Karl-Heinz Täubel, Unit-IT: "Die Outsourcing-Kunden sind sehr viel mündiger geworden" Detail - Computerwelt

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02.06.2010 Manfred Weiss und Oliver Weiss

Karl-Heinz Täubel, Unit-IT: "Die Outsourcing-Kunden sind sehr viel mündiger geworden"

Als auf SAP spezialisiertes Systemhaus hatte es die Siemens-Tochter Unit-IT in der jüngsten Vergangenheit nicht immer leicht: Die Wirtschaftskrise oder die Erhöhung der Wartungsgebühren durch SAP stellen nicht gerade positive Impulse fürs Geschäft dar.

Karl-Heinz-Täubel, Geschäftsführer von Unit-IT erklärt im Gespräch mit der COMPUTERWELT, welche IT-Themen bei den Kunden derzeit hoch im Kurs stehen und wie sein Unternehmen trotz schwierigem Marktumfeld den Umsatz halten konnte.

Computerwelt: Wie hat sich der Markt aus Ihrer Sicht im letzten Jahr entwickelt? Karl-Heinz Täubel: Gut und schlecht. ERP-Einführungsprojekte oder Modernisierungsprojekte wurden vielfach aufgeschoben. Etliche Unternehmen haben gesagt: Wir arbeiten aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung mit dem derzeitigen System weiter und schauen einmal, wie sich das Geschäft entwickelt. Viele Anwender stecken aber bereits in der Evaluierungsphase für neue ERP-Systeme. Sobald die Wirtschaft wieder anzieht, werden auch diese Projekte kommen.

Gibt es auch Bereiche, in die investiert wurde? Die Investitionen gingen eher in IT-Projekte, die einen kurzfristigen ROI bringen. Outsourcing zum Beispiel hat eine Renaissance erlebt. Wir konnten enorme Zuwachsraten im Outsourcing-Geschäft erzielen, sowohl bei der Anzahl der Kunden, als auch bei der Anzahl der Projekte. Gleichzeitig gab es aber auch einen Preisverfall von zehn bis 15 Prozent, der auf stärkere Konkurrenz, aber auch auf eine gewisse Professionalität, die ins Outsourcing-Geschäft hineingekommen ist, zurückzuführen ist: Die Kunden sind viel mündiger geworden. Sie investieren nun sehr viel mehr in SLA. Als Dienstleister musst du heute für das gleiche Geld mehr leisten, damit du den Auftrag bekommst.

Inwiefern sind die Kunden mündiger geworden? Früher hat man sich viele Gedanken über Infrastruktur, über Technologie, über Hardware gemacht. Das ist nicht mehr so. Heute unterhält man sich mit den Kunden eigentlich nur mehr über SLA, über die erwartete Leistung. Damit werden auch Anbieter vergleichbarer. Der Kunde sagt: Hier sind meine SLA. Wie ihr die erfüllt ist mir egal.

Was hat sich im Zuge der Krise noch verändert? Es sind viele Themen hochgekommen, die bisher vernachlässigt wurden. Im Produktionsumfeld, im Logistikumfeld, im industriellen Umfeld. Zum Beispiel waren früher keine Lagerflächen oder Umrüstzeiten auf Produktionsmaschinen kritisch, weil die Chargen so groß waren, dass Produktionsunternehmen 100, 120 Prozent Auslastung gefahren sind. Eine Woche lang wurde nur eine Charge produziert – die Maschinen mussten dadurch auch nur ein Mal in der Woche auf die nächste Charge umgerüstet werden. Heute rüsten Produktionsbetriebe vier Mal am Tag um, weil die Chargen so klein geworden sind. Das heißt Umrüstzeit ist auf einmal ein kritischer Kostenfaktor. Das war vorher nie so.

Was tun die Unternehmen dagegen? Man schaut, dass man IT-mäßig möglichst weit herunterkommt zur Maschine. Vielleicht sogar zum Leitstand direkt auf Management-Ebene, damit man dort beeinflussen kann: Wie optimiere ich meine Umrüstzeiten, etc. Damit man überhaupt mal ein Feedback bekommt, wie es in der Produktion zugeht. Die Krise war ja für viele produzierende Unternehmen seit Jahren die erste Gelegenheit, IT-mäßig überhaupt etwas tun zu können auf den Maschinen. Weil: die Bänder sind gerannt. Die waren ja unter Volllast und es war kein Kostendruck da. Aber jetzt, wo die Bänder auch mal still stehen, konnte man sich dem Thema widmen.

Wie hat sich der Umsatz von Unit-IT entwickelt? Wir konnten unseren Umsatz von 27 bis 30 Millionen Euro halten. Aber das Geschäft hat sich total verschoben: Früher waren es 50 Prozent im Bereich SAP-Lizenzen und SAP-Beratung und 50 Prozent im Bereich Outsourcing. Mittlerweile liegt das Verhältnis bei 60 zu 40, wenn nicht sogar bei 70 zu 30 zugunsten von Outsourcing. Da hatten wir das Glück, dass wir als Unit-IT sehr produktionsnahe aufgestellt sind und damit die bereits erwähnten Themen wie Umrüstzeiten oder Lagerautomatisierung gut abdecken konnten.

Das Gespräch führten Manfred Weiss und Oliver Weiss.

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