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01.08.2010 pte/idg/Rudolf Felser

Apple ist die neue Weltreligion

Kommunikationsforscher und Markenexperten glauben religiöse Züge bei der von Apple zelebrierten Art der Produktinszenierung zu erkennen und ziehen sogar Parallelen zur Geschichte von Jesus.

Apple ist eine Religion, Steve Jobs ihr Papst und seine Jünger glauben nur noch statt vernünftig zu denken. Was bislang oft hinter mehr oder minder vorgehaltener Hand in nicht ganz so "gläubigen" Kreisen gewitzelt wurde, bekam nun "offizielle" Rückendeckung durch US-Kommunikationsforscher in der Zeitschrift "New Media & Society". Anlass ist zweifelsohne die Erwartungshaltung, mit der die Welt dem iPhone 4 entgegengefiebert hat. "Apple erzeugt Religions-ähnliches Verhalten und Gefühle von seinen Fans. Diese vertrauen seinen Produkten, ganz gleich welche technischen Mängel es aufweist", erklärt Studienautorin Heidi Campbell laut einem Bericht auf foxnews.com. Allerdings dürfte Campbell wohl nicht ganz richtig zitiert worden sein, wie sie per Blog klarzustellen versucht.

Apples Geschichte hat viele Elemente einer traditionellen Religion, werden in dem Fox-Artikel ungenannte Forscher zitiert. "Es entstand in einer demütigen Garage, ähnlich wie der Stall Betlehems. Steve Jobs trägt messianische Züge, wenn er von seiner Firma gefeuert wurde und zurückkam, um sie zu retten. Zudem hat Apple einen bösen Widersacher, der zunächst von Microsoft und nun von Google dargestellt wird." Apple pflegt dieses Image penibel, gestaltet seine minimalistischen, weißen Stores als Kirchen der Hightech-Generation und stilisiert seine Produkte zu religiösen Kultobjekten.

RELIGONSBEKENNTNIS "Hightech-Produkte wurden früher mit ihren Features beworben. Heute zählt die Emotion", berichtet etwas nüchterner der Markenexperte Stefan Vogler gegenüber dem Nachrichtendienst pressetext. Erst durch Apple sei dieser Fokus des Marketings in den Bereich Business-to-Consumer gelangt. "Der Sympathieaufbau gelang lange Zeit durch das Bild des Davids, der gegen den Riesen Goliath kämpft. Durch exklusives Design und Nutzerorientiertheit hat Apple aus technischen Produkten Konsumprodukte des Alltags gemacht, die nicht mehr aus dem Leben wegzudenken sind."

Auch Vogler schließt sich Campbells religiöser Interpretation an. "Apple ist wahrscheinlich eine der wenigen verbindenden Weltreligionen", so der Experte dann doch in höheren Sphären schwebend. Hinweise dafür sieht er in den Apple-Fans, die zu Telekom-Läden pilgern und dort campieren. "Apple-Produkte vermitteln Status, besonders wenn jeder bei einem Meeting sein Handy auf den Tisch legt. Wer nicht zur Apple-Community gehört, wird beinahe ausgeschlossen. Zudem löst es genau wie die Mitteilung des religiösen Bekenntnisses Diskussionen aus, wenn man sich als Apple-Käufer outet."

Noch tiefer geht der Wiener Gestaltungs- und Wirkungsforscher Peter Fleissner in seiner Analyse. "Technik ist aus magischen Praktiken erst hervorgegangen, indem es die Traumwelt allmählich real gemacht hat", so der Experte gegenüber pressetext. Werbekampagnen laden laut Fleissner die Hightech-Artikel mit Erwartungen auf. "Wünsche entstehen, bei denen es aber nicht mehr um individuelle Bedürfnisse geht. Ziel ist nur mehr der Nachvollzug der Werbebotschaften." Bedenklich sei dabei, dass statt der zwischenmenschlichen Dimension nur mehr die Ebene Mensch und Gegenstand bedient wird.

EGOISTEN-MAGNET? Einer Studie zufolge sind iPad-Besitzer allerdings egoistisch und unfreundlich. Sie interessieren sich im Allgemeinen für Finanz- und Wirtschaftsfragen, zählen sich zur Elite und sind stolz auf ihr Geld. Außerdem sind sie in der Gruppe der unabhängigen Nerds anzusiedeln, die sich viel lieber mit Videospielen beschäftigt als mit ihren Mitmenschen.

Das sind nur einige der Resultate, die das amerikanische Marktforschungsinstitut "Mytype" in der Studie erarbeitet haben will. Allerdings ist die Quelle ein wenig einseitig: Zwischen März und Mai 2010 wurde unter 20.000 Facebook-Benutzern eine Umfrage zum Thema gemacht, wobei auch das Kaufverhalten und andere Faktoren untersucht wurden. iPad-Besitzer schneiden nicht zuletzt deshalb so schlecht ab, weil es sich beim iPad in den Augen vieler um ein Luxusprodukt handelt. Immerhin 39 Prozent der Befragten interessierten sich nicht die Bohne für das iPad. (pte/rnf/idg)

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