VÖSI fordert mehr Leitbetriebe in Österreich Detail - Computerwelt

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19.05.2010 Christof Baumgartner

VÖSI fordert mehr Leitbetriebe in Österreich

Der Verband Österreichische Software Industrie sieht bei der Politik einen "dringenden Handlungsbedarf auf zahlreichen Ebenen" und fordert die rasche Umsetzung seines sieben Punkte umfassenden Forderungskatalogs.

Es sei einfach zu wenig, »dauernd von der Wissensindustrie zu schwärmen und gleichzeitig untätig zuzuschauen«, wetterte Peter Kotauczek, Präsident des VÖSI, beim Jahrespressegespräch des Verbandes. Dabei habe Österreich bis zum Jahr 2001 einen »beachtlichen Status im internationalen IKT-Geschäft aufgebaut«. Im Global Information Technology Report Ranking des World Economic Forum sei Österreich von Platz Neun im Jahr 2001/2002 aber mittlerweile auf Platz 20 im jüngsten Ranking 2009/2010 zurückgefallen. Die Gründe dafür sieht Kotauczek in der so genannten »Technologieblase« zwischen 1998 und 2000, als »der größte Zufluss an Risikokapital in der Geschichte der österreichischen Software-Industrie« verzeichnet wurde, was die eigenkapitalschwache Software-Szene belebte. Zum anderen hätte die staatliche Administration große Anstrengungen unternommen, die verstaubten Prozesse der Verwaltung mittels E-Government zu modernisieren.

FORDERUNGSKATALOG Auch die zahlreichen IKT-Masterpläne diverser Regierungen würden sich »mit schöner Regelmäßigkeit als Makulatur« erweisen und die Risiko-Kapitalbilanz der Gesamtbranche sei auf einem Negativrekordniveau angekommen. Der VÖSI will mit seinem Sieben-Punkte-Vorschlag (siehe Kasten) das Thema »Softwareentwicklung am Standort Österreich« auf die wirtschaftspolitische Agenda bringen. Kritisiert wird unter anderem die strenge Zuwanderungspolitik für Fachkräfte, die viel zu geringe Zahl von hierzulande ausgebildeten IKT-Fachkräften und die schlechten Chancen, an Risikokapital zu kommen. Außerdem fehlten Österreich ein paar nationale Leitbetriebe für die Informations- und Telekombranche.

Laut Manfred Prinz, Vizepräsident des VÖSI, ist die IKT-Branche für den Standort mehrfach bedeutend, und zwar einerseits als Triebfeder für die Effizienz in Wirtschaft und Verwaltung und andererseits sei sie eine Branche mit hoher Wertschöpfung und großer Attraktivität für gut ausgebildete Mitarbeiter. »Österreich und insbesondere der Großraum Wien konnten sich in den letzten Jahren sehr gut positionieren, es ist aber keine Zeit zum Ausruhen. Das Entwicklungstempo ist enorm und es gibt wenige Wirtschaftszweige, die so stark von Globalisierung gekennzeichnet sind wie die IKT.« Laut Prinz gebe es in Österreich kaum ITUnternehmen, die von internationaler Bedeutung sind. »Was wir dringlich brauchen sind daher Leitbetriebe, in deren Umfeld sich Lösungsanbieter weiterentwickeln können«, so Prinz.

ANZAHL DER ABSOLVENTEN IM BEREICH IKT ERHÖHEN Auch beim Thema Aus- und Weiterbildung gibt es viel zu tun. »Eine EU Studie schätzt, dass bereits in fünf Jahren neun von zehn Berufen IT-Wissen benötigen werden«, sagt Thomas Lutz, Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich. Gerade deshalb sei es jetzt wichtig, Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung im IT-Bereich zu fördern und zu unterstützen. Der Standort Österreich müsse intensiv und erkennbar in die IKT-Ausbildung auf allen Ausbildungsstufen investieren. Dabei müsse die Anzahl an Absolventen mit einem IKT-Abschluss in den nächsten Jahren mindestens verdoppelt werden.

Ebenfalls gestärkt gehöre der Standort Österreich für IKT-Unternehmen. In den letzten fünf Jahren hat die ABA (Austrian Business Agency) mehr als hundert IT-Unternehmen bei der Niederlassung in Österreich – die meisten davon KMU – betreut. Jedoch sieht die ABA auch weiterhin Potenzial für die Standortstärkung. Zum Beispiel bei den Zuwanderungsbedingungen für qualifizierte Arbeitskräfte (Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen für Schlüsselarbeitskräfte), die nach Österreich kommen sowie bei der laufenden Modernisierung der Ausbildung. Wichtigste Standortkriterien Österreichs für Investoren sind laut Marion Biber von der ABA: Markt und Marktzugang, günstige Unternehmensbesteuerung, wirtschaftliche und politische Stabilität, CEE-Kompetenz, qualifizierte Arbeitskräfte und ein flexibles Arbeitsrecht. Zusammengefasst wünscht sich der VÖSI die effiziente Umsetzung seines Forderungskataloges.

7-PUNKTE-FORDERUNGSKATALOG 1. Verstärkter IKT-Einsatz in der öffentlichen Verwaltung 2. Qualitativ überdurchschnittliche und intensive Bildung von Fachpersonal 3. Verbesserte Konditionen inklusive der Kapitalisierung von IKT-Unternehmensgründungen 4. Intensivierung und Professionalisierung des Know-how-Austausches zwischen Wissenschaft/Forschung und der Softwarebranche 5. Schaffung eines verbesserten Investitionsklimas durch einen langfristig orientierten, umfassenden IKT-Masterplan der Bundesregierung 6. Sichtbarmachung und Promotion der nationalen Software-Leistungspotentiale als ein wesentlicher Baustein des international zu kommunizierenden Wirtschaftsprofils Österreichs 7. Weiterentwicklung der öffentlichen Breitband-Infrastruktur in Richtung einer höherwertigen Service-Infrastruktur als konjunkturbelebende Investition auch in die »unsichtbare« Intelligenz-Infrastruktur (Bildung, Forschung, Software).

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