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04.06.2010 Rudolf Felser

EU-Konsultation zu "Umgebungsunterstütztem Leben"

Ein hochrangiges Gremium zur Beratung der Europäischen Kommission leitet eine Konsultation zu IKT-Lösungen ein, um älteren Menschen ein selbstständigeres Leben zu ermöglichen.

Vorsitzende des Gremiums ist die frühere EU-Kommissarin Meglena Kuneva. Die öffentliche Konsultation ist der erste Schritt zur Erreichung des in der Digitalen Agenda gesetzten Ziels, unabhängiges Wohnen im Alter bis spätestens 2015 zu verdoppeln. Die Konsultation läuft bis zum 1. Juli 2010.

Das gemeinsame Programm für Umgebungsunterstütztes Leben, an dem sowohl die Europäische Kommission als auch EU-Mitgliedstaaten beteiligt sind, soll sicherstellen, dass IKT sozial isolierten, gebrechlichen, chronisch kranken oder behinderten älteren Menschen ein unabhängigeres und würdiges Leben ermöglichen, und entwickelt unter anderem neue Problemlösungen, beispielsweise zur Verhinderung von Stürzen und zur Unterstützung von Demenzkranken. Derartige Anwendungsgebiete verbessern die Lebensqualität älterer und schwacher Menschen, halten die Kosten für Sozial- und Gesundheitsfürsorge niedrig und öffnen neue Absatzmöglichkeiten für die europäischen Unternehmen und Dienstleister.

Beispiele für Forschungsprojekte im Bereich Umgebungsunterstütztes Leben sind etwa so genannte Sozialroboter zur Seniorenbetreuung, die bei den Verrichtungen des alltäglichen Lebens wie Heben von Lasten oder Kochen behilflich sein können oder einen Alarm auslösen, wenn eine eingebaute Kamera registriert, dass eine Person gestürzt ist. Ein weiteres Beispiel ist ein so genanntes intelligentes Heim, in dem intelligente Kameras die Tätigkeiten der Menschen interpretieren und Verhaltensänderungen an Notrufzentralen melden können. Darüber hinaus wird – sehr sehr Sci-Fi-lastig – moderne Forschung betrieben, um hirngesteuerte Exoskelette zu entwickeln – Anzüge, die durch die Erfassung neuronaler Signale in den Beinen dazu verhelfen, dass gebrechliche Menschen sich wieder fortbewegen können.

In Europa stellen der öffentliche und der private Sektor mehr als eine Milliarde Euro für Forschungsarbeiten und Innovationen in diesem Bereich bereit: Etwa 600 Mio. Euro für das gemeinsame Programm AAL (AAL JP), etwa 400 Mio. Euro für das EU-Forschungsrahmenprogramm und bisher mehr als 50 Mio. Euro für das das IKT-Förderprogramm der EU. Die AAL JP-Initiative ist auch auf innovative kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ausgerichtet, wobei die KMU den Angaben zufolge etwa 40 Prozent der Teilnehmer des gemeinsamen Programms AAL ausmachen.

Dem AAL JP gehören 20 EU-Mitgliedstaaten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowenien, Spanien, Ungarn, das Vereinigte Königreich und Zypern), drei assoziierte Länder (Israel, Norwegen und die Schweiz) sowie die Europäische Kommission an. Es unterstützt Lösungen, die innerhalb von zwei bis drei Jahren in Verkehr gebracht werden können und kommerziell rentabel sind. (pi/rnf)

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