Daniel Petri, Fatfoogoo: "Gaming-Szene ist eigene Volkswirtschaft mit klaren Reglementierungen" Detail - Computerwelt

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07.07.2010 Alex Wolschann

Daniel Petri, Fatfoogoo: "Gaming-Szene ist eigene Volkswirtschaft mit klaren Reglementierungen"

Der heimische E-Commerce-Anbieter Fatfoogoo ist aufgrund der spezifischen Lösungen vom amerikanischen Nasdaq-Riesen Digital River übernommen worden.

Einen Umzug nach Silicon Valley gibt es nicht. Fatfoogoo hat sich einen Fortbestand des Standortes Wien ausverhandelt und konnte sich durchsetzen, Wien zum europäischen Zentrum des IT-Riesen zu machen. Im Gespräch mit der Computerwelt erklärt Mitbegründer Daniel Petri wie es zu dieser spektakulären Übernahme gekommen ist und was hinter den Aktivitäten von Fatfoogoo tatsächlich steckt.

Computerwelt: Wie kam es zur Übernahme Ihres Unternehmens durch den US-Riesen Digital River? Daniel Petri: Fatfoogoo ist ein Softwarehersteller, der für Gaming-Studios und Publisher die Möglichkeit schafft, im Spiel ein Ecosystem zu generieren. Das kann von der Integration von einfachen Zahlungsformen bis zum Verkauf von Gegenständen im Spiel an die User gehen. Durch Spiele wie World of Warcraft hat sich aus Asien kommend eine Entwicklung durchgesetzt, die wir "free to play" nennen. Das Spiel wird gratis geladen und der Gewinn kann durch Zusatzfeatures wie Downloads von Gütern oder Grundstücken im Spiel generiert werden. Diese Software stellen wir zur Verfügung und daran war Digital River interessiert. Wenn etwa von Symantec oder Microsoft eine Software geladen wird, wird diese Aktion zu 90 Prozent von Digital River durchgeführt. Im E-Commerce-Bereich gehören sie zu den weltweit größten Playern. Da wir in Europa eine sehr gute Marktposition haben, hat sich die Übernahme angeboten. Der Standort Wien wird nicht nur gehalten, sondern auch weiter ausgebaut werden. Dafür haben wir uns ausgesprochen und das war auch kein Problem. Unsere Mitarbeiter sind aber auch unser größtes Asset. Schließlich geht es ja auch um eine Unternehmenskultur.

Wird die Software individuell für jeden Publisher maßgeschneidert? Im Grunde ja. Wir bieten inzwischen White-Paper-Lösungen an, auf denen alle Hersteller aufsetzen und ihre individuellen Wünsche realisieren können. Durch Facebook und Co. geht die Tendenz immer mehr zu Casual Games oder Arcade Games, bei denen nicht mehr die Hardcore-Gamer, sondern die breite Masse mitspielt. Wir haben ursprünglich für Spieler programmiert, haben aber festgestellt, dass es da eine ziemliche Grauzone gab und einen hohen Unsicherheitsfaktor. Viele Spielhersteller haben sich auch dagegen gewehrt. Jetzt können sie E-Commerce reglementieren und kontrollieren. Die Hersteller wollten auch keine Drittmarke groß werden lassen. Jetzt arbeiten wir im Hintergrund, aber die Unternehmen sehen uns nicht als Bedrohung.

Sie sind also von einem B2C zu einem B2B-Anbieter geworden. Ganz genau. Es ist zwar nur ein Buchstabe aber es ändert sich schlicht und einfach alles. Der Schwenk war natürlich ein gewisses Risiko. Anfangs mussten wir sogar ein Drittel der Mitarbeiter abbauen und das B2B-Geschäft langsam aufbauen. Da hätte die Stimmung in unserem jungen Unternehmen kippen können. Zum Glück ist alles sehr gut gelaufen. Aber Martin (zweiter Gründer und CEO Martin Herdina, Anm. d. Red.) und ich kommen aus dem B2B-Geschäft und daher haben wir uns sehr wohl mit der neuen Ausrichtung gefühlt.

Ist die Arbeit für die Publisher der Grund, warum Fatfoogoo selbst in Gaming-Kreisen kaum bekannt ist? Für die Gamer sind wir inzwischen unsichtbar geworden, was auch gut so ist. Als B2C-Anbieter war man bei den Gamern gar nicht gerne gesehen, weil man Spielern schnelleren Erfolg im Spiel durch zusätzliche Zahlungen ermöglicht hat. Viele Spieler haben das als Art von Betrug aufgefasst. Als Partner der Hersteller ist das ganz anders. Die Hersteller geben die Regeln vor und die Spieler akzeptieren das. Früher hat man 60 Euro für ein Spiel bezahlt und dann zehn Euro im Monat. Heute muss für das Spiel zum Teil kein Cent ausgegeben werden. Niemand wird gezwungen zu investieren. Wer das aber möchte, kann es tun. Unabhängig davon ob das Geld im Spiel für bessere Waffen, Goldstücke oder Ähnliches ausgegeben wird.

Wie werden diese Transaktionen abgewickelt? Der User kann sich einen Acount anlegen und Geld einzahlen. Jeder reale Geldwert entspricht einem gewissen Wert im Spiel. Das ist vom Spielehersteller ganz genau geregelt. Im Grunde entsteht ein eigene Volkswirtschaft, die Regeln unterworfen sein muss. Das ist sehr komplex. Wir haben dafür einen eigenen Volkswirt eingestellt.

Das Gespräch führte Alex Wolschann.

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