Nahed Hatahet: "Wer hätte vor zehn Jahren seine Kontodaten im Internet angegeben?" Detail - Computerwelt

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21.07.2010 Alex Wolschann

Nahed Hatahet: "Wer hätte vor zehn Jahren seine Kontodaten im Internet angegeben?"

Nahed Hatahet hat sich auf Unternehmens-Kollaboration, Infrastruktur und Virtualisierung spezialisiert. Basis der Kommunikationslösungen sind enge Partnerschaften mit Microsoft, Vmware und Netapp. Hatahet productivity solutions ist Microsoft Gold Certified Partner und Vmware Enterprise Partner.

Computerwelt: Microsoft hat im Rahmen der Partnerkonferenz in Washington eine neue Philosophie präsentiert. Was verändert sich für die vielen Microsoft-Partner und -Kunden durch den Wandel zur Cloud-Strategie? Nahed Hatahet: Sehr viele Partner haben Angst vor der Cloud und glauben, dass Microsoft ihnen das Business wegnimmt. Die Partner verdienen im Rechenzentrum aber sowieso, da die Daten ja irgendwo her kommen müssen. Die Partner von Microsoft müssen einfach verstehen, dass das Business anders wird. Schon heute besteht das Partnergeschäft aus 70-80 Prozent Beratung über die richtige Implementierung und nur noch knapp 20 Prozent aus dem reinen Aufstellen der Server. Diesen Wandel müssen die Partner verstehen und leben.

Wie kann der Kunde davon profitieren? Was mir an diesem Business-Modell besonders gut gefällt und uns auch in die Zukunft bringen wird ist, dass Microsoft es geschafft hat, eine Kombination aus allem anzubieten. Swarowski etwa ist keine IT Firma, hat aber mindestens 400 Leute in ihrer IT-Abteilung sitzen. Das ist heutzutage Mittel zum Zweck. In Zukunft könnten das weitaus weniger sein. Die Zukunft des IT-Administrators wird primär mit Organisation und Beratung zu tun haben. Jene die umdenken können, werden erfolgreich sein. Wir als Microsoft-Partner spezialisieren uns nicht mehr darauf, Exchange Server aufzubauen und wieder zu gehen, sondern auf Beratung. Das haben viele Partner noch nicht verinnerlicht. Unternehmen wie etwa IBM waren immer schon auf Service fokussiert, Microsoft kommt aus dem reinen Produktbereich und hat es geschafft eine Plattform zu etablieren, auf der nicht mehr produktorientiert sondern serviceorientiert gedacht wird. Die Partner, die darauf nicht aufsetzen, könnte es schon bald nicht mehr geben. Heutzutage gilt: Wenn die Technik implementiert ist, fängt das Projekt erst an.

Unternehmen welcher Größe können am meisten von Lösungen aus der Wolke profitieren? Wenn zwei junge Leute heute ein Unternehmen mit wenig Geld aber einer guten Idee gründen, dann brauchen sie Mail, eine Collaboration Plattform, evt. Live Meeting für Videokonferenzen. Wenn sie das alles kaufen müssten aus traditioneller Sicht, wäre ein Kredit für viel Geld nötig. Gerade die Online-Services sind aber sehr attraktiv für kleine Unternehmen oder Start-ups. Mit einer Investition von 15 Euro im Monat können diese Bedürfnisse erfüllt werden. Viele kleine Unternehmen haben die Hardware ja schon und können neue Services direkt aus der Cloud beziehen. Ein Großunternehmen will nicht unbedingt in die Cloud weil es gewisse Sicherheitsbedenken gibt. Da gibt es aber ein so genanntes Dedicated Modell, mit eigenem Serverbereich und eigener Plattform. Es gibt für jede Unternehmensgröße eine passende Cloud-Infrastruktur. Manche Lösungen werden nur für den Zeitraum eines Projektes benötigt. Danach nie wieder. Wieso sollte man um viel Geld Lizenzen und Hardware kaufen, wenn sie nach wenigen Monaten nach Projektanschluss nicht mehr benötigt werden? Da gehe ich doch lieber in eine Infrastruktur, die mir das out of the box liefern kann.

Viele Unternehmen sind aber gerade aufgrund von Sicherheitsbedenken eher zurückhaltend. Die langfristige Strategie von Microsoft, dieses Modell in drei oder fünf Jahren am Markt zu etablieren, ist auch eine Aufklärungsmission. Hier geht es darum, Ängste abzubauen und Vertrauen aufzubauen. Wer hätte vor zehn Jahren seine Kontodaten für E-Commerce im Internet angegeben? Je mehr Kunden vorzeigen, dass es gut und sicher funktioniert, desto eher wird die Hemmschwelle abgebaut.Im Grunde muss man sich fragen: Wem vertrauen sie mehr? Einem großen Security-Spezialisten, der das Ganze entwickelt hat und wirklich weiß worum es geht und auch zentral betreibt, oder einer Fünf-Mann-Bude ums Eck die irgendwo einen Server hat und das Hosting übernimmt. Wer weiß, ob die überhaupt zertifiziert sind oder welche Security-Richtlinien dort gelten. Da vertraue ich lieber dem großen Konzern. Ich glaube auch, dass die Cloud die Spamflut eindämmen könnte. Immerhin sind heute 80 Prozent aller Mails Spam. In der Cloud ist es nicht so einfach, von außen auf die Server zuzugreifen. Die Cloud bietet einfach mehr Chancen als Risken.

Microsoft geht davon aus, dass bis 2012 90 Prozent aller Mitarbeiter für die Cloud arbeiten werden und die Cloud das zentrale Geschäftsmodell wird. Braucht Microsoft dann überhaupt noch Partner? Das sehe ich ganz entspannt. Jemand der mich umgehen will, spricht nicht so oft mit mir. Microsoft entwickelt keine fertigen Lösungen, Microsoft entwickelt eine Sharepoint-Infrastruktur mit einer nackten Website. Das wird aus heutiger Sicht auch so bleiben. Microsoft ermöglicht es den Partner ja auch, Lösungen über die Cloud zu vermarkten. Microsoft ist unter anderem durch die extrem dichte gut verwaltete Partnerlandschaft groß geworden. Microsoft ist so erfolgreich, weil Millionen von Partnern auf Basis der Microsoft-Produkte Lösungen entwickeln. Die Bereinigung wird stattfinden, weil sich das Business verändern wird. Am Partner-Commitment wird das nichts ändern.

Das Gespräch führte Alex Wolschann.

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