Christian Wolf, Fastviewer: "Ohne sein Team ist der Manager niemand" Detail - Computerwelt

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16.06.2010 Rudolf Felser

Christian Wolf, Fastviewer: "Ohne sein Team ist der Manager niemand"

Im KMU- und EPU-Land Österreich sitzen nicht nur große, international erfolgreiche Softwarehäuser. Es gibt auch unzählige kleine, spezialisierte Softwareschmieden, einige davon nicht weniger erfolgreich.

Eine davon ist das Unternehmen Fastviewer, das mit seiner gleichnamigen Online-Collaboration- und Support-Lösung bei den "Großen der Branche" kräftig mitmischt. Zwar sind Hauptsitz und Vertriebsstrukturen zum Großteil in Deutschland angesiedelt, die Wurzeln – und das Entwickler-Team – sind und bleiben aber in Wien. Computerwelt.at sprach mit Fastviewer-CTO Christian Wolf, der österreichischen Hälfte des Geschäftsführer-Duos, über die Entstehungsgeschichte der Applikation sowie die Vorteile des Entwicklungsstandorts Österreich.

Computerwelt.at: Wie nahm die Fastviewer-Geschichte ihren Anfang? Christian Wolf:Ich hatte vorher eine andere Firma, die Software für Finanzdienstleister produziert hat. Wie wir festgestellt haben, haben Finanzdienstleister nur wenig Ahnung von PCs. Deswegen ist der Bedarf nach einer Online-Support-Lösung entstanden. Damals, das war ungefähr 2002, gab es nur wenige solcher Lösungen. Da uns der gebotene Funktionsumfang zu klein war ist die Idee entstanden, selbst eine Support-Lösung für den eigenen Bedarf zu entwickeln. Am Anfang haben zwei Leute in unzähligen Wochenend- und Nachtstunden daran gearbeitet. Bis zur Marktreife war es allerdings ein weiter Weg. 2006 wurde dann die eigenständige Firma Fastviewer gegründet. Wir haben da schon alle Schulungen für unsere Finanzdienstleister-Software, den Support und auch die Vertriebsanbahnungen über Fastviewer gelöst – dadurch wurden auch Leerfahrten der Vertriebsmitarbeiter vermieden.

Warum ist der Haupsitz von Fastviewer in Deutschland und die Entwickler sitzen in Wien? Ich bin Techniker und kein Vertriebsmensch. Wir waren damals auf der Cebit, und haben dort einen alten Bekannten getroffen (Anm.:Steven Fürsch, der zweite Fastviewer-Geschäftsführer). Steven war begeistert von Fastviewer. Noch während der Messe haben wir eine "OEM-Version" entwickelt und begonnen die Software - noch unter einem anderen Namen – zu verkaufen.

Damals noch unter dem Dach der alten Firma? Ja. Aber es ist relativ schnell klar gewesen, dass ein eigenes Unternehmen gegründet werden musste. Deswegen wurde im November 2006 in Deutschland die Fastviewer Vertriebsfirma gegründet. Wir haben ab dem ersten Tag Gewinne geschrieben, da das Produkt bereits fertig und auch die Vertriebsinfrastruktur schon vorhanden war. Dann wurden in Deutschland die ersten Kontakte zu großen Firmen angebahnt. Wir haben relativ schnell gemerkt: Wir können punkten, wenn wir beide – also beide Geschäftsführer – zum Kunden gehen. Den Kunden taugt es, das die Geschäftsführer als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und dass somit auch rasch Entscheidungen getroffen werden können. Bis der Mitbewerb ein Angebot geschrieben hat, haben wir den Auftrag oft bereits erfüllt.

Handschlagqualität also. Handschlagqualität steht für mich im Vordergrund. Es gibt zwar die Gmbh, aber es ist mein Produkt. Wenn Probleme bestehen trifft es mich persönlich. Wir stehen alle hundert Prozent hinter unserem "Baby".

Wo war Fastviewer zuerst erfolgreich? In Österreich oder Deutschland? Der Erfolg kam zuerst in Deutschland. In Österreich, mangels Vertriebsstrukturen, war es später so weit. Mittlerweile haben wir Vertriebspartner in Frankreich, Griechenland, Polen – sogar bis nach Japan oder Kanada. Fastviewer ist mittlerweile in 14 Sprachen übersetzt.

Warum sind Sie mit Fastviewer nicht komplett, also inklusive Entwicklung, nach Deutschland gegangen? Es war von Anfang an klar – da Fastviewer hier in Wien entwickelt wurde – dass wir auch hier bleiben. Die Entwicklung hing damals an zwei Personen, einer davon war ich, und die wollten nicht nach Deutschland. Zwar sieht es in Deutschland Punkto Arbeitsmarkt und Gehaltszahlungen auf den ersten Blick günstiger aus, auf den zweiten Blick ist der Wirtschaftsstandort Deutschland aber nicht besser als Österreich.

Welche Vorteile sehen Sie darin, dass die Entwicklungsabteilung in Wien geblieben ist? Wir haben hier einen "Heimvorteil" gegenüber Anbietern aus dem Ausland – den direkten Draht zum Kunden, wenn Sie so wollen. Bei persönlichen Verhandlungen geht es nicht so sehr um den Preis, sondern auch um die menschliche Komponente. Sehr viele Entscheidungsträger, gerade in großen Institutionen, sind es nicht gewohnt, dass sie es mit "Menschen" zu tun haben.

Welche Art von Dienstverhältnissen gibt es bei Fastviewer? Wir haben am Anfang viel mit Freelancern gearbeitet, mittlerweile sind alle angestellt – selbst die Vertriebsmitarbeiter und die Grafiker. Denn für uns ist die Kontinuität wichtig. Freelancer sind am Anfang praktisch, weil nicht klar ist wie viel Arbeitsvolumen vorhanden ist. Aber auf lange Sicht will man Mitarbeiter binden. Deswegen haben wir auch eine zusätzliche Firmenpension geschaffen. Das bindet die Leute an das Unternehmen. Ohne sein Team ist der Manager niemand. Wir haben ein sehr herzliches Miteinander.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Rudolf N. Felser.

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