Die Krise ist vorbei – was bleibt ist die Krise Detail - Computerwelt

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23.08.2010 Alexander Ghezzo*

Die Krise ist vorbei – was bleibt ist die Krise

Für viele österreichische Unternehmen war vor allem 2009 ein Jahr der Zäsur und des Existenzkampfes. Aktuellen Meldungen klingen deutlich entspannter. Haben wir es also überstanden?

Seit 2007, als der Subprime Markt in Amerika seine drohenden Schatten auf die Bankenwelt warf, kommen wir aus der Krisenstimmung nicht mehr richtig raus. Für viele österreichische Unternehmen war vor allem 2009 ein Jahr der Zäsur und des Existenzkampfes. Die aktuellen Pressemeldungen klingen schon deutlich entspannter. Haben wir es also tatsächlich überstanden?

2009 hat sich die Finanzkrise auch in Österreich in eine handfeste Krise der Realwirtschaft verwandelt. Das BIP ist in Österreich um reale 3,9 Prozent gesunken. So ein starkes Minus gab es zuletzt 1945. Damit lag Österreich deutlich besser, als zum Beispiel Deutschland und Italien – Österreichs wichtigste Handelspartnern.

Es gab es um 14 Prozent mehr Insolvenzen in Österreich als die Jahre davor. 2010 sollen es um nochmal zehn Prozent mehr Unternehmen sein, die Aufgrund schlechter Auftragslage, nicht einbringbarer Ausstände, oder auch nur wegen fehlender Finanzierung aufgeben müssen. Dennoch: die Konjunktur stabilisiert sich und die großen Österreichischen Unternehmen geben wieder Gewinnmeldungen aus. Die staatlichen Hilfestellungen und kurzfristigen Förderungen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Was bleibt ist ein Schuldenberg, Katerstimmung und eine Menge an unterschiedlich spitzen Damoklesschwertern über unseren Köpfen.

RATIONALISIERUNG BRINGT'S Die Rekordumsätze der Hochkonjunktur-Jahre 2007 und 2008 haben trotz drohender Wolken dazu geführt, dass viele Unternehmen sich unkontrolliert aufgeblasen haben. Überkapazitäten wurden geschaffen, Bilanzen schön gerechnet und an der Börse spekuliert. Die Interessen der Share Holder waren Grundlage von Managemententscheidungen, die im krassen Gegensatz zu einer nachhaltigen Geschäftsentwicklung stehen. Internationale Bilanzierungsstandards haben da mehr verschleiert als aufgedeckt und die Ratingagenturen hatten eine große Macht, die sie sich gut bezahlen ließen.

Als dann die Krise – und damit eine Auftragseinbruch von bis 80 Prozent - kam, war es an der Zeit und die Gelegenheit all diese Missstände zu bereinigen. Wann sonst kann ein renommiertes Unternehmen es sich schon leisten, tausend Mitarbeiter zu entlassen, Förderungen abzuholen und die Börsenkapitalisierung zu verringern? Die Unternehmen gingen daran ihr Rationalisierungsreserven zu ziehen und da war noch so viel Spiel, dass die Gewinnsituation jetzt bei steigender Auftragslage überraschen positiv ausfällt. Gudrun Fischer-Colbrie – Chefberaterin bei Confare – analysiert die optimistische Stimmung in den Unternehmen: "Kunden sind in Krisenzeiten loyaler, Mitarbeiter alarmierter und motivierter, ganze Organisationen sind eher bereit, mehr Einsatz zu leisten, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen respektive den Aufschwung zu schaffen. Wichtig dabei sind allerdings schnelle Erfolge, rasch sicht- und spürbare Ergebnisse. Dabei geht es zunächst nicht einmal nur um Umsatzsteigerung, sondern um Verbesserungen in der organisatorischen Effizienz."

KRISE AUSGESTANDEN? Die weiter steigenden Insolvenzzahlen auch im privaten Bereich, Staatschulden sowie Staatsbankrote inklusive Inflations- und Deflationsszenarien zeigen, dass die unruhigen Zeiten noch lange nicht vorbei sind. Markus Oman, Geschäftsführer und Gründer der O.P.P. Beratung und profunder Experte zum Thema Unternehmenssteuerung findet klare Worte, auf die Frage, ob die Krise überstanden ist: "Nein! Vor allem nicht für alle Branchen und nicht für jene Gesellschaften die es nicht schaffen mit Ihrer verfügbaren Liquidität (also inklusive Ihrer Linien) Ihr Geschäft bis mindestens Sommer/Herbst 2011 zu finanzieren."

Gerade das Thema Liquidität kann Unternehmen auch jetzt noch den Hals brechen. Zahlungsverzüge von säumigen Kunden waren vor kurzem noch kein Thema. Bei der Bank saßen die Euro locker. Jetzt aber wird der Geldhahn schnell zugedreht. Die Banken begründen das mit höherem Risiko und den strengeren Eigenkapitalvorschriften. In Härtefällen wird so auch schon mal einem an sich vielversprechenden Unternehmen die Basis genommen. Basel III bringt wahrscheinlich auch keine Entspannung.

PHASE DER UNSTABILITÄT Die wirtschaftliche Volatilität wird uns wohl erhalten bleiben. Im nächsten Jahrzehnt stehen uns viele Themen von globaler Bedeutung ins Haus, von der Klimaveränderung bis zur Vergreisung Europas, ganz zu schweigen von Umverteilungsthemen und Währungskrisen, so dass wir uns an ein bisschen Krisenstimmung gewöhnen sollten. Kein Wunder, dass die Unternehmen der Unsicherheit entgegenwirken wollen und auf nachhaltige Strategien setzen. Wachstum – koste es was es wolle – kann nicht mehr das einzige Ziel von Unternehmen sein. Das müssen nun auch die Top-Manager einsehen, die immer stärker für die Folgen ihres Handelns zur Verantwortung gezogen werden.

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