Bildungsstand und niedrigem Einkommen benutzen das Internet weniger häufig und sind weniger kompetent. Für den Aufbau einer europäischen digitalen Gesellschaft müssten die einschlägigen Kenntnisse unbedingt verbessert werden, so die Kommission weiter. Auch hier schneidet die EU gegenüber den USA gut ab, wenngleich der Anteil bei den Senioren in den USA höher ist (46 Prozent der über 55jährigen waren noch nie online – gegenüber 59 Prozent in der EU). In Korea und Japan sind die Unterschiede zwischen den sozioökonomischen Gruppen dagegen weniger ausgeprägt.

EU IST WELTWEIT GRÖSSTER BREITBANDMARKT Der EU-Breitbandmarkt war 2009 zum wiederholten Mal der größte weltweit. Fast ein Viertel der EU-Bürger (24,8 Prozent) verfügt über einen Festnetz-Breitbandanschluss. Obwohl die Übertragungsgeschwindigkeiten zunehmen und 80 Prozent der Festnetz-Breitbandanschlüsse in der EU Geschwindigkeiten über 2 Mbit/s aufweisen, leisten nur 18 Prozent dieser Anschlüsse mehr als 10 Mbit/s. Für grundlegende Web-Anwendungen sind diese Geschwindigkeiten zwar ausreichend, nicht jedoch für fortgeschrittene Anwendungen wie Fernsehen auf Abruf. Die Strategie Europa 2020 setzt das ehrgeizige Ziel, allen Europäern einen Breitbandanschluss von mindestens 30 Mbit/s zu bieten. Höhere Geschwindigkeiten erfordern den Übergang zu Zugangsnetzen der nächsten Generation (NGA). Bei der Einführung solcher Netze liegt die EU erheblich hinter Ländern wie Korea und Japan zurück. Der Übergang zu Breitbandnetzen mit größerer Kapazität stellt für den gesamten Telekommunika tionssektor eine bedeutende strukturelle Herausforderung dar.

Neben seiner wichtigen Rolle für das Wachstum der europäischen Wirtschaft birgt das Internet ein enormes Potenzial zur Stärkung des Binnenmarkts. Elektronischer Handel (E-Commerce) und Geschäftsverkehr (E-Business) sind in den einzelnen Mitgliedstaaten jedoch sehr unterschiedlich verbreitet und grenzüberschreitende Geschäfte werden nur wenig getätigt. 54 Prozent der Internetnutzer kaufen oder verkaufen zwar Waren über das Internet, allerdings nur 22 Prozent in anderen EU-Ländern. Weitaus stärker verbreitet ist E-Commerce dagegen in den USA, wo 75 Prozent der Internetnutzer online kaufen oder verkaufen. Dies verdeutlicht, dass Europa über keinen echten digitalen Binnenmarkt verfügt, der aber besonders wichtig ist, um das Wachstum der kleinen und mittleren Unternehmen in Europa zu fördern und den Verbrauchern mehr Auswahlmöglichkeiten zu wettbewerbsfähigen Preisen zu bieten.

BURES: IKT VON ENORMER BEDEUTUNG "Investitionen in Forschung und Entwicklung und Investitionen in eine moderne, ökologische Infrastruktur sind zentral für die Zukunft", betonte auch Infrastrukturministerin Doris Bures am Montag im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema "Wirtschafts- und Budgetpolitik zur Krisenbewältigung" bei der SPÖ-Klubtagung. Besonders in der Förderpolitik der EU sei ein Paradigmenwechsel gefordert - nicht nur die Landwirtschaft, auch Informations- und Kommunikationstechnologien müssten ins Zentrum rücken. "Dieses Thema ist nicht nur national, sondern auch auf europäischer Ebene von enormer Bedeutung. Besonders die Förderpolitik der EU muss hier stärker ansetzen und die IKT besser fördern", so Bures an ihre Kollegen in Brüssel.

Als Beispiel für den Stellenwert der Forschung und der Forschungsförderung nannte Bures den Ausbau der IKT. Die IKT mache bereits zwölf Prozent des BIP aus - mehr als die Tourismusbranche. "Uns als Sozialdemokraten geht es auch um den Zugang zu Bildung und Wissen. Hier existiert noch eine soziale Kluft bei der Anwendung von IKT, besonders zwischen den Generationen, aber auch zwischen Stadt und Land. Wir werden den Zugang im ländlichen Raum verbessern und diese Kluft überwinden", so die Infrastrukturministerin. (rnf)

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